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Olympia-News Harte Strafe für Schwimmer: Sun Yang für acht Jahre gesperrt
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Olympia 2016
16:35 28.02.2020
Chinas Schwimm-Star Sun Yang wurde für acht Jahre gesperrt. Quelle: Bernd Thissen/dpa
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Lausanne

Mit der Maximal-Strafe gegen den chinesischen Schwimmstar Sun Yang hat der Internationale Sportgerichtshof ein deutliches Zeichen im Anti-Doping-Kampf gesetzt.

Der CAS sperrte den dreimaligen Olympiasieger wegen der Verletzung von Anti-Doping-Regeln für acht Jahre und verbannte den 28-Jährigen damit weit über die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr hinaus aus dem Becken. Sun Yang war langjähriger Konkurrent von Paul Biedermann und ist Weltrekordler über 1500 Meter Freistil, über die Florian Wellbrock bei den Sommerspielen Goldkandidat ist.

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Da Sun Yang bei Ablauf der Sperre 36 Jahre alt ist, dürfte das Urteil zugleich das Karriereende des polarisierenden Sportlers bedeuten. In dem spektakulären Fall ging es im Kern um eine mit einem Hammer zerstörte Dopingprobe Sun Yangs. Das Umfeld des Chinesen war daran direkt beteiligt. Das am 28. Februar verkündete Urteil kann auch als Kritik am Umgang des Schwimm-Weltverbandes mit der Causa interpretiert werden. Die Fina hatte zunächst von einer Sperre abgesehen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann und der Teamchef der deutschen Schwimmer, Bernd Berkhahn, haben die achtjährige Dopingsperre für Sun Yang begrüßt. "Gerade im Vorfeld der Olympischen Spiele ist das ein wichtiges Signal für die Athletinnen und Athleten in die richtige Richtung", sagte Hörmann der Deutschen Presse-Agentur.

Berkhahn kommentierte die Entscheidung in einer Mitteilung des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) so: "Mit Verzögerung hat der Schwimmsport durch dieses Urteil an Glaubwürdigkeit zurückgewonnen." Er ergänzte: "Im Sinne des Fair Play im Sport kann es niemandem erlaubt sein, Anti-Doping-Proben zu vernichten."

Freistil-Spezialist Sun Yang hatte sich in seiner Verteidigung darauf berufen, dass die Kontrolleure in der Tatnacht vom 4. auf den 5. September 2018 nicht ausreichend zu identifizieren gewesen seien. Diese Wahrnehmung gibt Sun Yang nach Ansicht des CAS allerdings noch lange nicht das Recht, die Dopingprobe zu zerstören.

Das Doping-Panel der Fina hatte Sun Yang am 3. Januar des vergangenen Jahres zunächst vom Betrugsverdacht freigesprochen. Dagegen legte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Einspruch beim CAS ein - die achtjährige Sperre entspricht dem maximal geforderten Strafmaß. Der CAS berücksichtigte in seiner Entscheidung auch, dass Sun Yang Wiederholungstäter ist: Bereits 2014 war er wegen Dopings für drei Monate gesperrt gewesen.

"Das Urteil zeigt deutlich, dass sich die internationale Sportgemeinschaft nicht auf Praktiken einlässt, die dem sauberen Sport zuwiderlaufen", sagte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen.

Sun Yangs Fall war im vergangenen November im schweizerischen Montreux neu aufgerollt worden. Die dortige Anhörung war nach einem Antrag des elfmaligen Weltmeisters erst die zweite öffentliche in der Geschichte des Internationalen Sportgerichtshofs. Wegen akuter Übersetzungsschwierigkeiten nahm sie phasenweise groteske Züge an. Die Probleme "hinsichtlich der Qualität der Übersetzung von Herrn Yangs Aussage" führten laut CAS sogar zu einer Verzögerung des Urteils.

Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr im südkoreanischen Gwangju hatte Sun Yang heftige Kontroversen ausgelöst: Zahlreiche chinesische Fans in der Halle feierten ihn nach seinen Siegen über 200 und 400 Meter lautstark. Von Konkurrenten bekam Sun Yang dagegen Verachtung und Ausgrenzung zu spüren. "Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für alle sauberen Athleten, für jeden, der für den sauberen Sport einsteht", hatte der deutsche Athletensprecher Jacob Heidtmann gesagt.

Nach Sun Yangs Titel über 400 Meter verweigerte der zweitplatzierte Australier Mack Horton seinem Konkurrenten den Handschlag, ließ bei der Nationalhymne seinen Platz auf dem Podium frei und hielt beim Foto der Medaillengewinner deutlich Abstand. Ungeachtet des CAS-Urteils, das mit seiner Verkündung in Kraft getreten ist, darf Sun Yang alle seine WM-Titel behalten.

dpa