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Weg vom Röntgen: Warum die Kinderchirurgie der Uniklinik Dresden ein Ultraschallgerät braucht

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14:32 31.10.2021
Liara Müller und ihre Mutter Mandy umgeben von der medizinischen Doktorandin Josephine Forßbohm und den Ärzten Jurek Schlutz, Philipp Schwerk, Kinderhilfe-Vorstand Michael Doerwald und Klinikdirektor Guido Fitze sowie Krankenpflegerin Stephanie (v.l.).
Liara Müller und ihre Mutter Mandy umgeben von der medizinischen Doktorandin Josephine Forßbohm und den Ärzten Jurek Schlutz, Philipp Schwerk, Kinderhilfe-Vorstand Michael Doerwald und Klinikdirektor Guido Fitze sowie Krankenpflegerin Stephanie (v.l.). Quelle: UKD
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Dresden

Wenn ein Kind mit gebrochenem Arm in die chirurgische Notaufnahme des Dresdner Uniklinikums (UKD) kommt, geht’s erst einmal zum Röntgen. Was simpel klingt, kann eine kleine Tortur sein. Nicht nur wegen der Wartezeit. Das Kind muss in der Regel alleine in den kahlen Strahlenraum und den gebrochenen Arm so halten, dass ein klares Bild entsteht. Liegt er falsch, kann es schon einmal länger dauern. Trotz Schmerzen. Um den kleinen Patienten diese Prozedur zu ersparen, will die Kinderchirurgie des UKD bei der Untersuchung von Knochenfrakturen mehr und mehr auf Ultraschall, in der Fachsprache Sonografie genannt, umstellen.

Exaktere Diagnosen, weniger Strahlung

„Die Methode ist nicht nur schmerzfreier und weniger psychisch belastend für die Kinder“, erklärt Guido Fitze, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, „sondern auch genauer.“ Das weiß er von Josephine Forßbohm. Die medizinische Doktorandin hat in den vergangenen sechs Monaten Ultraschallergebnisse mit Röntgenaufnahmen verglichen. „Bei der Sonografie findet man noch mehr Frakturen“, erklärt Guido Fitze.

Die neue Technik ist nicht nur exakter, sondern bewahrt die Patienten auch vor unnötiger Röntgenstrahlung, die möglicherweise unser genetisches Erbmaterial verändern und im schlimmsten Fall Krebs verursachen kann. Kinder sind laut Guido Fitze besonders gefährdet, da sie einen wesentlich schnelleren Zellumsatz und eine höhere Lebensprognose haben, wodurch mehr Zeit für Erbgutveränderungen bleibt.

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Liara Müller blieb die Röntgenraum dank der Ultraschalluntersuchung erspart. Vor einen Monat war die Siebenjährige in der Schule vom Klettergerüst gefallen. Diagnose: Handgelenkbruch. Am nächsten Tag kam sie mit ihrer Mutter Mandy in die chirurgische Notaufnahme des UKD. Facharzt Jurek Schultz untersuchte Liaras Arm per Ultraschall. Anschließend bekam das Mädchen einen Verband aus Zitterpappel, die nachhaltige und deutlich leichtere Alternative zum Gips.

Einen Monat später treffen sich der Arzt und die kleine Patientin wieder. „Es ist ein bisschen kalt“, sagt Liara und meint das Gel auf ihrem Arm, das Jurek Schultz für den Ultraschall aufgetragen hat. Doch die Siebenjährige scheint kein Problem mit der Untersuchung zu haben. Den vom Gips befreiten Arm wolle sie noch am selben Tag auf dem Spielplatz testen, sagt ihre Mutter Mandy.

Ultraschall bei Frakturen ist keine Standardmethode

Bislang nutzen die Kinderchirurgen des UKD die Sonografie vor allem bei Kindern mit Bauchproblemen und nach Unfällen. Hierfür müssen sich Guido Fitze und seine Kollegen jedes Mal ein Gerät von der Ambulanz ausborgen. Um die Methode auszubauen und vom Röntgen wegzukommen, benötigt die Kinderchirurgie ein eigenes Gerät.

60.000 Euro würde das kosten – angesichts der millionenschweren Erweiterungen der Uniklinik in den letzten Jahren erscheint diese Summe nicht groß. Aber: „Da die Anwendung in diesem Kontext neu und nicht Teil der Regelversorgung ist, muss das Gerät durch Spenden finanziert werden“, sagt Michael Doerwald, Vorstandsvorsitzender der Dresdner Kinderhilfe. Seit 1997 unterstützt sein Verein chronisch kranke Kinder und ihre Familien in der Stadt. „Wenn ein Knochen nach einem Bruch nicht richtig zusammenwächst, können langfristige Schäden bleiben“, erklärt Doerwald.

DNN-Aktion „Dresdner helfen Dresdnern“

Wer Dresdnern in schwierigen Situationen helfen möchte, kann sich noch bis Weihnachten an der Spendenaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ beteiligen. Das gespendete Geld geht an den Verein Aufwind, der benachteiligte Kinder un­terstützt, die Dresdner Kinderhilfe und die Diakonie Stadtmission.

Das Formular zur Überweisung und Informationen zur Namensnennung oder anonymen Spende sowie Hinweise zum Datenschutz gibt es im Internet unter dnn.de/dresdnerhelfen. Die DNN bedanken sich bei allen Spendern.

Deshalb und wegen der Gefahr durch Röntgenstrahlung will die Kinderhilfe dem Uniklinikum helfen, ein neues Sonografiegerät zu bekommen. Die Kosten liegen laut Facharzt Jurek Schultz bei rund 60.000 Euro. Der Großteil der Spenden, die die Kinderhilfe über die Aktion „Dresdner helfen Dresdnern“ bekommt, würde in dieses Projekt fließen, versichert Vorstand Michael Doerwald.

Von Laura Catoni