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Adventsnews Weihnachtsbaum zur Miete: Zwei Dresdner wollen das Fest ökologischer machen
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11:08 08.12.2019
Ihr Geschäftsmodell ist der Baum im Topf: die Gründer Nick Dühr und Moritz Kormann von Baumkind. Quelle: Baumkind
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Leipzig

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ – er ist des Deutschen liebste Weihnachtsdekoration. Knapp 30 Millionen Bäume kauften die Bundesbürger im vergangenen Jahr, laut einer Erhebung der Deutschen Holz verarbeitenden Industrie – Tendenz seit einigen Jahren steigend. Doch was passiert eigentlich mit den Bäumen nach der Weihnachtszeit? Sechs Jahre lang wachsen die Bäumchen heran, ehe sie es als grüne Pracht in die deutschen Wohnzimmer schaffen. Ihr Ende ist in den meisten Fällen ohne Glanz. Entweder landen sie als Brennholz im heimischen Kamin oder sie werden von der Stadtreinigung kompostiert und zu Dünger weiter verarbeitet.

Für zwei junge Unternehmer aus Dresden ist das eine große Verschwendung. Moritz Kormann und sein Kommilitone Nick Dühr haben deshalb einen Plan: Sie wollen Weihnachten nachhaltiger und ökologischer machen. Wie das gehen soll? Mit Weihnachtsbäumen, die nach dem Fest noch weiter leben.

Nach dem Fest kommen die Bäume in den Wald

Dafür haben die beiden Studenten das Unternehmen Baumkind ins Leben gerufen. Ihr Angebot ist simpel: „Auf unserer Homepage kann man Weihnachtsbäume im Topf bestellen. Wir liefern sie Mitte Dezember aus und nach dem Fest holen wir sie dann wieder ab.“ Nach Neujahr bringt Baumkind die Tanne schließlich in ein Gebiet für Aufforstung 70 Kilometer nördlich von Dresden.

Das Angebot von Kormann und Dühr startet diesen Winter und richtet sich an Menschen aus Dresden und aus Leipzig. Statt einer gefällten Tanne erhalten die Käufer einen Weihnachtsbaum, der die vergangenen Jahre im Topf gewachsen ist und intakte Wurzeln besitzt. „Unsere Bäume selbst kommen von einer zertifizierten Öko-Baumschule aus Dänemark“, erklärt Kormann. Anfang Dezember werden sie schließlich in eine Lagerhalle bei Dresden gebracht. Zwei Wochen später liefern die Gründer die Weihnachtsbäume dann eigenhändig aus – bis ins Wohnzimmer.

75 Euro für die Tanne im Topf

Wer sich einen solchen Baum nach Hause holen will, der muss jedoch etwas tiefer ins Portemonnaie greifen als bei einem normal gefällten Baum. 75 Euro kostet die Öko-Tanne von Baumkind und damit ein stattliches Sümmchen mehr als normale Weihnachtsbäume. Die liegen im Schnitt bei 20 bis 30 Euro. Das hat laut Kormann mehrere Gründe. „Zum einen ist da die aufwendigere Zucht der Bäume. Und zum anderen ist im Preis die Lieferung nach Hause mit inbegriffen“, erklärt der Baumkind-Gründer.

Und wie ökologisch ist ein Baum, der erst von Dänemark hier her transportiert werden muss? „Es war sehr schwer in Deutschland einen Partner zu finden, der zu uns passt“, gibt Kormann zu. Es sei aber immer noch besser, als wenn jeder einzeln mit dem Auto losfährt und sich einen Baum selbst kauft, so der Gründer weiter. Zumal die Bäume im Anschluss weiterhin Kohlenstoffdioxid binden, wenn sie im Wald stehen und weiter wachsen.

Kormann rechnet das so vor: Für den Transport fallen pro Baum insgesamt 2,15 Kilogram Kohlenstoffdioxid an. Da der Baum im Anschluss aber noch weiter wächst, hat er bereits nach einem Jahr wieder eine positive CO2-Bilanz. Die angebotenen Nordmanntannen binden durchschnittlich zehn Kilogramm CO2 im Jahr.

Wer also eine ökologischere Alternative zum geschlagenen Weihnachtsbaum sucht, der kann bei Baumkind möglicherweise fündig werden. Wer sich dennoch einen eigenen Baum – ganz öko ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel – schlagen will, kann dies Bald wieder in den Leipziger Forstbezirken. Auf LVZ.de gibt es eine Liste aller Termine.

Von Max Hempel