Covid-19: Schwere oder tödliche Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen „extreme Seltenheit“

Eine Schülerin macht einen Nasenabstrich für einen Corona-Selbsttest.

Eine Schülerin macht einen Nasenabstrich für einen Corona-Selbsttest.

Dass Kinder und Jugendliche einen schweren oder tödlichen Covid-19-Krankheitsverlauf entwickeln, sei nach wie vor eine „extreme Seltenheit“. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) in einer aktuellen Stellungnahme. Seit Mitte März erfasst sie in einem Register, wie viele Kinder und Jugendliche mit Corona-Infektionen in den Kinderkliniken bundesweit stationär behandelt werden. Dabei zeigte sich bisher kein erhöhtes Hospitalisierungs- und Sterberisiko.

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Vier Kinder im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben

Das Register umfasste am 11. April klinische Krankheitsverläufe von 1259 Kindern aus 169 Krankenhäusern. 62 von ihnen (5 Prozent) mussten auf der Intensivstation versorgt werden. Rund ein Drittel der Kinder war jünger als ein Jahr, ein Drittel zwischen zwei und sechs Jahren und ein Drittel zwischen sieben und 20 Jahren. Insgesamt verzeichnete die DGPI bis Anfang April acht Todesfälle, vier davon ließen sich auf Covid-19 zurückführen.

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„Jeder einzelne Fall eines schwer erkrankten oder verstorbenen Kindes an einer Sars-CoV-2-Infektion ist ein Fall zu viel und ein unerträgliches Einzelschicksal für Kind und Familie“, heißt es in der Stellungnahme. Gerechnet auf schätzungsweise 14 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland würden die rund 1200 stationär behandelten Corona-Infektionen jedoch einen Anteil von weniger als 0,01 Prozent ausmachen. Bei den vier Covid-19 bedingten Todesfällen seien es weniger als 0,00002 Prozent. Dies „sollte Anlass sein, Eltern übergroße Sorgen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu nehmen“, schreibt die DGPI.

Sieben-Tage-Inzidenz in den jüngeren Altersgruppen gestiegen

Die Fachgesellschaft verweist darauf, dass im Zusammenhang mit der Grippewelle 2018/2019 beispielsweise neun Todesfälle auftraten – also mehr als bisher in Verbindung mit Covid-19. „Diese Zahlen sollen und dürfen keinesfalls gegeneinander aufgerechnet werden, mögen aber bei der Einordnung helfen“, heißt es. Außerdem macht die DGPI darauf aufmerksam, dass die Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) von den oben genannten Werten abweichen könnten. So würden zum Beispiel Todesfälle in die RKI-Statistik eingehen, bei denen ein direkter Erregernachweis unabhängig von der tatsächlichen Todesursache vorliege.

Ein Jahr Lockdown: „Kinder verlieren fast ein ganzes Jahr“

Vor einem Jahr ging Deutschland in den ersten Lockdown. Davon wurden auch die Kinder im Land hart getroffen, sagt Kinderschutzbundpräsident Heinz Hilgers.

Das RKI beobachtet schon seit einigen Wochen, dass sich vermehrt Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus infizieren. Allein in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der 14. Kalenderwoche (5. bis 11. April) bei 189,25 Fällen pro 100.000 Einwohner. Damit hat sie sich innerhalb von fünf Wochen fast verdoppelt. Bei der Interpretation der Daten muss allerdings beachtet werden, dass die Jüngeren inzwischen häufiger auf Sars-CoV-2 getestet werden, unter anderem in Schulen und Kitas. Dort komme es zunehmend zu Corona-Ausbrüchen, berichtet das RKI in seinem aktuellen Situationsbericht.

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Corona-Notbremse: Schulschließungen ab Inzidenz von 165

Um Infektionen in den Bildungseinrichtungen zu vermeiden, sieht der von der Bundesregierung erarbeitete Entwurf zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes bisher vor, dass Schulen ab einer Inzidenz von 165 Fällen pro 100.000 Einwohner keinen Präsenzunterricht mehr anbieten dürfen. Stattdessen müssen die Schüler im Distanzunterricht lernen.

Dazu schreibt die DGPI in ihrer Stellungnahme: „Die weiterhin bestehende extreme Seltenheit eines schweren oder gar tödlichen Verlaufes von SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen ist nicht geeignet, als Argument für Schul- und Kita-Schließungen benutzt zu werden. Nur die verbleibende Behauptung, dass zwischen den Infektionen bei Kindern und Jugendlichen und der Überlastung der Intensivstationen und den schweren und tödlichen Verläufen der älteren Erwachsenen ein Zusammenhang bestehe, könnte Kita- und Schulschließungen rechtfertigen.“ Um diese These zu bestätigen, mangele es aber noch an Daten.

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