Aids-Bekämpfung könnte durch Corona-Pandemie herben Rückschlag erleiden

690.000 Menschen weltweit sind im vergangenen Jahr an Aids gestorben.

690.000 Menschen weltweit sind im vergangenen Jahr an Aids gestorben.

Berlin, Genf. Die Vereinten Nationen warnen vor Rückschlägen im Kampf gegen HIV/Aids durch die Corona-Pandemie. Wegen der Lockdowns in vielen Ländern könnte es in diesem Jahr bis zu 293.000 zusätzliche HIV-Infektionen und 148.000 zusätzliche Aids-Tote geben, sagte die Exekutivdirektorin des UN-Aidsprogramms (UNAIDS), Winnie Byanyima (61), am Mittwoch bei einer Video-Pressekonferenz der Entwicklungsorganisation ONE zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

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Die Gesundheitsdienste vieler Länder seien durch den Kampf an zwei Fronten stark belastet oder unterbrochen.

Weniger Aids-Tests durchgeführt

In vielen Ländern hätten Lockdowns und Schulschließungen zu einer Zunahme von Vergewaltigungen geführt. „Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein Haupttreiber der HIV/Aids-Pandemie“, sagte Byanyima. Es seien neue Infektionen zu befürchten, weil junge Mädchen nicht an so sicheren Orten wie Schulen seien.

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Auch zeige sich, dass weniger Menschen zu Aids-Tests und zu Behandlungen kämen. Wer die Einnahme von Aids-Medikamenten abbreche, schwäche seine Immunität, was lebensgefährlich sein könne. Und er könne das HI-Virus dann auch wieder verbreiten.

Sands: „Das Virus tötet immer noch Millionen Menschen“

Im vergangenen Jahr wurden weltweit 1,7 Millionen HIV-Neuinfektionen und 690.000 Aids-Tote erfasst. 38 Millionen Menschen lebten 2019 mit der Immunschwäche. „Wir haben den Kampf noch nicht zu Ende gebracht“, sagte Peter Sands, Leiter des Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria.

„Das Virus tötet immer noch Millionen Menschen“, betonte der 58-jährige frühere Bankmanager, der auch für die Weltbank tätig war. Im Kampf gegen Aids habe man gelernt: Wenn es in reichen Ländern nicht mehr viele Todesfälle gebe, dürfe die Pandemie nicht vom Radar fallen. Dies dürfe die Welt bei Covid-19 nicht zulassen.

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Bynamyima befürchtet eine weitere Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen, die besonders von HIV bedroht sind. So würden Beschäftigte im Sexbusiness, Drogenabhängige und Männer, die Sex mit Männern hätten, auch als Sündenböcke für Corona-Infektionen betrachtet, sodass sie Gesundheitsdienste mieden, sagte die frühere Chefin der Entwicklungsorganisation Oxfam.

RND/epd

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