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Dresdner helfen Dresdnern DNN-Benefizkonzert in Dresden mit Steffen Gaitzsch
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21:00 30.11.2019
Steffen Gaitzsch (r.) gab am 22. März 1987 im Jazzclub Tonne gemeinsam mit dem kalifornischen Bassisten Barre Phillips ein Improvisationskonzert. Quelle: Matthias Creutziger
Dresden

Anfang März 2018, auf einer kleinen Bühne in Dresden. Der wohl wichtigste Gitarrist des zeitgenössischen Jazz in Slowenien, Samo Šalamon, hatte extra für den Auftritt und eine CD-Einspielung neue Trio-Kompositionen geschrieben, nach deren Darbietung er mit dem ungarisch-serbischen Bratschisten Szilard Mezei frei im Duett improvisieren sollte – doch Mezei blieb im Schneesturm auf dem Flughafen Bukarest stecken, die neuen Stücke mussten provisorisch im Duo aufgeführt werden.

Der Dresdner Klang – dunkel und warm

Der Geiger Steffen Gaitzsch vom Philharmonischen Kammerorchester Dresden war Retter in der Not; obwohl er den Gitarristen aus Maribor erst wenige Minuten vorher kennengelernt hatte, verstand er intuitiv dessen Spiel in Sekundenschnelle. Die beiden entwickelten ein frei improvisiertes Miteinander, bei dem es um kantige Melodiösität und spirituelle Tiefe, nicht vordergründig um Fingerfertigkeit ging. Gaitzsch, so dachte ich sofort, ist eben nicht nur professioneller Musiker, sondern auch einfühlsamer, souveräner Musikant.

Erst kürzlich beging er sein vierzigstes Dienstjubiläum als Geiger in der Dresdner Philharmonie (bald wird er dort altersbedingt ausscheiden) und schon seit Anfang der neunziger Jahre ist er engagiertes Mitglied des 1969 gegründeten hiesigen Philharmonischen Kammerorchesters, das traditionell das Benefizkonzert „Dresdner helfen Dresdnern“ bestreitet – in diesem Jahr zum neunzehnten Mal. In beiden Ensembleformaten ist ihm besonders daran gelegen, den sogenannten Dresdner Klang zu bewahren.

„Technisch sehr gute Orchester gibt es sicher ziemlich viele“, meint Gaitzsch, „aber dieser dunkle, warme Klang ist etwas Besonderes und sollte gepflegt werden.“ Die Arbeit dieses Kammerensembles, die Steffen Gaitzsch durchaus auch als „Weiterbildung“ versteht, versucht, diesen Klang auch über die Grenzen Dresdens hinauszutragen, so kürzlich mit Konzerten in Landshut und Köln.

Wer nun denkt, Steffen Gaitzsch sähe sich vordergründig als Bewahrer, sieht sich getäuscht – und auch nicht. „Es gibt unglaublich viele Musik aus der (auch jüngeren) Vergangenheit, die lebendig gehalten werden sollte. Meine Liebe jedoch gilt der zeitgenössischen Musik und dem Miteinander der verschiedenen Kunstgattungen“, hebt der Geiger hervor. „Malerei, Tanz, Wort und Musik – dies, symbolisch gesprochen, zu einem Vierklang zu bringen, fasziniert mich, ist mir immer wieder Anliegen.“

Kompetenz für die Interpretation Neuer Musik

Mit dem mehrfach in verschiedenen Weisen realisierten Projekt „Jazzmalerei“ setzte Steffen Gaitzsch ab 1984 gemeinsam mit dem Künstler Volkmar Förster und dem Komponisten und Pianisten Frank Petzold wahre Landmarken für die Begegnung von Malerei, Lichtprojektion, Puppenspiel und Musik. Im Laufe der Jahre kam es zu vielen Auftritten mit weiteren Künstlern, so mit den Tänzern Katja Erfurth und Reiner Feistel, mit dem Schriftsteller und Lyriker Michael Wüstefeld („Messer Gedichte“ nach Steinzeichnungen von Hermann Naumann, „LandStrich“, „AnAlphabet“), und in der jüngeren Zeit mit der Sopranistin Nicole Cassel (Liederzyklus „Planspiele“ von Wüstefeld) und der Licht- und Projektionskünstlerin Claudia Reh (Echtzeitlicht).

