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Wahlprogramme | Interviews | Analysen Zastrow: „Das Auto ist ein Zeichen des Fortschritts – das Fahrrad nicht“
Thema Specials Kommunalwahlen 2019 in Dresden Wahlprogramme | Interviews | Analysen Zastrow: „Das Auto ist ein Zeichen des Fortschritts – das Fahrrad nicht“
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07:50 13.05.2019
Die Kritik des eigenen Kreisverbandes beschäftigt Holger Zastrow derzeit nicht. Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten
Dresden

Das war deutlich: Im DNN-Interview hat FDP-Kreisvorsitzender Holger Hase seinen FDP-Fraktionsvorsitzenden Holger Zastrow hart kritisiert. Er nehme die Kritik zur Kenntnis, erklärt Zastrow – konzentriere sich jetzt aber auf die Kommunalwahl.

Frage: Nur Sie stehen bei der FDP auf einem Listenplatz 1. Die anderen Fraktionsmitglieder nicht. Ist die FDP-Stadtratsfraktion ein Auslaufmodell?

Holger Zastrow: Im Gegenteil. Ich hoffe, dass die erfolgreiche Arbeit in den vergangenen fünf Jahren belohnt wird und wir mit einer noch stärkeren Mannschaft in den Stadtrat einziehen. Wir haben versucht, den Ausfall der CDU in der Oppositionsführung zu kompensieren und Rot-Rot-Grün die Stirn geboten. Die Fraktion war auffällig, sichtbar und voller Tatendrang. Das wird der Wähler honorieren. Im Dresdner Norden kämpfen wir sogar um zwei Mandate.

Dresden und auch unser Oberbürgermeister Dirk Hilbert brauchen eine starke FDP.“

Ihr Kreisverband ist nicht so begeistert über die Arbeit der Fraktion. Warum sind die Sichtweisen so verschieden?

Das weiß ich nicht. Die Fraktion hat eine sehr ordentliche Leistungsbilanz. Wir sind ein richtiges Team mit einem guten Gespür für Themen. Bei allem Streit in der Sache sind wir im Rat immer gesprächsfähig geblieben, weshalb unsere Fraktion über die Zeit ja auch immer weiter gewachsen ist. Wir haben eine wesentliche Aktie daran, dass die links-grüne Mehrheit im Stadtrat beendet wurde. Das, was uns die Partei als Auftrag gegeben hat, haben wir erfüllt. Jetzt entscheiden die Bürger.

Der Kreisvorsitzende hat die Themen der Fraktion kritisiert und die fehlende Kommunikation mit der Partei. Trifft Sie das?

Ich nehme es zur Kenntnis. Ich konzentriere mich auf den 26. Mai und werde weiterhin alles dafür tun, dass wir bei der Stadtratswahl gemeinsam ein starkes Ergebnis für die FDP holen und lade alle ein, ebenfalls ihr Bestes dafür zu geben. Dresden und auch unser Oberbürgermeister Dirk Hilbert brauchen eine starke FDP.

Sie gelten als Autolobbyist. Sind Sie auf dem grünen Auge blind?

Ich engagiere mich seit meiner Jugend für den Naturschutz. Schließlich war mein Berufswunsch lange Förster. Ich glaube auch, dass sich die FDP ein noch stärkeres natur- und umweltpolitisches Profil geben sollte. Aber wir setzen auf Vernunft und nicht auf Ideologie. Deshalb entlarven wir die Verbotspolitik der Grünen und das viele, was nur symbolisch, doch niemals tatsächlich wirkt.

Das Auto ist und bleibt noch lange das am meisten genutzte Verkehrsmittel in Dresden. Wir verteufeln es nicht. Es steht für Fortschritt und Mobilität für viele, auch ältere Menschen. Dass manche jetzt das Fahrrad zur Ikone des Fortschritts hochstilisieren, irritiert mich. Wir werden dem Bürger nicht vorschreiben, wie er sich durch die Stadt zu bewegen hat.

„Es herrscht verkehrspolitisch Stillstand in der Stadt.“

Sind Sie deshalb gegen den Radverkehr?

So ein Quatsch! Ich bin selbst viel mit dem Fahrrad unterwegs. Wir müssen ins Radwegenetz investieren. Was hat denn der grüne Baubürgermeister zustande gebracht? Er hat Geld, er hat Planer, sogar eine Radverkehrsbeauftragte gibt es. Aber herausgekommen ist ganz wenig. Und das liegt nun wirklich nicht an der FDP. Das ist in Wahrheit der Mission von links-grün geschuldet, mit Symbolprojekten den Leuten das Autofahren madig zu machen, anstatt sich um die echten Probleme zu kümmern. Die Königsbrücker, die Stauffenbergallee, Ullersdorfer Platz, die Gerokstraße, Augsburger oder Blasewitzer Straße – es herrscht verkehrspolitisch Stillstand in der Stadt. Aber wir fördern jetzt Lastenfahrräder und man demonstriert für 400 Meter Luxusradweg auf der Albertstraße, wo es übrigens gute Alternativen gibt.

Welche Politik für Radfahrer schlagen Sie vor?

Ich bin für intelligentere Lösungen als immer nur Autospuren wegzunehmen. Warum müssen Radwege immer an den Hauptverkehrsstraßen sein? Warum schaffen wir nicht privilegierte Radfahrstraßen im Nebenstraßennetz, zum Beispiel durch Einbahnstraßensysteme? Das schafft Raum für Radfahrer und erhält auch Anwohnerparkplätze. Wir brauchen neue pragmatische Lösungen. Dem verschließt sich Rot-Rot-Grün.

„In der Kommune muss es zuerst um die Sache gehen“

Wenn Sie auf einer Freitagsdemonstration eine Rede halten dürften: Was würden Sie den jungen Menschen sagen?

Studiert nicht Soziologie und Politikwissenschaften, studiert Umwelttechnologie oder Ingenieurwissenschaften, werdet Forstwirt, sucht euch einen grünen Beruf und exportiert die hohen deutschen Umweltstandards und unser Wissen in Länder, die von Recycling, Müllvermeidung und -trennung, Luftreinhaltung oder E-Mobilität noch nichts gehört haben. Das wäre mal eine Mission. Denn dort werden die Fragen der Zukunft beantwortet. Und ich würde die jungen Leute aufrufen, anstatt zu schreien und zu hüpfen, Bäume zu pflanzen. Ich tue das.

Sie wollen Rot-Grün-Rot verhindern. Wie definieren Sie den Begriff „bürgerliches Lager“?

CDU, Freie Wähler, wir. Aber wir sollten aufhören, immer nur in Blöcken zu denken. In der Kommune muss es zuerst um die Sache gehen und da sollten alle Demokraten gesprächsfähig sein.

Halten Sie die AfD für eine Partei der Demokraten?

Natürlich ist das eine demokratische Partei. Aber sie ist, wie ja die jahrelange tiefe Zerstrittenheit der AfD-Fraktion im Stadtrat zeigt, mit sich selbst überhaupt nicht im Reinen und zudem kommunalpolitisch unauffällig. Der Umgang wird daher schwierig bleiben. Ich werde aber meine Anträge nicht deshalb zurückziehen, weil die AfD zustimmen will.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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