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Archiv Bestattungshaus Billing Pirna – Mit Herz und Helfersyndrom
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10:00 19.09.2018
Uwe Billing und sein Bestattungshaus sind für den DNN-Wirtschaftspreis nominiert. Quelle: Dietrich Flechtner
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Pirna

Uwe Billing führt durch die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten. Er trägt seine Arbeitskleidung – einen schwarzen Anzug mit Krawatte, eine schwarze Hose, schwarze Schuhe. Auf dem Tisch im Warteraum liegt der „Bestattungs-Knigge“ zum Stöbern. Zwei Dutzend verschiedener Urnen stehen in der Glasvitrine am Ende des Büroganges, mehrere Särge aus Kiefern- und Eichenholz lagern im Ausstellungsraum.

Seit nunmehr 27 Jahren hat die Bestattungshaus Billing GmbH ihren Sitz an der Gartenstraße in Pirna. Hier beginnt für viele Verstorbene ihre letzte Reise. „Wir kümmern uns nicht nur um die ordnungsgemäße, pietätvolle Bestattung, sondern auch gleichzeitig um die Betreuung der Hinterbliebenen“, sagt Billing. Sein Bestattungshaus ist ein Familienunternehmen in zweiter Generation. Uwe Billing und sein Vater Werner haben das Amt der Geschäftsführer inne und auch Bruder Jörg sitzt in der Firmenleitung.

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Dienstleister für Menschen in Ausnahmesituationen

Die Billings beschäftigen 15 Festangestellte, darüber hinaus noch mehrere Pauschalkräfte. Für die Mitarbeiter ist ihre Arbeit mehr Berufung als Beruf. Schließlich hat nicht jeder das Zeug dazu, ein guter Bestatter zu sein. „Es bedarf bestimmter Charaktereigenschaften“, erklärt Billing, der selbst Bestattungsfachkräfte ausbildet. „Ein Bestatter muss empathiefähig sein, ein Herz und ein Helfersyndrom haben. Er muss dennoch eine sachliche Beratung durchführen können. Es ist wichtig, dass er sich nicht von den Schicksalen runterziehen lässt“.

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Der Geschäftsführer kümmert sich zwar größtenteils um die administrativen Aufgaben. Allerdings weiß er durchaus, wovon er spricht. Uwe Billing hat schon mit eigener Hand viele Gräber ausgeschaufelt und Verstorbene eingebettet. Auch ist er schon den Leichenwagen gefahren und hat vertretungsweise Kunden beraten. Immerhin ist das Aufgabenspektrum im Bestattungshaus breit gefächert. Die Kollegen im Außendienst holen den Verstorbenen ab und im Büro werden die Hinterbliebenen beraten. Das Bestattungshaus organisiert Trauerfeiern, vermittelt Floristen, Musiker, Redner und Zeitungsanzeigen. Zu guter Letzt erledigen die Bestattungsfachkräfte auch die Formalien, lösen den Haushalt und bestehende Versicherungen der Verstorbenen auf.

Bestatter sind in erster Linie Dienstleiter für Menschen, die sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden. So hart das klingen mag, sie machen ihr Geschäft mit dem Tod. „Wir sind dennoch jederzeit bemüht, faire Preise und eine gute Qualität zu bieten, um den Hinterbliebenen nicht noch unnötig Geld aus der Tasche zu ziehen“, sagt Billing. Als einziges Bestattungshaus der Großen Kreisstadt Pirna ist der Familienbetrieb Billing Mitglied im „Bundesverband der Bestatter“. Zudem ist das Unternehmen TÜV-zertifiziert.

Name: Bestattungshaus Billing GmbH

Hauptsitz: Pirna

Gründung: 1991

Geschäftszweck: Bestattungsdienstleistungen (u. a. Beratung, Ankleiden und Einbetten des Verstorbenen, Organisation von Trauerfeiern, Zeitungsanzeigen, Trauerkartendruck)

Belegschaft: 15 Festangestellte, mehrere Pauschalarbeiter

Umsatz: 3,7 Millionen Euro (2017)

Mehr Infos im Netz: bestattungshausbilling.de

Neben der Hauptgeschäftsstelle führt die Familie fünf weitere Filialen: drei in Dresden sowie jeweils eine in Pirna und Heidenau. Darüber hinaus verfügt das Bestattungshaus über ein großes Lager am Pirnaer Friedhof. Dort werden die Verstorbenen zurechtgemacht, bevor sie sich auf ihre letzte Reise begeben – zur Grabstelle oder ins Krematorium in Dresden-Tolkewitz.

Rund 85 Prozent der Entschlafenen, schätzt Uwe Billing, werden in einer Urne beerdigt. Falls dies gewünscht ist, schicken die Bestatter aus Pirna die Aschekapsel auch per Post an die Seebestattungsreederei des Vertrauens. Sich zum Diamanten pressen oder in Staubform vom Heißluftballon streuen zu lassen, das ist in Deutschland noch nicht möglich. Aber auch bei diesen Sonderwünschen vermittelt das Bestattungshaus entsprechende Anbieter in Frankreich und der Schweiz.

Zwischen kollegialer Heiterkeit und trauenden Kunden

Immer mehr Menschen schließen bei dem Pirnaer Unternehmen eine Bestattungsvorsorge ab. Darin ist vertraglich festgehalten, wie die eigene, spätere Bestattung abläuft. Und das Geld ist schon gezahlt. „Das entlastet die Angehörigen ungemein“, meint Billing. „Sie müssen sich dann nicht mehr um die Beerdigung, sondern nur noch um sich selbst kümmern.“

Im Jahr betreut das Bestattungshaus Billing zahlreiche Sterbefälle. Da kommt schnell Routine rein. Aber selbst alte Hasen wie Uwe Billing müssen hin und wieder auch mal schlucken. „Wenn es um Kinder geht, wird einem schon flau im Magen“, sagt der Firmenchef, der selbst vier Söhne und eine Tochter hat. „Wenn Familien von ihrem Kind Abschied nehmen, wenn die Geschwister in den Sarg schauen und die Hand ihres verstorbenen Brüderchens oder Schwesterchens halten, dann sind das sehr ergreifende Momente.“

Das Bestattungshaus bietet Eltern an, ihr Kind selbst zu waschen und anzukleiden – ein schwerer Gang für die Familie. „Aber es hilft dabei, die eigene Trauer zu verarbeiten“, erklärt Uwe Billing. „Der Tod ist gewiss ein ernstes Thema. Aber es erfüllt mich mit Zufriedenheit, wenn ich jemandem in dieser schweren Phase unterstützt habe und merke, es hat ihm gut getan.“

Der tägliche Umgang mit dem Tabu-Thema Tod hat das Klischee genährt, Bestatter seien schweigsam und selten gut gelaunt. Zumindest auf das Bestattungshaus Billing trifft das nur bedingt zu, wie der Geschäftsführer verrät: „Unter Kollegen ist die Stimmung oft angeheitert. Wird die Kundschaft betreut, muss der Schalter natürlich umgelegt werden.“ Doch es gibt Ausnahmen, erzählt Billing: „Manchmal haben die Angehörigen eine Vorliebe für schwarzen Humor und sind sogar zu Scherzen aufgelegt. Dann ist die Stimmung bei der Beratung etwas lockerer.“

Ob er selbst Angst vor dem Tod hat? Uwe Billing zögert kurz. Dann antwortet er: „Nein, eigentlich nicht.“ Nur ein paar Jährchen, meint der 49-Jährige, würde er noch gerne auf dieser Erde verbringen.

Von Junes Semmoudi