Fehlende Regulierung bei Hatespeech

Taugt Mastodon als Twitter-Alternative?

Nachdem Elon Musk Twitter kaufte, wanderten Userinnen und User zu Mastodon ab – aber ist das auch wirklich eine Alternative?

Nachdem Elon Musk Twitter kaufte, wanderten Userinnen und User zu Mastodon ab – aber ist das auch wirklich eine Alternative?

Mastodon klingt nach Medizin, ist aber digitaler Trend. Drüben auf Twitter wird seit Wochen, seit erstmals bekannt wurde, dass Elon Musk Twitter kaufen will, über Mastodon gesprochen beziehungsweise getweetet. Mastodon, das soll das neue, das bessere Twitter sein. Wir ziehen um, mit Musk ist Twitter nicht mehr, was es einmal war. Die ersten legten Accounts bei Mastodon an, doch die Plattform geriet fast wieder in Vergessenheit, bis Elon Musk Twitter dann tatsächlich übernahm – und rund eine Million Menschen ihre Konten bei Twitter löschten.

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„Wie es mit Twitter weitergeht, ist spannend zu beobachten“, sagt Wolfgang Schweiger, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Es ist schon kurios, wie das mit Musk läuft. Aber wir können nur abwarten und zuschauen, was mit Twitter passieren wird.“ Dass vor allem aktive Userinnen und User nun Alternativen suchen, kann er nachvollziehen. „Das ist eine kurze Aufwallung aus guten Gründen.“

Anmeldung bei Mastodon: die Suche nach dem richtigen Server

Wer in der Twitter-Welt etwas auf sich hält, schaut sich also Mastodon an. Doch schnell werden die Grenzen klar: Wer kurz nach Musks Übernahme beim Ursprungsserver mastodon.social einen Account anlegen wollte, bekam den Hinweis, dass neue Mitglieder nicht mehr akzeptiert werden, vorübergehend. Man solle sich doch bitte einen anderen Server suchen.

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Eine Linkliste gibt es an die Hand. Es gibt Instanzen, wie die Server im Mastodon-Jargon heißen, die sich an Menschen im Norden wenden, welche für jene im Süden oder in Machteburch (für alle, die in Magdeburg leben), Instanzen für die LGBTQI*-Community, für Tierliebhaberinnen und Tierliebhaber – und manche sagen einfach offen, dass sie nur ein weiterer Server sind. „Die verschiedenen Server ziehen auch unterschiedliche Interessengruppen an. Aus diesem Grund ist die lokale Timeline bereits beim Anmelden stärker sortiert als bei Twitter, wo ich am Anfang viel zu viel sehe, um wirklich eine Übersicht zu haben“, sagt Jochim Selzer vom Chaos Computer Club dem RND.

Aber: Schon die Liste mit mehr als 1000 Instanzen kann überfordern. Als die ersten sozialen Medien sich anschickten, sehr groß zu werden und sehr viele Menschen anzusprechen, lag das auch an der Einfachheit. Anmelden. Loslegen. Idiotensicher quasi. Hier ein Bild hochladen, da anklicken, ob man seine E-Mail- und Telefonkontakte als Freundinnen und Freunde importieren möchte, dort einen Beitrag absetzen. Fertig.

Was hat Elon Musk nach der Übernahme mit Twitter vor?

Twitter steuert mit dem Kauf durch Elon Musk in eine unklare Zukunft. Der Onlinedienst kommt unter vollständige Kontrolle des reichsten Mannes der Welt.

Fediverse: viele kleine Netzwerke, die miteinander kommunizieren

Bei Mastodon ist das nicht so einfach. Denn die Plattform zeichnet sich dadurch aus, dezentral organisiert zu sein, Fediverse nennen sie das, kurz für Federated Universe. Statt einem großen Server wie bei Facebook oder Twitter gibt es viele kleine Server, die von Privatleuten betrieben werden, aber alle miteinander agieren. Wer sich bei der Instanz sueden.social anmeldet, bekommt im Feed auch Posts angezeigt von Userinnen und Usern, die sich bei der Instanz norden.social oder bei mastodon.social oder bei wien.rocks oder bei metalhead.club angemeldet haben.

