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Gartenarbeit in der Reha

Beruf mit Zukunft: Was macht ein Gartentherapeut?

Wer am Beet oder Obstbaum aktiv ist, bleibt körperlich fit, steht im Kontakt mit der Erde und dem Leben. Genau das macht sich die Gartentherapie zunutze.

Hattingen. „Dabei geht es nicht um Kartoffeln“, stellt Andreas Niepel klar, wenn man ihn nach seiner Arbeit als Gartentherapeut fragt. „Es geht um den Menschen in der Natur.“ Der 59-Jährige arbeitet an der Vamed-Klinik Hattingen (Nordrhein-Westfalen), einer Fachklinik für neurologische und neurochirurgische Rehabilitation. Seine Arbeit in fruchtbarer Erde versteht er als eine ganzheitliche Aufgabe.

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„Nicht zuletzt hat Corona gezeigt, wie wichtig uns die Natur ist. Die Leute hat es in die Parks und Kleingärten gezogen – das war eine große Sehnsucht“, sagt der gelernte Gärtner. „Dass Menschen krank werden, wenn man ihnen die Natur entzieht, haben schon zahlreiche Studien bewiesen“, sagt Niepel, für den dieser Aspekt eine wichtige Grundlage seiner Tätigkeit ist.

„Grüne“ Weiterbildung

Gartentherapeutinnen und -therapeuten arbeiten überwiegend in der Rehaklinik, in der Altenpflege, im Gefängnis und im Maßregelvollzug, zunehmend aber auch mit Kindern und Jugendlichen, und bringen dort im besten Fall ihre Bereitschaft zur Empathie und ihre Liebe zu Pflanzen zusammen. In der Regel haben sie nach ihrer Ausbildung in den Bereichen Ergo- und Physiotherapie, Altenpflege, Pädagogik sowie Landschafts- und Gartenbau eine entsprechende Weiterbildung gemacht.

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Die Berufsbezeichnung Gartentherapeut ist also nicht geschützt. Allerdings hat die Internationale Gesellschaft Garten-Therapie (IGGT) Richtlinien für Gartentherapeuten und Gartentherapeutinnen erarbeitet, ebenso wie Qualitätsstandards für Weiterbildungen festgelegt.

In der IGGT haben sich Organisationen und Personen zusammengeschlossen, die sich mit Gartentherapie und therapeutischen Gärten beschäftigen. Andreas Niepel ist seit 2010 Präsident der Gesellschaft.

Handeln mit Resultat

Wie funktioniert eine Gartentherapie? „In erster Linie geht es beim Gärtnern um Selbstwirksamkeit – also um ein Handeln, das Sinn macht, das ein Ergebnis bringt“, erklärt Niepel. Das sei wichtig, denn ohne dieses Erleben droht bei manchen Menschen eine erlernte Hilflosigkeit. „Nach dem Motto: Man kann ja sowieso nichts machen“, erklärt er weiter. „Das aber frustriert und stresst – kann so langfristig sogar das Gehirn schädigen. „Jeder Mensch braucht Erfolge. Hier setzt die Gartentherapie an.“

Säen, pflegen und ernten – aber ohne Leistungs- und Erfolgsdruck: „Denn die Natur funktioniert nicht nach Plan, man braucht eine Laissez-faire-Haltung und Geduld, um Resultate zu sehen“, sagt Niepel und kritisiert: „Häufig wird in der Reha oder Altenpflege nur danach gefragt, was man nicht mehr kann. Wir aber wollen herausfinden, was man noch kann. Dabei gärtnerische Ergebnisse zu sehen – das kann sehr heilsam sein.“

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Von Ängsten bis Schlaganfall

Die Gartentherapie habe körperliche, geistige und psychische Elemente, erklärt der Fachmann. „Im Prinzip kann man sie mit einem gut angeleiteten Fitnessstudio vergleichen, bei dem es um gezielte Übungen für die individuellen Bedürfnisse geht. Diese sind beeinflusst von Ängsten, Depressionen, Demenz und Schlaganfall.“

Bei manchen Menschen gehe es deshalb um Wahrnehmung und Zutrauen, bei anderen um Ausdauer und Innehalten, bei wieder anderen um Muskelkraft und Gleichgewichtssinn. „Je nachdem, wo die Therapieziele liegen.“

Das Potenzial hat mittlerweile auch eine Krankenkasse erkannt: Die IKK classic will ab nächstem Jahr „die Einführung von Gartentherapie in stationären Einrichtungen und die dafür notwendige gartentherapeutische Weiterbildung von Pflegekräften fördern“, sagte Martin Heck, Leiter Referat Prävention. „Der Ansatz der Gartentherapie überzeugt uns, da sie die vorhandenen Ressourcen Pflegebedürftiger aktiviert und stärkt.“ Die Entscheidung habe man nach einem erfolgreichen Pilotprojekt gefällt, das man in neun Pflegeheimen durchgeführt hatte.

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Gartentherapie – auch für Kinder und Jugendliche

Fachmann Niepel weist darauf hin, dass die Therapie keinesfalls nur etwas für ältere beziehungsweise Rehapatientinnen und -patienten sei. „Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt es heutzutage an Orientierung. Sie fühlen sich verunsichert, ziehen sich zurück.“

Bei der Beschäftigung in der Natur könnten sie sehen, dass sie etwas schaffen, erklärt Niepel, der die Gartentherapie als einen wichtigen Baustein versteht: „Sie ersetzt nicht die Medizin, sie kann aber – je nach Situation – bestimmte Lücken füllen und beim Heilprozess helfen, indem sie den gesunden Teil stark macht.“

Steckbrief: Gartentherapeut/Gartentherapeutin

führt Menschen mit psychischen oder körperlichen Problemen behutsam in den Alltag zurück.

Ausbildungsform: In Deutschland hat man die Möglichkeit, sich als Gartentherapeut oder Gartentherapeutin weiterzubilden. Tipps und Richtlinien findet man unter www.iggt.eu/de.

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Voraussetzungen: eine Ausbildung im Bereichen Ergo- und Physiotherapie, Altenpflege, Pädagogik sowie Landschafts- und Gartenbau.

Eignung: Empathie und Liebe zur Natur.

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