4 Brummers – Die sächsischen Musketiere der Unterhaltungskunst
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Die 100 Dresdner des 20. Jahrhunderts 4 Brummers – Die sächsischen Musketiere der Unterhaltungskunst
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00:06 25.02.2000
Dresdens beliebteste Gesangsparodisten Wolfgang Roeder, Erich Weber, Eberhard Keyn und Johannes Frenzel. Quelle: Archiv/Volkmar Billeb
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Dresden

Na, Mücke?!“ begrüßte Wolfgang Roeder seine Frau, als er von einem Auftritt mit dem noch namenlosen Quartett heimkam. „Na, ihr Brummer?!“, gab sie zurück. „Das isses!“ jubelte Roeder, und seine Partner Eberhard Keyn, Erich Weber und Johannes Frenzel pflichteten ihm bei. Von Stund’ an nannten sie sich: die 4 Brummers.

Ihre Geschichte beginnt mit einem Silvesterscherz. Die vier Akteure des Dresdner Operettentheaters formierten sich für eine Nacht zu einem Gesangsquartett á la „Travellers“, um vor Kollegen „mal so richtig dem Affen Zucker“ zu geben. Was derart einschlug, dass daraus – offizieller Start 14. Januar 1951 – eine einzigartige Showlegende wurde. Sie sollten die erfolgreichsten und populärsten Gesangsparodisten der DDR, die ersten (singenden) Kabarettisten des Ostens werden, lange bevor Kabaretts entstehen durften!

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„Einer für alle, alle für einen.“

Man bezeichnete die Brummers als „schalkhafte Stimme des Volkes“. In ihren rund 80 Quodlibets nahmen sie aufs Korn, was den kleinen Mann ärgerte. Die miesen Straßen, knappe Babywäsche, die Verkaufs-(Un)kultur, Schlamperei und Schluderei... An Themen war kein Mangel. Und der Staat tolerierte sie als Ventil! Zumal sie ihre Kritik mit Witz und Herz und einem Schuss sächsischer „Gemiedlichkeet“ vortrugen.

6673-mal standen die Brummers live vor ihrem Publikum. Im intimen Dresdner Café Prag ebenso wie auf den größten Freilichtbühnen des Landes und in zahlreichen Tourneeprogrammen. Sie waren 117-mal im Fernsehen! Von der allerersten Unterhaltungssendung des DDR-Fernsehens bis zu ihren eigenen quotenträchtigen Showreihen „Jetzt brummert’s“ und „Wir machen publik“. Im Rundfunk waren sie ständig zu hören. Nur die Schallplatte ignorierte sie, weil man offenbar fürchtete, die allseits beliebten kritischen Songs könnten von Hand zu Hand gereicht werden. So existieren nur ganz wenige Aufnahmen. Ein Hit aber wird noch gern gespielt: „Das Lied von den treuen Sachsen“.

Ja, sie waren die sächsischen Musketiere der Unterhaltungskunst. Fochten wie die richtigen für das Bessere und machten sich deren Credo zu Eigen: „Einer für alle, alle für einen.“ Lange bevor sie als Brummers berühmt wurden, schworen sich die vier Freunde: „Wenn einer von uns, aus welchem Grund auch immer, aussteigt, ist für alle Schluss.“ So haben sie es auch gehalten. Als Eberhard Keyn (Akkordeon) am 28. August 1977 erst 46-jährig starb, hörten die 4 Brummers zu bestehen auf.

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„Oberbrummer“ Wolfgang Roeder startete eine neue Karriere als geistvoller Conférencier und Sketchpartner von Leni Statz sowie als Moderator bei MDR 1 Radio Sachsen. Am 24. Dezember 1993 erlag er 68-jährig einer schweren Krankheit. Johannes Frenzel, „der kesse Kleene“, der sich ins Rentnerleben zurückgezogen hatte, war im Jahr zuvor 80-jährig gestorben. Erich Weber, „der Lange“, Bassist, gründete einen Ein-Mann-Fuhrbetrieb, kehrte dann an seinen künstlerischen Ausgangspunkt zurück, die Staatsoperette Dresden. Heute ist er „der letzte Brummer“.

Als Ehrengast des jüngsten DNN-Neujahrsempfangs konnte er es gar nicht fassen, dass die Leser die Brummers unter die Hundert Dresdner des Jahrhunderts gewählt hatten. „Mensch, die Leute haben uns nicht vergessen!“, sagte er gerührt. Und wischte verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25. Februar 2000.

Von ergü

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