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Es sind quasi viele kleine Netzwerke, die miteinander kommunizieren, sodass dem User oder der Userin gar nicht unbedingt auffällt, dass es verschiedene Server sind, die hier im Austausch stehen. Wenngleich etwa bei der Suche nach spannenden Konten nur innerhalb der gleichen Instanz gesucht werden kann. Es ist also mehr als ein Klick, um mitzumachen.

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Mastodon: Aufnahmestopp, verzögerte Tröts, genervte Userinnen und User

Wer sich in den vergangenen Tagen und Wochen angemeldet hat, wurde direkt mit den Nachteilen der dezentralen Struktur konfrontiert. Nicht nur, dass einige Instanzen quasi voll waren – und keine Mitglieder mehr aufgenommen wurden. Die einzelnen Server waren auch völlig überlastet ob der neuen Userinnen und User, die mitmachen wollten.

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Tröts, wie die persönlichen Beiträge auf Mastodon heißen, das Äquivalent zu Tweets auf Twitter, wurden teilweise mit bis zu sechs Stunden Verspätung in den Feeds angezeigt. Einzelne Instanzen riefen dazu auf, keine Bilder oder gar Videos hochzuladen. Die Alternative von Twitter, einem Inbegriff des aktuellsten sozialen Netzwerkes, das in Echtzeit Informationen in die Feeds schickt, ist also eines, das schon bei weniger als einer Million Userinnen und User Probleme hatte, in Echtzeit zu senden.

Mastodon: vom Nischenprodukt zur Plattform für mehr als eine Million Menschen

Kinderkrankheit oder strukturelles Problem? „Hey. Habe den ganzen Tag (eigentlich die ganze Nacht) damit verbracht, verspätete Feeds bei mastodon.social und mastodon.online zu reparieren, beide funktionieren jetzt wieder normal“, trötete Mastodon-Erfinder Eugen Rochko, der das soziale Netzwerk in Jena gründete, es nun aber von Berlin aus betreut. „Ich musste mehr Kapazität hinzufügen. Es gibt einfach so viel mehr Aktivität in den Hochzeiten, obwohl wir die Anmeldungen geschlossen haben.“ Auch Videos und Bilder, trötete er, sollten wieder schnell hochladbar sein. „Auch der Load Balancer stieß an die Grenzen seiner Hardware, sodass ich aufrüsten musste.“

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Doch trotz der Probleme bleibt bei dem 29-jährigen Rochko, der in Russland aufwuchs und mit elf Jahren nach Deutschland kam, die Freude: „Hey, wir haben heute 1.028.362 aktive monatliche User über das Netzwerk verteilt erreicht. 1124 neue Mastodon-Server seit dem 27. Oktober und 489.003 neue User. Das ist so cool.“ Auf Anfragen des RND haben weder die Mastodon-Pressestelle noch Rochko reagiert.

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Mastodon: Wer geht gegen Hate Speech und Fake News vor?

Mit mehr als einer Million aktiven Nutzerinnen und Nutzern hat Mastodon zwar einen enormen Aufstieg binnen weniger Tage und Wochen erlebt, von den 362,6 Millionen Konten, die es bei Twitter gibt, ist Mastodon aber noch weit entfernt. Und wird es auch bleiben, wenn es nach Schweiger geht. Er sieht strukturelle Probleme. Das größte: Durch die Dezentralität gibt es keinerlei Kontrollmechanismen bei Mastodon. „Solange Mastodon eine Nischenplattform ist, geht das noch unreguliert“, sagt er, „aber groß funktioniert das nicht.“

Mastodon als Twitter-Alternative? „Das ist für mich weltfremd.“ Wenn Menschen millionenfach tröten, sei das Problem mit Hate Speech und Fake News schnell präsent. „Doch es findet bei problematischen Inhalten keine oder eben nur lokal begrenzte Kontrolle auf dem jeweiligen Server statt“, sagt er.

Mastodon noch kein Vergleich zu Twitter

Schnell stellt sich dann die Frage der Verantwortung, der Haftung – denn hinter Mastodon stehen kein Unternehmen, auch nicht viele kleine, sondern vor allem private Anbieter. „Es gibt keinen Mastodon-CEO, der den künftigen Kurs des Mediums bestimmen kann“, stellt Selzer fest, „es gibt mehrere Tausend relativ kleine, untereinander vernetzte Server, auf denen teilweise unterschiedliche Spielregeln herrschen.“ Die jeweiligen Betreiber der Instanzen sind es, die regeln, ob und inwieweit Hate Speech und Fake News zugelassen werden. „Es gibt Server mit äußerst lockeren Regeln sowie solche, die sehr auf Umgangsformen achten und zur Not sogar die Vernetzung mit Servern kappen, auf denen es ihrer Ansicht nach zu rüde zugeht“, so Selzer.

