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16:03 08.10.2018
Tim und Jasmin pauken jede Woche im fitt. Mit Erfolg, beide konnten ihre Noten verbessern. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Mit dem Schulbesuch beginnt der Ernst des Lebens. So heißt es zumindest landläufig. Für Tim mag das stimmen. Denn der heute 15-Jährige hat alles andere als gute Erinnerungen an seine ersten Jahre auf der Schulbank. Buchstaben sind nicht seine Freunde, oft tanzen sie vor seinem Auge und lassen sich nicht in die richtige Reihenfolge bringen. Das Tempo seiner Mitschüler konnte er so nicht halten. Im fitt Förderinstitut Training & Therapie bei Lese-Rechtschreibschwäche an der Antonstraße finden Tim und seine Leidensgenossen Hilfe. Möglich macht das die finanzielle Unterstützung durch den Verein Aufwind.

Tim begann seine Schullaufbahn an einer Waldorfschule im brandenburgischen Cottbus. „Ich war anders als die anderen Schüler, langsamer. Die Lehrerin wollte mich nicht in der Klasse haben“, erinnert er sich. Für den Grundschüler eine schwierige Zeit, für seine Eltern der Grund, etwas zu verändern. Da Tims Mutter bereits in Dresden arbeitete, entschloss sich die Familie, ganz in die sächsische Landeshauptstadt zu ziehen.

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Seitdem besucht der 15-Jährige das Förderzentrum Makarenko, und seit der 4. Klasse auch den fitt-Nachhilfeunterricht. Zweimal in der Woche paukt er Deutsch und Englisch. Mit Erfolg. In Deutsch hat er sich von einer „3“ auf eine gute „2“ gesteigert, in Englisch steht eine „3“ auf dem Zeugnis. „Ich bin sehr zufrieden und froh. Ohne die Nachhilfe wäre ich nicht besser als 4“, sagt der Neuntklässler, der genaue Vorstellungen davon hat, was er beruflich machen möchte: Industrie- oder Zerspanungsmechaniker soll es sein. Die Noten dafür zumindest hat er.

Teil der mittwöchlichen Englisch-Runde im fitt ist auch Jasmin. Die 15-Jährige besucht die 9. Klasse der 30. Mittelschule und bekommt schon lange Nachhilfeunterricht. „Das Lesen war am Anfang sehr schwierig“, erzählt sie. Mittlerweile hat sich ihre Deutschnote aber von einer „4“ auf eine „2“ verbessert. Das möchte sie jetzt auch in Englisch schaffen. „Da versuche ich es gerade. Aber ich will besser werden“, so die 15-Jährige. Ein Ziel hilft ihr dabei. Jasmins Traumberuf ist Tierpfleger, dafür büffelt sich gern einmal pro Woche zusätzlich an der Antonstraße.

Es sind gemischte Gruppen, die Dorit John, eine der Lerntherapeuten, betreut. Ihre Schützlinge sind unterschiedlich alt und lernen an verschiedenen Schultypen. Eines aber eint sie: „Sie haben alle Potential, aber auch ganz viele Probleme mit sich. Wenn man eine Schwäche hat, nagt das am Selbstwertgefühl“, sagt sie. Ihre Aufgabe sieht sie deshalb nicht nur in der Wissensvermittlung, sondern vor allem darin, das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen zu stärken, einfühlsam mit ihnen umzugehen.

Und diese Strategie zeigt Wirkung. „Man merkt richtig, wie sie aufblühen, wie sich die Körperhaltung verändert“, erzählt John von den Erfolgen ihres Arbeitsalltags. Diese Erfolge könnten ihrer Meinung nach aber schon viel früher eintreten. „Eine Lese-Rechtschreibschwäche wird viel zu spät diagnostiziert. Um diese Kinder müsste man sich in der Kita bereits entsprechend kümmern.“ Denn in der Grundschule – eine „ganz prägende Zeit für Kinder“, wie die Lerntherapeutin sagt – sei dafür oft keine Zeit mehr.

Von Christin Grödel