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Wirtschaftspreis So geht’s aufwärts“ DNN-Wirtschaftspreis: Robotik? Ein Kinderspiel für Wandelbots Dresden
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13:09 24.09.2019
Ein Wandelbots-Mitarbeiter testet enen der neuen Tracepens, um einen Roboter anzulernen. Quelle: Wandelbots
Dresden

Neue Ideen braucht das Land: Mit dem DNN-Wirtschaftspreis „So geht’s aufwärts“ zeichnen wir innovative und verantwortungsvolle Unternehmer aus. Menschen also, die durch kluges und mutiges Handeln Arbeitsplätze gerettet, neue Geschäftsmodelle entwickelt, die Umwelt entlastet oder unseren Alltag ein bisschen schöner gemacht haben. Im Herbst präsentiert eine Jury aus Vertretern der DNN, des Wirtschaftsministeriums, der Ostsächsischen Sparkasse, der Handwerkskammer sowie der Industrie- und Handelskammer Dresden die drei Gewinner. Bis dahin stellen wir die zehn Nominierten vor. Heute im Fokus: die Robotik-Firma „Wandelbots“ aus Dresden.

Vom Dienstleister zum Hightech-Produzenten

Damit künftig auch kleine Betriebe Industrieroboter schnell, einfach und gewinnbringend einsetzen können, bietet das junge Dresdner Unternehmen „Wandelbots“ dafür ab 2020 spezielle Roboter-Anlernstationen an. Mit diesen „Trace Pens“ können dann selbst Laien die Roboter kinderleicht programmieren: Sie führen den stählernen Kollegen mit speziellen Sensorstiften einmal vor, wie man feilt, bohrt, entgratet oder fräst – und die lernen die Arbeitsschritte so binnen Minuten. „Dadurch wird der Robotereinsatz für viele Unternehmen, für die dies bisher unbezahlbar war, überhaupt erst möglich“, ist Wandelbots-Chef Christian Piechnick überzeugt.

Zugleich steht diese Anlerngarnitur für eine neue Stufe in der unternehmerischen Entwicklung von Wandelbots – vom Dienstleister zum Hightech-Produzenten: Hatte die Uni-Ausgründung bisher vor allem ihre Erfahrungen mit Robotik-Sensorkleidung mit Konzernen wie Volkswagen geteilt, bieten die Dresdner bald mit den „Trace Pens“ auch eigene Produkte an.

Wandelbots-Chef Christian Piechnick führt die neue "Trace Pens"-Anlernstation für Roboter vor. Quelle: Heiko Weckbrodt

Dafür baut Wandelbots allerdings keine eigene Fabrik, sondern setzt auf das heute weit verbreitete Konzept „fabrikloser Unternehmen“. Solche „Fabless Companies“ entwickeln Hightech-Produkte und verkaufen sie, lassen sie aber von spezialisierten Auftragsfertigern („Foundries“) herstellen. Das soll Kosten sparen und die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen. Starten soll die Großserienproduktion Tausender „Trace Pens“ im Frühjahr 2020.

Gemessen daran, dass das Unternehmen erst vor zwei Jahren entstanden ist, klingt das nach einem ambitionierten Zeitplan. Bisher allerdings hat der Erfolg den Wandelbots recht gegeben: Unternehmen aus Deutschland, China und anderen Ländern reißen sich derzeit regelrecht um die Roboter-Anlerntechnologie aus Dresden.

Aus dem Hobby entsteht eine Firma

Begonnen hatte dieser Aufstieg vor drei Jahren mit einem schlichten Freizeitprojekt von Christian Piechnick und seiner Frau Maria: „Ich hatte mich als Medieninformatiker an der TU Dresden unter anderem mit Programmieransätzen für Roboter beschäftigt“, erinnert sich der 33-jährige Wandelbots-Geschäftsführer. „Meine Frau Maria beschäftigte sich zu der Zeit mit intelligenter Kleidung. Irgendwann haben wir unsere Themen zusammengeführt.“

Nach Feierabend entwickelten sie eine Jacke, deren eingenähte Sensoren die Bewegungen des Trägers erkennen und mittels einer Software in Anlernbefehle für einen Roboter übersetzen. „Das haben wir auf einer Wissenschaftsmesse den Leuten vom Roboterhersteller Kuka gezeigt.“ Die halfen den Dresdnern, ihre Ideen auf der Hannovermesse 2016 der Industrie vorzuführen. „Wir sind mit einem Stapel Kundenaufträge zurückgekommen“, erzählt Christian Piechnick. „Auf der Zugfahrt nach Hause ist uns klar geworden, dass unser Hobby eine Firmengründung wert war.“

DNN-Wirtschaftspreis

Alle Infos und die Nominierten im Porträt finden Sie in unserem Special!

