Corona-Pandemie verstärkt soziale Ängste bei Kindern und Jugendlichen

Die Isolation während den Lockdowns hat den Kindern und Jugendlichen besonders zu schaffen gemacht.

Die Isolation während den Lockdowns hat den Kindern und Jugendlichen besonders zu schaffen gemacht.

Das Coronavirus ist ein Angstvirus. Es hat Angst vor schweren, sogar tödlichen Erkrankungen geschürt, Angst vor einer fortwährenden Einsamkeit, Angst vor der Zukunft, Angst um die Gesundheit der Familie, Angst vor dem Verlust der Freiheit. Auch schon längst überwunden geglaubte Ängste kamen durch die Pandemie wieder zum Vorschein. Besonders deutlich zeigen sich diese Auswirkungen des Coronavirus bei den Kindern und Jugendlichen.

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„Angsterkrankungen, Depressionen und Essstörungen haben zugenommen“, berichtet Michael Schroiff, Vorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Bei den meisten seiner jungen Patientinnen und Patienten sind bereits vorhandene psychische Störungen durch die Pandemie noch einmal verstärkt worden, vor allem soziale Ängste. Auch Tic-Störungen beobachtet er inzwischen häufiger bei seinen Patienten.

Kinder entwickeln während zweiter Corona-Welle depressive Züge

Diese Einschätzung deckt sich mit einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Diese hatte zwischen Dezember 2020 und Mitte Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und Jugendliche sowie mehr als 1600 Eltern zu ihrem Wohlbefinden und ihrer Lebensqualität befragt. Dabei kam heraus, dass fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten leidet. Depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden seien im Vergleich zur ersten Befragung im Sommer 2020 verstärkt aufgetreten. Sieben von zehn Kindern gaben eine geminderte Lebensqualität an, vier von fünf fühlten sich durch die Corona-Pandemie belastet.

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Der Hamburger Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut Schroiff hat zudem zwischen der ersten und dritten Corona-Welle eine auffällige Entwicklung festgestellt: War es zu Beginn die Panik vor dem Virus, die die Kinder und Jugendlichen umtrieb, so entwickelten sie im weiteren Verlauf eher depressive Züge. „Die Kinder sind zu Hause zum Teil in ein Loch gefallen, aus dem sie nicht mehr herauskamen“, sagt er.

„Sie haben resigniert, wollten manchmal gar nicht mehr aufstehen.“ Die Sorge, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und schwer zu erkranken, sei mit der Befürchtung einhergegangen, dass die Isolation niemals enden könnte. Das sei sehr belastend für die Kinder und Jugendlichen gewesen.

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Zumal wichtige Anlaufstellen wie Jugendhäuser, Sportvereine, Musikschulen und anfangs sogar Spielplätze geschlossen waren. Es mangelte an sozialen Begegnungen. Nur auf digitalem Weg mithilfe von Smartphones und Computern ließ sich zeitweise mit den Freundinnen und Freunden, Klassenkameraden und auch Großeltern Kontakt halten. Ansonsten war das Leben auf den engsten Familienkreis beschränkt.

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Teilweise sei es dort auch zu Spannungen gekommen. Denn für viele Eltern stellten die Lockdowns eine große Herausforderung dar. „Neben ihrem Hauptberuf mussten sie noch eine weitere Arbeit übernehmen: die der Lehrerinnen und Lehrer beziehungsweise der Erzieherinnen und Erzieher. Das hat viele Kapazitäten gebunden“, so Schroiff.

Steigender Bedarf an psychologischer Betreuung möglich

Nach mehreren Monaten Homeschooling stellt sich jetzt allmählich wieder ein normaler Schulbetrieb ein. Doch auch die Rückkehr zu einer ansatzweisen Normalität kann oftmals mit Ängsten verbunden sein. Plötzlich müssen sich die Kinder und Jugendlichen wieder mit Gleichaltrigen auseinandersetzen, nachdem sie sonst allein in ihrem Zimmer gelernt haben. „Das macht Angst“, weiß der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut. Wichtig sei jetzt zum Beispiel, wieder Angebote zu schaffen, in denen sich die Heranwachsenden entfalten und mit anderen austauschen können.

Auch sollten Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden: „Es sollte nicht wieder vorkommen, dass Kinder und Jugendliche am Unterricht nicht teilnehmen können und abgehängt werden, weil sie keine internetfähigen Geräte zu Hause haben“, führt Schroiff als Beispiel an. Er rechnet zudem mit einem steigenden Bedarf an psychologischer Betreuung in den jüngeren Altersgruppen, ausgelöst durch das Fortbestehen der Corona-Pandemie. „Auch wenn die akute Pandemie vorbei ist, gehe ich davon aus, dass wir mit Gesundheitsfolgen bei Kindern und Jugendlichen zu kämpfen haben werden.“

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