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Olympia-Zuversicht für Bach kein "Bauchgefühl"

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Olympia 2016
15:49 13.12.2020
Thomas Bach ist der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Quelle: Du Xiaoyi/XinHua/dpa
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Lausanne

Mit 66 Jahren fängt bei Thomas Bach das digitale Leben richtig an. Vor zwei Jahren hatte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees der Aufnahme von E-Sport ins olympische Programm noch eine Absage erteilt. Nun sieht er in Gaming und virtuellem Sport eine große Chance.

"Der Wettbewerb um die Freizeit der Jugendlichen findet jeden Tag zwischen virtuellem Sporttreiben sowie Gaming und dem realen Sport statt", sagte Bach im Interview internationaler Nachrichtenagenturen.

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Für die Sportverbände sei es eine Chance, sich mit den jungen Leuten eine Zielgruppe zu erschließen. "Wir wollen sie dabei unterstützen", sagte Bach. Nicht nur das. Das Thema Digitalisierung ist eines, das bei der Fortschreibung der von ihm initiierten Reformagenda 2020 prominent vertreten sein soll und in der Corona-Zeit entstanden ist. "Wir sehen in der Zeit der Krise, welchen Aufschwung virtueller Sport genommen und wie sich die Entwicklung beschleunigt hat."

Auf der Grundlage einer 500 Seiten umfassenden Studie zur Bilanz der Agenda 2020, deren Empfehlungen - wie die Reform des olympischen Programms und des Vergabeverfahrens - laut IOC zu 85 Prozent umgesetzt wurden, soll diese nun fortgeschrieben werden. Auf der ersten IOC-Exekutivsitzung im Januar wird dazu der Startschuss gegeben, rechtzeitig zur anstehenden Wiederwahl von Bach im März.

Der deutsche IOC-Chef ist einziger Kandidat. Als Formalie sieht er nach achtjähriger Amtszeit die Wahl für vier weitere Jahre aber nicht. "Ich nehme das als Ermutigung", sagte der Fecht-Olympiasieger. Schließlich habe er mit den Reformen, die "nicht jedermanns Geschmack waren, einigen manches und anderen vieles abverlangt".

Bis zum Wahltag und darüber hinaus ist er vor allem als Krisenmanager der von der Pandemie überschatteten Olympischen Spiele vom 23. Juli bis 8. August 2021 in Tokio gefragt. Trotz der aktuell weltweit steigenden Infektionszahlen lässt er keinen Zweifel aufkommen, dass die Spiele über die Bühne gehen werden. "Die Zuversicht ist bei allen Beteiligten groß", betonte Bach. "Nicht basierend auf Bauchgefühlen oder Emotionen, sondern auf Fakten. Und wir sehen, dass weltweit Sportgroßveranstaltungen unter sicheren Bedingungen stattfinden."

Unterstützt wird sein Optimismus von Leichtathletik-Weltpräsident Sebastian Coe. "Die japanischen Organisatoren haben den Intellekt und die Widerstandsfähigkeit, es unter schwierigen Bedingungen zu schaffen", sagte der britische Chef von World Athletics.

Zumal die Entwicklung von Impfstoffen und Schnelltests rasant voranschreitet. "Wir sind nicht nur zuversichtlich, sondern sicher, sie in den Werkzeugkasten der Gegenmaßnahmen einbauen zu können", sagte Bach. Eine Impfpflicht für Athleten werde es nicht geben, Schnelltests würden aber zu den zu erfüllenden Anforderungen gehören, um Vertrauen unter den Teilnehmern zu schaffen. Außerdem wird der Aufenthalt im olympischen Dorf auf fünf Tage begrenzt, wobei jeder Athlet entweder an der Eröffnungs- oder Schlussfeier teilnehmen solle, "so dass diese olympische Erfahrung" erhalten bleibe.

Der IOC-Chef versucht Befürchtungen zu zerstreuen, dass nach monatelanger fast kompletter Aussetzung der weltweiten Doping-Kontrollen im ersten Lockdown die Tokio-Spiele zum Fest der Sport-Betrüger werden könnten. Die Internationale Test-Agentur habe ein umfassendes vorolympisches Programm begonnen. "Man kann in den nächsten Monaten von einem sehr strengen Anti-Doping-Regime mit intelligenten Tests ausgehen", sagte Bach. "Wir haben acht Monate bis zu den Spielen, in denen noch einiges aufgeholt werden kann und wird."

Ob oder wie viele Zuschauer bei den Tokio-Spielen zugelassen werden könnten, sei nicht abzuschätzen. "Wir hoffen, dass die Stadien so voll wie möglich sein werden", sagte Bach. Dank der Beschleunigung der Digitalisierung werde es aber eine bisher nicht erreichte Zahl von Fans und Menschen" geben, die die Spiele im Internet, auf Tablets und an TV-Schirmen verfolgen. "Das wird nach allem, was wir sehen, alles Dagewesene übertreffen, so dass zumindest in der digitalen Welt und in der des Fernsehens Enthusiasmus da sein wird", erklärte Bach.

© dpa-infocom, dpa:201213-99-677069/2

dpa