Twitter, Facebook und Co. prägen immer mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt

Die Logos der Social-Media-Plattformen WhatsApp (l-r), Twitter, TikTok, Microsoft Teams, Clubhouse, Facebook, Instagram, Slack und Telegramm sind auf einem iPhone 12 Pro Max zu sehen.

Die Logos der Social-Media-Plattformen WhatsApp (l-r), Twitter, TikTok, Microsoft Teams, Clubhouse, Facebook, Instagram, Slack und Telegramm sind auf einem iPhone 12 Pro Max zu sehen.

Hamburg. Soziale Medien wie Facebook, Twitter, Instagram oder Youtube beeinflussen nach Einschätzung von Medienwissenschaftlerinnen und Medienwissenschaftlern immer stärker den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein solcher Zusammenhalt lasse sich zwar nicht herbeiregulieren, die Medienordnung spiele dabei aber zunehmend eine wichtige Rolle, sagte Wolfgang Schulz, Direktor des Hamburger Leibniz-Instituts für Medienforschung, am Donnerstag bei einer Online-Tagung. Die aktuellen Versuche für eine neue Gesetzgebung in der EU, auf Bundesebene und in den Ländern seien daher sinnvoll, auch wenn sie nicht perfekt seien.

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Soziale Medien sind Fluch und Segen zugleich

Ob soziale Medien den gesellschaftlichen Zusammenhalt grundsätzlich schwächen, ist nach den Worten des Hamburger Medienwissenschaftlers Jan-Hinrik Schmidt noch offen. So würden sie die Möglichkeiten für persönliche Kontakte verbessern, zugleich aber abgeschottete Echokammern fördern. Positiv sei, dass sie die Teilnahme an gesellschaftlichen Debatten erleichtern, zugleich seien die Hürden für Hassbotschaften und Pöbeleien aber gesunken.

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Soziale Medien würden damit werben, dass sie Inhalte nicht produzieren, sondern lediglich verbreiten, sagte Schmidt. Ihre Sortierung der Inhalte durch Algorithmen beeinflusse allerdings das gesellschaftliche Miteinander. Während traditionelle Medien wie die Zeitung oder das Fernsehprogramm Themen vorgeben, reproduzierten sich die Angebote in den sozialen Medien vor allem aus den eigenen vorangegangenen Inhalten.

EU-Kommission will Internetplattformen stärker in die Verantwortung nehmen

Oliver Radtke, Geschäftsführer von Gruner+Jahr, kritisierte die Machtfülle der „Big Five“ Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Ihre Algorithmen würden die Polarisierung der Gesellschaft befördern. Notwendig sei eine „ganzheitliche Regulierung“ über das Kartell- und Datenschutzrecht, um gleiche Bedingungen für alle Medienunternehmen zu schaffen.

Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein, sieht zumindest positive Ansätze, dass das deutsche Medienrecht auch internationale Medienkonzerne beeinflussen könne. So hätten Bemühungen der Medienanstalt, dass Twitter pornografische Inhalte entfernt, erste Erfolge gezeigt. Derzeit werde auch geprüft, ob der Vertrag des Bundesgesundheitsministeriums mit Google, wonach die Inhalte des Ministeriums vorrangig gezeigt werden, rechtens war. Die Kooperation wurde inzwischen beendet.

Die EU-Kommission beabsichtigt nach den Worten der Medienjuristin Amélie Heldt mit ihrem geplanten Digital Services Act, große Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Damit solle eine mögliche Verzerrung der öffentlichen Meinungsbildung eingeschränkt werden. Nach ihrem Eindruck habe der EU-Gesetzgeber heute die Grundrechte der EU-Bürger sehr viel mehr im Blick als noch vor 20 Jahren.

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RND/epd

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