Wahrscheinlich bald auch Ansteckungen bei Frauen

Virus im Sperma nachgewiesen: Sind die Affenpocken sexuell übertragbar?

Das Affenpockenvirus kursierte bereits in den 1970ern in Teilen Afrikas.

Wie es zum neuen Affenpockenausbruch mit ganz neuem Verbreitungsmuster kommen konnte, ist Forschenden rätselhaft. Das Virus verbreitet sich plötzlich von Mensch zu Mensch, in Europa, den USA, Kanada. Mehr als 330 Fälle in über 20 Ländern sind inzwischen bestätigt. Sie stehen offenbar nicht zu West- und Zentralafrika, den bisherigen Verbreitungsgebieten. Sie können auch nicht mehr auf Ansteckungen bei Nagetieren zurückgeführt werden – was bislang die Regel war. Was hat sich also geändert?

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Forschende verfolgen da verschiedene Ansätze. Das Virus könnte beispielsweise andere Übertragungswege als bisher nutzen. Es könnte sich nicht nur über Tröpfchen, Schmierinfektionen und infektiöse Pocken auf der Haut verbreiten, sondern womöglich vermehrt über weitere Körperflüssigkeiten – also etwa Blut, Sperma und Vaginalsekret. Bislang ist die Datenlage aber dünn, es gibt nur vereinzelt Hinweise. Und es ist auch nicht die einzige Theorie.

Affenpockenvirus in Sperma nachgewiesen

Auch die Struktur des Virus könnte sich beispielsweise verändert haben. Ähnlich wie das Coronavirus könnte es mithilfe von Mutationen übertragbarer geworden sein, also schneller mehr Menschen anstecken. Affenpocken gelten bislang aber eigentlich eher als träge. „Bis jetzt haben wir keine bahnbrechenden Veränderungen des Genoms gesehen“, sagt Roman Wölfel, der am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr Genomsequenzen der ersten mit Affenpocken Infizierten in Deutschland analysiert. Die Laborexperimente seien aber auch noch nicht abgeschlossen.

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Zu denkbaren Übertragungswegen laufen ebenfalls Untersuchungen, auch in Deutschland. Erste Erkrankte hierzulande wurden inzwischen genauer untersucht. „Neben der klassischen Schmierinfektion und Tröpfchen haben wir das Virus auch im Sperma nachweisen können“, berichtet der Infektiologe Clemens Wendtner. An der München Klinik Schwabing betreut er momentan zwei mit Affenpocken Infizierte. „Wir haben es auch mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu tun“, sagt der Chefarzt.

In der Tat sei die Viruskonzentration im Sperma höher gewesen als im Blut, sagt auch Mikrobiologe Wölfel, der an den Untersuchungen beteiligt ist. Ob und wie lange infektiöses Virus nachweisbar sein könnte, sei aber noch nicht klar. Im Urin sei das Virus noch nicht nachgewiesen worden.

Auch bald Ansteckungen bei Frauen entdeckt?

Wölfel betont zudem: „Sexualität hat nicht nur etwas mit dem Übertragen von Samenflüssigkeit zu tun.“ Das Affenpockenvirus verbreite sich nach allem, was man bislang weiß, im ganzen Körper. Und auch wenn momentan vor allem Männer mit Affenpockeninfektion auftauchen – Wendtner zufolge sei es wahrscheinlich, dass in nächster Zeit auch Ansteckungen bei Frauen entdeckt würden.

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Das Risiko ist nicht auf Menschen beschränkt, die sexuell aktiv sind, oder auf Männer, die Sex mit Männern haben.

Robert Koch-Institut

Affenpocken werden grundsätzlich „durch engen Körperkontakt“ übertragen, hält das Robert Koch-Institut (RKI) fest. „Das Risiko ist nicht auf Menschen beschränkt, die sexuell aktiv sind, oder auf Männer, die Sex mit Männern haben.“ Es sei derzeit nicht bekannt, ob Affenpocken durch Sperma oder Vaginalsekret verbreitet werden können.

Affenpockenübertragung durch direkten Hautkontakt beim Sex

Eindeutiger belegt ist hingegen: Direkter Hautkontakt mit dem für Affenpocken typischen Ausschlag während sexueller Aktivitäten kann zu einer Ansteckung führen. Bei einigen der bisherigen Erkrankten wurden Affenpockenausschläge im Genitalbereich und im Mund bemerkt. Das seien Hinweise darauf, dass Übertragungen während des Geschlechtsverkehrs erfolgen können. Die Pusteln selbst beinhalten nämlich infektiöses Virus.

Die Europäische Seuchenschutzbehörde ECDC schätzt vor diesem Hintergrund die Wahrscheinlichkeit der Verbreitung des Affenpockenvirus bei Personen mit mehreren Sexualpartnern in der EU als hoch ein, das Gesamtrisiko als moderat, und für die breitere Bevölkerung als gering. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht momentan ebenfalls keinen Grund für eine Alarmstimmung. Sie geht davon aus, dass die meisten Fälle mild verlaufen. Allerdings hätten Schwangere, Kinder und Menschen mit schwachem Immunsystem ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.

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Wie bemerkt man eine Affenpockeninfektion?

Jeder, der oder die Symptome hat, die auf Affenpocken hindeuten, sollte enge körperliche Kontakte vermeiden und sich sofort von Arzt oder Ärztin beraten lassen – zunächst telefonisch. Erkrankte berichten über Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickeln sich Hautveränderungen, welche simultan die Stadien vom Fleck bis zur Pustel durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen. Der Ausschlag konzentriert sich in der Regel auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen. Die Haut- und Schleimhautveränderungen können auch auf dem Mund, den Genitalien und den Augen gefunden werden.

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