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Olympia-News Olympia-Abschied naht für Erfolgsgarant Hausding
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Olympia 2016
11:39 19.02.2020
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Rostock

Wie oft Patrick Hausding schon von Turm oder Brett gesprungen ist, weiß der Rekordeuropameister selber nicht genau.

"Ich habe da lustigerweise kürzlich mal drüber nachgedacht. Wenn man das einmal richtig nachzählen würde, kämen bestimmt witzige Zahlen raus", sagte der zweimalige Olympia-Medaillengewinner. "200.000 Sprünge sind es locker. Die Zahl hört sich irgendwie krank an." Von Donnerstag an werden weitere Schrauben und Salti beim Springertag in Rostock als erster internationaler Prüfung der Saison hinzukommen.

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Deutschlands bester Wasserspringer, der am Wochenende drei weitere deutsche Meistertitel in Rostock gewann, hat seine Abschiedstournee gestartet. Noch einmal Olympia, dann ist nach vier Sommerspielen Schluss für den 30-Jährigen. Zumindest auf der olympischen Bühne. "Ich spüre in dieser Saison schon einen Unterschied. Zwar bin ich immer noch angespannt und aufgeregt, aber ich bin in einem Alter, in dem ich alles noch mehr genießen kann, statt mir noch mehr Leistungsdruck zu machen", erklärte es Hausding im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, "und natürlich verspüre ich auch Wehmut."

Bei den Spielen in Peking 2008 sprang Hausding ins Rampenlicht, gewann zusammen mit seinem langjährigen und nicht mehr aktiven Partner Sascha Klein Silber im Synchronspringen vom Turm. Fünf Jahre später wurden die beiden Weltmeister, in Europa waren sie ohnehin eine Klasse für sich. Hausding sammelte mit ihm und im Einzel weitere WM- und EM-Medaillen, mit 15 Europameistertiteln ist er die Nummer 1.

"Patrick ist wie ein Sechser im Lotto. Es gibt nicht so viele Sportler, die solche Fähigkeiten, das Talent, die physische und mentale Stärke mitbringen", sagte Bundestrainer Lutz Buschkow. "Sportler wie Patrick Hausding oder Sascha Klein sind Glücksfälle." Für den Deutschen Schwimm-Verband bringt das bei Hausdings nahendem Karriereende große Herausforderungen mit sich, denn der Berliner war das Gesicht seiner Sportart. Seine Bilanz dürfte auf Jahre unerreicht bleiben, wenn sie überhaupt wieder erreicht werden kann.

Für Hausding gab es in mehr als anderthalb Jahrzehnten Leistungssport aber nicht nur Erfolge. Knie- und Schulterschmerzen gehörten zum Springer-Alltag hinzu. Die aktuelle Saisonvorbereitung verlief anders als vor einem Jahr ohne größere Blessuren. "Soweit okay", sagte der Routinier, für den auch nach so langer Zeit im Geschäft die ersten Wochen der Vorbereitung kein Selbstläufer sind. "Da sitzt man schon da und fragt sich, verdammt nochmal, wie habe ich das letztes Jahr mit Form und Fitness geschafft", sagte der Lehramtsstudent (Sport und Englisch). Aber fast immer war er in Topform, wenn es drauf ankam. Neben seiner springerischen Klasse beeindruckte konstant seine imponierende Nervenstärke.

Vom Drei-Meter-Brett hat sich Hausding im Einzel schon den Olympia-Startplatz gesichert, im Synchronspringen will er das Ticket zusammen mit Lars Rüdiger beim Weltcup in Tokio Ende April buchen. Dort soll dann drei Monate später beim vierjährlich stattfindenden Höhepunkt ein glanzvoller Abschied gefeiert werden. Und danach? "Erstmal möchte ich nach Olympia ausgiebig Urlaub machen", sagte Hausding.

dpa