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Dresdner helfen Dresdnern Nur für Frauen: Wie sich die Diakonie für weibliche Obdachlose einsetzt
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Obdachlose in Dresden: Wie die Diakonie wohnungslosen Frauen helfen will

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07:54 31.10.2021
Marko Hietzke und Andrea Hentsch von der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden.
Marko Hietzke und Andrea Hentsch von der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Heißes Wasser auf der Haut, duftender Schaum in den Haaren: Was für die meisten zur Alltagsroutine gehört, ist für Obdachlose keine Selbstverständlichkeit. Denn wer auf der Straße lebt, hat kein Badezimmer und damit auch keine Dusche. Andrea Hentsch von der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden weiß, was zehn ungestörte Minuten unter sauberem Wasser bedeuten können. „Viele duschen extra lange, weil sie die Wärme genießen“, sagt Hentsch.

Seit 2012 arbeitet sie bei der Wohnungsnotfallhilfe der Stadtmission an der Mohnstraße. Nachdem sie jahrelang ehrenamtlich geholfen hatte, konnte die Diakonie ihr dank der Gelder aus der letzten Aktion „Dresdner helfen Dresdnern“einen Mini-Job anbieten. Hentsch ist unter anderem dafür zuständig, die Dusche in der Wohnungsnotfallhilfe regelmäßig zu reinigen und zu desinfizieren. Nur so könne das Angebot in Pandemiezeiten fortbestehen. Dabei gehe es für die Gäste nicht nur um Sauberkeit, sondern auch „darum, sich wieder wie ein Mensch zu fühlen.“ Deshalb stehen neben der Duschkabine Shampoo, Seife, Deo und Zahncreme bereit.

Tagestreff ausschließlich für Frauen

Am Donnerstagmorgen ist das weiß geflieste Badezimmer den Frauen vorbehalten. Denn seit Mai dieses Jahres lädt die Stadtmission von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr zum Frauentagestreff ein. Männer müssen draußen bleiben. Frauen, die auf der Straße leben oder ihre Wohnung verloren haben, bekommen in den Räumen an der Mohnstraße nicht nur eine warme Dusche, sondern auch etwas zu Trinken und zu Essen, neue Kleidung oder ein Beratungsgespräch mit den Sozialarbeitern. Zudem können sie einen Computer nutzen, Wäsche waschen, Hygieneartikel wie Tampons abholen.

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„Ein spezielles Angebot für Frauen in Wohnungsnot gab es bislang nicht in Dresden“, sagt Marko Hietzke, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe. Da viele Betroffene aus gewaltvollen Beziehungen kämen, fühlten sie sich wohler, wenn Männer draußen blieben. Der Tagestreff soll einen Schutzraum bieten, in dem sich die Frauen austauschen und gegenseitig Mut machen können. „Und wir wollen Frauen in Wohnungsnot sichtbar machen“, ergänzt Sozialarbeiterin Marlene Schmid.

Weibliche Obadachlose bleiben unter dem Radar

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt die Zahl der wohnungslosen Frauen deutschlandweit auf mindestens 59 000. Tendenz steigend. Ihren Anteil an der Gesamtzahl aller Betroffenen schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft auf 27 Prozent. Zahlen für Dresden gibt es nicht. „Doch die Dunkelziffer bei Frauen ist immens“, sagt Marlene Schmid. Auch, weil sie seltener offizielle Hilfsangebote in Anspruch nähmen als Männer und dadurch unter dem Radar blieben.

DNN-Aktion „Dresdner helfen Dresdnern“

Wer Dresdnern in schwierigen Situationen helfen möchte, kann sich noch bis Weihnachten an der Spendenaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ beteiligen. Das gespendete Geld geht an den Verein Aufwind, der benachteiligte Kinder un­terstützt, die Dresdner Kinderhilfe und die Diakonie Stadtmission.

Das Formular zur Überweisung und Informationen zur Namensnennung oder anonymen Spende sowie Hinweise zum Datenschutz gibt es im Internet unter dnn.de/dresdnerhelfen. Die DNN bedanken sich bei allen Spendern.

Mit dem Frauentagestreff hofft die Diakonie, Frauen ohne Dach über dem Kopf einen neuen, sicheren Raum bieten zu können. „Es handelt sich um ein niedrigschwelliges Angebot“, betont Schmid. „Die Betroffen sollen wissen, dass sie einfach hierherkommen können.“

Von Laura Catoni