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Olympia-News Chemnitzer Basketball-Trainer träumt von Olympia-Medaille
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Olympia 2016
10:20 30.12.2019
Arbeitet in Japan: Torsten Loibl. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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Chemnitz

Wenn sich Torsten Loibl von seiner Familie in Chemnitz verabschiedet, liegt ein knapp 15-stündiger Arbeitsweg vor ihm. Zwischen seinem Wohnort und Tokio sind es immerhin 9081 Kilometer Luftlinie.

In Japans Hauptstadt arbeitet der Basketball-Trainer aus Sachsen mit Unterbrechungen bereits seit 19 Jahren. "2020 ist aber definitiv Schluss. Das habe ich meiner Familie fest versprochen", sagte der 47 Jahre alte Loibl im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Wenn es für ihn optimal läuft, befindet sich sogar eine Olympia-Medaille beim Rückflug im Gepäck: "Das wäre der perfekte Abschluss der modernen Aschenputtel-Story."

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Die erfolgreiche Karriere von Loibl begann beim Freizeit-Sportverein ESV Lok Chemnitz. Als 16-Jähriger übernahm er als Übungsleiter eine Jungen-Mannschaft, mit der er später bis in die dritthöchste deutsche Männer-Liga durchmarschierte. 2000 stand sein erstes Engagement in Japan an. Der Chemnitzer wurde verantwortlicher Landestrainer der Präfektur Saitama. Nach einer vierjährigen Unterbrechung, in der er den Chemnitzer Zweitligisten BV 99 trainierte, führte Loibl das Profiteam von Toyota Alvark 2007 zum Meistertitel in Japan und wurde Pokalsieger. Zwischen 2012 und 2015 fungierte der Chemnitzer als Sportdirektor des japanischen Basketball-Verbandes, anschließend arbeitete er als verantwortlicher Jugend-Cheftrainer des Landes.

"Nach der U-19-WM im August 2017 sollte eigentlich schon Schluss sein. Ich wollte nur noch beratend für den japanischen Verband tätig sein", erzählte Loibl. Doch es kam anders: Er unterschrieb einen neuen Vertrag als Nationaltrainer der 3x3-Teams. Die professionelle Variante des Street-Basketballs wird in Tokio erstmals olympische Disziplin sein. "Dieses Angebot konnte ich einfach nicht ausschlagen. Die Aussicht, als Trainer bei Olympischen Spielen dabei zu sein, war zu verlockend", sagte Loibl.

Der zweifache Familienvater konnte seine Ehefrau Ulrike davon überzeugen, bis 2020 weiter zwischen Chemnitz und Tokio zu pendeln. Die Entscheidung hat sich bereits bezahlt gemacht. Im Oktober wurde Loibl mit dem weiblichen U23-Team in China überraschend Weltmeister im 3x3. "Im Prinzip spielen weltweit die meisten Spitzenspieler in dieser Altersgruppe. Das russische Team war klarer WM-Favorit, sie hatten vor dem Finale 42 Partien in Serie gewonnen", sagte Loibl.

Doch die Japanerinnen überzeugten letztendlich mit ihrer Schnelligkeit und Wurfgenauigkeit. "Dazu besitzen die Mädels eine unglaublich gute Moral. Dem Erfolg des Teams wird alles untergeordnet, es gibt auch keinen Zickenkrieg", sagte Loibl, der mit seinen Mannschaften in englischer Sprache kommuniziert. Für Notfälle steht ein Dolmetscher bereit. "Ohnehin wird Professionalität beim japanischen Basketball-Verband sehr groß geschrieben. Das macht das Arbeiten dort sehr angenehm", sagte der Sachse.

Mit seinen Teams bereitet sich Loibl seit mehreren Wochen auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio vor. Die Frauen-Mannschaft gehört zum Favoritenkreis. "Nachdem wir nun Weltmeister sind, können wir nicht sagen, dass wir in Tokio Vierter werden wollen. Unser Ziel ist die Finalteilnahme", betonte Loibl. Die japanischen Männer gehen dagegen als Außenseiter in den Wettbewerb und hoffen auf den Heimvorteil. "Der Einzug ins Halbfinale wäre schon ein großer Erfolg. An der Unterstützung der Zuschauer wird es nicht mangeln", sagte Loibl über das Interesse der Japaner am 3x3-Basketball: "Es wurde eine mobile Arena mit 8000 Plätzen gebaut. Für die Spiele mit japanischer Beteiligung gibt es bereits keine Tickets mehr."

Hierzulande kämpft der 3x3-Basketball noch um Popularität und Erfolge. Die deutschen Nationalmannschaften spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dabei haben NBA-Star Dennis Schröder oder Basketball-Legenden wie Michael Jordan oder Kobe Bryant ihre ersten Schritte auf dem Streetball-Platz gemacht und später den Sprung von der Straße in die beste Profiliga der Welt geschafft. "Mit Streetball bin ich aufgewachsen. So habe ich das Basketballspielen gelernt. Dass Drei-gegen-drei jetzt olympisch ist, ist großartig", hatte Schröder bereits 2018 in einem Interview mit der FAZ gesagt.

Auch Loibl ist fasziniert vom 3x3-Basketball. Es wird nur auf einen Korb gespielt, jeder Angriff muss innerhalb von zwölf Sekunden abgeschlossen sein, wer zuerst 21 Punkte erzielt, ist Sieger. "Die Amerikaner sehen darin sogar die Zukunft des Basketballs. Im Prinzip kann man ein Spielfeld überall aufbauen. Der Vorteil dieser Variante ist, dass der Sport damit quasi zum Zuschauer kommt und der Zuschauer nicht mehr zum Sport gehen muss", sagte Loibl.

Wenn der Chemnitzer nach den Sommerspielen sein persönliches Japan-Projekt beenden und in seine sächsische Heimat zurückkehren wird, soll der Basketball auch weiterhin eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen. "Ich werde für den Weltverband FIBA als globaler Ausbilder für Trainer arbeiten. Dazu möchte ich mich ehrenamtlich beim ESV Lok engagieren." Dort, wo für Loibl einst alles begann.

dpa