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Starke US-Ansage: Anti-Rassismus-Protest bei Olympia erhofft

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Olympia 2016
09:15 11.12.2020
Tommie Smiths (M.) erhobene Faust auf dem Siegerpodest ist noch immer das Symbol des friedlichen Protests gegen Rassismus. Quelle: Anonymous/AP/dpa
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Los Angeles

Tommie Smiths erhobene Faust auf dem Siegerpodest in Mexiko-Stadt ist noch immer das Symbol des friedlichen Protests gegen Rassismus bei Olympischen Spielen.

Mehr als 50 Jahre nach seiner ikonischen Geste bei den Sommerspielen 1968 soll er nach dem Willen der US-Athleten schon in Tokio auf der gleichen Bühne Nachahmer finden - sie sollen im Gegensatz zu dem Olympiasieger über 200 Meter im Anschluss aber nicht den Verlust ihrer sportlichen Perspektiven oder andere Strafen fürchten müssen. Denn die USA, selbst am Leiden des Afroamerikaners Smith schuldig, vollziehen einen sich seit Monaten anbahnenden Kurswechsel: Sportler sollen bei Olympia "respektvoll" protestieren dürfen. Gegen Rassismus, für soziale Gerechtigkeit.

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Noch ist diese Empfehlung einer Arbeitsgruppe des Olympischen und Paralympischen Komitee (USOPC) an das Internationale Olympische Komitee (IOC) nichts anderes als das: eine Empfehlung. Als Reaktion auf den gestiegenen Druck einer Änderung von Regel 50 des IOC, die jegliche Demonstrationen sowie politische, religiöse oder rassistische Botschaften untersagt, hatte IOC-Präsident Thomas Bach auf die IOC-Athletenkommission verwiesen. Die sollte "im Dialog mit ihren Kollegen und den Athleten aus der ganzen Welt" herausfinden, wie Athleten "ihre Unterstützung auf würdige Weise zum Ausdruck bringen können", sagte Bach im Juni.

Doch das Wort der USA hat bei Olympia Gewicht, mehr als das jeder anderen Nation. Nicht nur kommen oft die meisten Medaillengewinner aus den Vereinigten Staaten, auch das meiste Geld durch Sponsoren und den TV-Sender NBC fließt aus den USA auf die Konten des IOC. Und deutlicher als das, was da am Donnerstag - dem Tag der Menschenrechte - geschrieben war, kann es kaum werden.

"Die Stummschaltung von Athleten während der Spiele steht in starkem Kontrast zur Wichtigkeit, Teilnehmer zuerst als Menschen und dann als Athleten anzuerkennen", hieß es in dem an das IOC gerichtete Empfehlungsschreiben der USOPC-Arbeitsgruppe. "Athleten zu verbieten, ihre Sicht während der Spiele frei zu zeigen, insbesondere die von historisch unterrepräsentierten und minderwertig behandelten Gruppen, trägt dazu bei, Athleten zu entmenschlichen, und widerspricht Schlüsselwerten von Olympia und den Paralympics."

Die Athletenkommission des IOC reagierte umgehend. Das Statement werde so wie andere Rückmeldungen berücksichtigt, die die Kommission von den Athleten aus weiteren 205 Nationalen Olympischen Komitees - darunter aus Australien, Kanada und Deutschland - erhalten habe, erklärte Kirsty Coventry (37), die Sprecherin der IOC-Kommission, bei Twitter. Die frühere Schwimmerin, die auch Sportministerin in Simbabwe ist, erklärte, dass der Konsultationsprozess andauere. Es werde ein gemeinsames Treffen ihrer Kommission mit Vertretern des USOPC am 25. Juni geben, um über diese Fragen zu sprechen.

Sie räumte aber auch ein, dass es schwierig sei, aus "Meinungen zu Hunderten von Themen aus verschiedenen Blickwinkeln auf der ganzen Welt" ein Urteil zu fällen, "ohne die Athletengemeinschaft in 206 Ländern zu teilen". Alle Rückmeldungen würden durch die Kommission bewertet, bevor Empfehlungen an das Exekutivkomitee des IOC gegeben werden.

Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai, der in der Gewalt eines weißen Polizisten starb, haben sich Sportler in den USA deutlich wie nie gegen Rassismus und gegen Polizeigewalt gegen Schwarze positioniert. Neben Stars aus den großen Ligen wie der NBA wollen auch die vielen kleineren Sportarten ihr Scheinwerferlicht alle vier Jahre nutzen können. Aus Deutschland hatte es positive Kommentare gegeben, als die Absichten der USA im Sommer erstmals bekannt wurden.

"Das USOPC wertschätzt die Stimmen aus dem Team USA und glaubt an deren Recht, sich für soziale Gerechtigkeit und gegen Rassismus einzusetzen", sagte USOPC-Geschäftsführerin Sarah Hirshland nun.

Tommie Smith hatte diese Form der Rückendeckung in Mexiko nicht. Trotzdem streckte er nach seinem Olympiasieg über 200 Meter auf dem Siegerpodest die rechte Faust in einem schwarzen Handschuh in den Nachthimmel - das Zeichen der Black-Power-Bewegung. Er trug zudem keine Schuhe und nur schwarze Socken als Symbol der Armut. Bronzemedaillengewinner und Teamkollege John Carlos zeigte die gleiche Geste mit dem linken Arm. Die Fotos gingen um die Welt, und die Aktion wurde zu einem Meilenstein in der Bürgerrechtsbewegung.

© dpa-infocom, dpa:201211-99-651303/3

dpa