Seit langem schon hatte sich die Kompetenz Steffen Gaitzschs und seiner Mitspieler für die Interpretation Neuer Musik herumgesprochen. Schon aus seiner Zeit als 1. Konzertmeister am Theater der Altmark in Stendal in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre rührt die bis heute andauernde Zusammenarbeit mit dem Komponisten Frank Petzold her; seitdem bis heute schreibt Petzold immer wieder Stücke für Gaitzsch und führt sie teilweise auch gemeinsam mit dem Geiger auf.

Auch Werke des im Jahre 2000 verstorbenen Wiener Komponist Paul Kont, „ohne Zweifel einer der innovativsten Denker in Sachen Musik, die Europa nach 1945 hervorbrachte“, wie der österreichische Kultur- und Musikwissenschaftler Manfred Wagner hervorhob, gehören zum Programm des Dresdner Geigers und dessen Mitstreitern.

„1984 traf ich auf den Komponisten Rainer Lischka“, erinnert sich Steffen Gaitzsch. „Immer wieder schrieb Lischka für mich, bis heute verbinden uns enge musikalische und menschliche Bande.“ Aktuell vertonte Rainer Lischka Gedichte der aus dem damaligen österreichisch-ungarischen Galizien stammenden Lyrikerin Mascha Kaléko für Steffen Gaitzsch. „Das sind sehr berührende Texte“, so der Geiger, „und Rainer Lischka hat dafür kongeniale Klänge gefunden.“

Musiker und Musikant

Ohne einfühlsame, exzellente und im selben Geist „schwingende“ Musikerpartner könnte Steffen Gaitzsch seine Erkundungszüge durch weite Bereiche der Musik und angrenzende Künste über solch lange Zeiträume nicht unternehmen. „Musik ist immer ein Wir“, hebt er hervor, „sogar, wenn ich ein Solo-Konzert für Violine gebe, hat das etwas mit einem Wir zu tun.“ Gemeinsam mit bereits erwähnten Künstlern gehörten und gehörte der Bratschist Holger Naumann in besonderer Weise zu den langjährigen Mitstreitern Gaitzschs, aber auch die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Gitarristen und Komponisten Gunter Schneider sollte nicht vergessen werden.

Dass im Zusammenhang mit einem Wir-Begriff die Spielform der gemeinsamen Improvisation eine besondere Rolle spielt, wird auch durch Gaitzschs Musiker-Biografie unterstrichen. „Schon 1981 hatte ich Günter Baby Sommer kennengelernt“, erinnert sich der Dresdner, „bei und von ihm habe ich viel in Sachen freier Improvisation gelernt.“ Seitdem kam es immer wieder zu gemeinsamen Improvisations-Duo-Konzerten. Sommer öffnete dem Geiger auch Türen zu weiteren international renommierten Improvisationsmusikern, so zum US-amerikanischen Bassisten Barre Phillips (mit dem er im März 1987 einige Duo-Konzerte, so auch in Freiberg und in der Dresdner Tonne, spielte), zu Gunter Hampel, auch zu Dietmar Diesner und zu weiteren, mit denen es zu Duo-Auftritten kam. Mittlerweile ergeben sich heutzutage weniger solche Möglichkeiten, leider, wie Gaitzsch meint. Auf die Frage, ob er auch komponiere, antwortet er: „Nein! – Oder doch ja! Beim Improvisieren.“ Das sei ja auch Komponieren, nämlich „instant composing“.

Sprach’s und interessierte sich sogleich für eine auf dem Tisch liegende CD „King oft the Ukrainian Fiddlers. The early years 1925 bis 1927 des historischen Geigers Pawlo Humeniuk. Gaitzsch ist eben beides: Musiker und Musikant.

Im Konzertsaal am Wettiner Platzder Hochschule für Musik Carl Maria von Weber spielt das Philharmonische Kammerorchester Dresden für die DNN-Benefizaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ unter Leitung von Wolfgang Hentrich Werke von Händel, Baermann, Corelli und Shir-Ran Yinon (*1986). Torsten Ranft vom Staatsschauspiel liest Texte.

15.12., 20 Uhr, Konzertsaal der Musikhochschule, Tickets: 15 Euro (keine Ermäßigung)

Von Mathias Bäumel

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