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Noch spannender wird die Frage, wenn Mastodon mehr als zwei Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland erreicht – dann fällt die Plattform nämlich unter das Netzwerkdurchsuchungsgesetz und muss organisiert gegen Hate Speech und Fake News vorgehen, was nach derzeitiger Struktur schwierig bis unmöglich ist. Auch hierzu gab Mastodon dem RND gegenüber keine Stellungnahme ab.

Es gibt leider keine vergleichbare Plattform, es gibt keine Alternative zu Twitter.

Wolfgang Schweiger, Kommunikationswissenschaftler

„Ein Kernproblem von Twitter ist der Umgang mit Hate Speech und Fake News“, sagt Schweiger. Schon deshalb könnte Mastodon keine Alternative sein. Aber auch der Thematik Algorithmus müsse sich Mastodon stellen – derzeit kommt das Netzwerk ohne aus, bei Millionen Tröts am Tag sei das nicht mehr machbar. „Es gibt leider keine vergleichbare Plattform, es gibt keine Alternative zu Twitter“, sagt er.

Ein Indiz für den Kommunikationswissenschaftler: Moderator Jan Böhmermann, in Deutschland einer der aktivsten und bekanntesten Twitter-Nutzer, hat zwar ein Mastodon-Konto (sogar mit knapp 92.000 Followerinnen und Followern), ist auf Twitter aber nach wie vor aktiver. Auch Stelzer glaubt, dass die reichweitenstarken Konten die Entscheidung treffen werden, wie es mit Twitter und Mastodon weitergeht. Wechseln sie komplett zu Mastodon, könnten auch Followerinnen und Follower wechseln – aber eben nur, wenn diese reichweitenstarken Personen ihre Twitter-Konten tatsächlich stilllegen. „Nur wenn klar ist, dass ein Account mit 100.000 Twitter-Followern künftig nur noch auf Mastodon schreibt, besteht für das Gros ein Anreiz, sich mit der Twitter-Alternative zu beschäftigen“, sagt Selzer. „Das ist natürlich auch für die reichweitenstarken Accounts riskant, denn auf der neuen Plattform fangen sie wie alle anderen bei null an und müssen sich ihre Followerzahl erst wieder aufbauen.“

Kritik an Mastodon: Die Ersten melden sich schon wieder ab

Wie Böhmermann geht es wohl auch anderen Twitterern: Sie meldeten sich bei Mastodon oder einer der Instanzen an, tröteten ein wenig, bemerkten die Probleme, und kamen dann doch wieder zu Twitter zurück. Zumindest vorerst. Journalistin Nicole Diekmann etwa schrieb auf Twitter über Mastodon: „Ich sehe die Schwächen. Sie sind unübersehbar.“ Schon zuvor hatte sie getwittert: „Wer ernsthaft glaubt, Mastodon wäre eine Alternative zu Twitter, der steht auch erstaunt im Tante-Emma-Laden und wundert sich übers Sortiment. Und die lange Schlange an der natürlich völlig überforderten Kasse.“

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ZDF-Mann Aurel Mertz fragte in die Twitter-Runde, wie man ein Mastodon-Profil löscht. Offenbar ist er nicht der Einzige. Es gibt schon erste Nutzerinnen und Nutzer, die sich wieder abmelden. Weil Mastodon für sie eben keine Twitter-Alternative ist. Stirbt Twitter durch Musk oder wird zu unattraktiv, war es das dann eben. Und Twitter reiht sich ein in das ICQ-, StudiVZ, Wer-kennt-wen-, Myspace-, MSN-Messenger-Schicksal, die allesamt ausstarben, ohne dass es eine echte Alternative gab, aber weil Menschen eben auch neuen Plattformen, die anders funktionieren, eine Chance geben. „Wenn das Schiff hier untergeht, dann ist es halt so“, schreibt eine Nutzerin.

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