Und so taten sich die beiden mit vier weiteren Uni-Absolventen zusammen und gründeten 2017 „Wandelbots“. Schützenhilfe erhielten sie von ihren Dozenten: Informatik-Professor Uwe Aßmann förderte die jungen Gründer und brachte sie mit dem Kommunikationstechnik-Experten Prof. Frank Fitzek zusammen. Der wiederum vermittelte Kontakte zu Atlantic Labs aus Berlin und anderen Wagniskapitalgebern, die für die Anschubfinanzierung sorgten.

Besondere Dresdner Expertise

Weil das Interesse aus der Industrie an der Wandelbots-Technik gleich groß war, realisierte das junge Unternehmen rasch Millionen-Umsätze. Wandelbots startete mehrere Pilotprojekte mit großen Partnern wie VW und trieb derweil die Entwicklung eigener Produkte voran. „Die Sensorjacke“, so verrät Christian Piechnick, „war nur der Anfang“.

Die neuen „Trace Pens“ sind bereits echte Hightech-Produkte, wie sich Besucher der mondänen Wandelbots-Villa an der Tiergartenstraße am Praxisbeispiel überzeugen können: Die Stifte sind mit Kraft-, Infrarot- und Beschleunigungssensoren ausgestattet, sie arbeiten bis auf einen Fünftel Millimeter genau. Die haben Wechsel-Aufsätze, die unterschiedliche Werkzeuge simulieren. Damit können die Arbeiter im Kundenbetrieb ihren Robotern dann zackig beibringen, wie sie ein Werkstück entgraten, zusammenschweißen oder lackieren sollen. „Wozu ein Roboterprogrammierer früher drei bis vier Stunden gebraucht hat, das schafft man jetzt mit unseren Trace Pens in vier Minuten“, verspricht der Wandelboots-Chef.

Dass die Konkurrenz dieses Konzept bald nachahmen könnte, glaubt er nicht: Zu viel besondere Dresdner Expertise stecke in den Stiften, in der Software und in der „Wandelbox“. Letztere ist ein kleiner leuchtender Mini-Computer. Der verarbeitet nach dem sogenannten „Edge Cloud“-Prinzip („Nahe Rechnerwolke“) all die funkübertragenen Sensordaten aus den Stiften in Sekundenbruchteilen. Die Box simuliert auch den Widerstand des Materials als fühlbare Impulse für den menschlichen Bediener und übersetzt die Abläufe für den angeschlossenen Roboter-Schüler in die Maschinensprache.

„Wir wollen ein Weltmarktführer in der Robotik werden“

Die ersten 20 Anlernstifte hat Wandelbots hergestellt und verteilt sie nun an Pilotkunden. Die demnächst anstehende Großserienproduktion wird auch wieder Geld verschlingen. Da die Gründer erst 2020 oder 2021 mit ersten Betriebsgewinnen rechnen, erwägen sie für Anfang 2020 eine weitere Finanzierungsrunde mit Risikokapitalisten. Noch mehr Geld erhoffen sie sich vom Aktienmarkt: „Unser Ziel ist ein Börsengang“, sagt Piechnick.

Kein Zweifel: Die Dresdner möchten am ganz großen Rad drehen: „Wir wollen ein Weltmarktführer in der Robotik werden“, sagt der Geschäftsführer. „Unsere Technologie wird den ganzen Markt umkrempeln und zu einer Demokratisierung der Robotik führen.“ Gemeint ist: Mit den Anlerntechnologien aus Dresden soll es auch für kleine Handwerker und Minibetriebe erschwinglich werden, eigene Roboter zu verwenden. Denn etwa 70 bis 80 Prozent der Einsatz-Kosten gehen laut Wandelbots bisher nicht für den Roboter selbst drauf, sondern für dessen Einrichtung, Programmierung und für folgende Umprogrammierungen.

Kurzporträt

Name: Wandelbots

Sitz: Dresden, Tiergartenstraße

Geschäftsfelder: Mensch-Maschine-Schnittstellen / Robotik

Belegschaft: 54 Mitarbeiter (Ziel Ende 2019: ca. 65)

Umsatz: knapp 1,5 Millionen Euro (2018), Ziel 2019: knapp vier Millionen Euro

Mehr Infos im Netz: wandelbots.com

Die „Trace Pens“ sollen diese „Umschulungen“ der Roboter auf immer neue Produkte nicht nur beschleunigen, sondern auch deutlich billiger machen. Den Fokus wollen die Wandelbots-Macher zunächst auf Industriekunden in Deutschland und Europa legen. Geplant sind zudem ab 2020 Vertretungen in China, Japan, Südkorea und in den USA. „Später wollen wir uns auch mit Robotern für den häuslichen und öffentlichen Bereich beschäftigen“, kündigt Christian Piechnick an. „Aber eins nach dem anderen.“

Von Heiko Weckbrodt

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