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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1985
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13:13 21.11.2018
Schlange stehen am Tag der offenen Tür in der Semperoper im Oktober 1985. Im Februar war die Oper eröffnet worden.
Schlange stehen am Tag der offenen Tür in der Semperoper im Oktober 1985. Im Februar war die Oper eröffnet worden. Quelle: Erwin Döring/ Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater Dresden
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Dresden

Am 6. Januar stirbt der Dresdner Moderator und Conférencier O. F. Weidling.

O. F. Weidling, einer der beliebtesten Conférenciers der DDR, stirbt in Dresden. Unter großer öffentlicher Anteilnahme wird er auf dem Heidefriedhof beigesetzt. Quelle: Klaus Winkler/dpa

Weidling wurde vom Publikum für seine mit bissiger Satire vorgebrachte Kritik an den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der DDR geliebt. Als er am 27. April 1984 vor der Partei- und Staatsführung in Ost-Berlin den neuen Friedrichstadt-Palast als Moderator eröffnete, missfielen dem SED-Wirtschaftslenker Günter Mittag einige von Weidlings Pointen, die gegen ihn gerichtet waren. O. F. Weidling wurde aus dem Fernsehen der DDR verbannt und faktisch mit einem Berufsverbot belegt. Kurze Zeit später stirbt er an den Folgen mehrerer Erkrankungen.

Am 13. Februar wird mit Webers „Freischütz“ unter der Leitung von Intendant Max Gerd Schönfelder die Semperoper eröffnet. Mit dem Werk war das Opernhaus auch am 31. August 1944 geschlossen worden. Unter Leitung von Chefarchitekt Wolfgang Hänsch wurde der Zuschauerraum erweitert und die Wände im Bühnenbereich nach außen versetzt, um dem gestiegenen Platzbedarf des modernen Opernbetriebes gerecht zu werden. Die Anzahl der Sitzplätze wurde auf 1300 verringert. Ansonsten wurde das Gebäude nach Sempers Plänen wiederaufgebaut. Angefügt wurde ein moderner Bau, der als Probebühne, Funktionsgebäude und Sitz der Ver- waltung genutzt wird. Die zentrale Theaterkasse befindet sich in der benachbarten Altstädtischen Hauptwache. Dort stehen die Dresdner Schlange nach Karten.

125 Jahre DNN

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Ebenfalls am 13. Februar wird das Hotel „Bellevue“ am Neustädter Elbufer eröffnet, ein „Devisenhotel“, in dem mit westlicher Währung gebucht werden muss. DDR-Bürgern ist die Übernachtung für gewöhnlich nicht möglich, Ausnahmen bestehen für Promis aus Politik, Sport und Kultur. Im Hotel befinden sich ein Wellness- und ein Kongressbereich sowie mehrere Restaurants, so das „Buri-Buri“, das einzige Restaurant mit polynesischer Küche in Dresden.

Am 20. Februar bricht während einer Nachmittagsvorstellung ein Brand in der Filmbühne Wölfnitz aus. Gäste und Mitarbeiter kommen mit dem Schrecken davon, zwei Feuerwehrleute erleiden Brandverletzungen. Das Dach bricht während des Feuers in sich zusammen. Das Kino wird danach geschlossen und 1988 abgerissen.

Eine der letzten Straßenbahnen die über das Blaue Wunder fährt – im April 1985 wird der Bahnverkehr eingestellt und die Gleise später entfernt. Quelle: Archiv/Hans-J.Glück

Am 8. April rollt die letzte Straßenbahn über das Blaue Wunder. Die Loschwitzer Brücke wird wegen verminderter Tragfähigkeit für den Bahnverkehr gesperrt. Seit der Eröffnung im Juli 1893 waren Straßenbahnen über die Brücke gefahren – zuletzt die Linie 15 nach Loschwitz und die Linie 4 nach Pillnitz. Statt der Bahnen werden nun Busse eingesetzt. Der Verkehr hatte dem Blauen Wunder sehr zugesetzt.

Am 5. Mai findet der 1. Elbe-Friedensmarathon statt. Als Wettkampf-Laufstrecken wird nicht nur die klassische Marathondistanz von 42,195 Kilometer angeboten, sondern auch 20- und 10-Kilometer-Runden.

Am 1. und 2. Juni findet im Clubhaus Coswig die erste „intermedia: Klangbild – Farbklang“ statt. Rund 1000 Gäste besuchen das alternative multimediale Festival. Zwei Tage lang zelebrieren Maler, Filmemacher, Tänzer und Punkbands gemeinsam die kollektive Grenzüberschreitung der staatlich verordneten DDR-Kultur.

Deutschland, Europa und die Welt

11. Januar: Auf der Waldheide bei Heilbronn – ab 1951 von den US-Streitkräften belegt – explodiert die Treibstufe einer Pershing-II-Rakete. Dabei werden drei Menschen getötet.

25. Januar: Der Deutsche Bundestag beschließt einstimmig, dass alle Entscheidungen des Volksgerichtshofs von 1934 bis 1945 nichtig sind.

5. Februar: Nach 16 Jahren wird der Grenzübergang zwischen Spanien und Gibraltar wiedereröffnet.

15. Februar: Ein ungewohnt langer Wettkampf zur Ermittlung eines Schachweltmeisters zwischen Anatoli Karpow und Garri Kasparow wird vom FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes regelwidrig nach 48 Partien abgebrochen. Karpow führt zu diesem Zeitpunkt. Die neu angesetzte WM gewinnt Kasparow im November.

11. März: Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU.

2. Mai: G7-Gipfel in Bonn

5. Mai: US-Präsident Ronald Reagan besucht die Bundesrepublik. Neben dem Besuch des KZ Bergen-Belsen zählte auch auf Wunsch von Bundeskanzler Helmut Kohl die umstrittene Kriegsgräberstätte Bitburg, auf dem auch SS-Angehörige begraben liegen.

29. Mai: In Heysel-Stadion in Brüssel kommt es im Vorfeld des Endspiels des Europapokals der Landesmeister zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin infolge von Fan-Krawallen und einer Massenpanik zur Katastrophe. Durch den Einsturz einer Mauer werden 39 Menschen getötet, 454 verletzt.

6. Juni: Im brasilianischen Embu wird das Grab von Wolfgang Gerhard geöffnet. Die exhumierten Gebeine werden später als jene des gesuchten KZ-Arztes Josef Mengele identifiziert.

11. Juni: Im geteilten Berlin kommt es zum größten Agentenaustausch in der Nachkriegsära. 25 Westspione wechseln auf der Glienicker Brücke gegen vier Ostagenten die Demarkationslinie.

13. Juni: Die sogenannte Auschwitz-Lüge wird in der BRD unter Strafe gestellt. Zudem ist die Herstellung und Verbreitung von Gegenständen mit NS-Kennzeichen verboten sowie die Beleidigung und Verunglimpfung von verstorbenen NS-Opfern.

15. Juni: In Leningrad verübt ein Mann in der Eremitage ein Säure- und Messerattentat auf das Gemälde „Danae“ des Malers Rembrandt van Rijn.

7. Juli: Boris Becker siegt als erster Deutscher und (mit 17 Jahren) jüngster Tennisspieler aller Zeiten beim Grand-Slam-Turnier von Wimbledon.

"Becker-Hecht": Mit 17 Jahren wird Boris Becker der jüngste Wimbledon- Sieger und der erste Deutsche der das renommierte Turnier gewinnt . Quelle: dpa/Schrader

10. Juli: Das Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior“ wird von Agenten des französischen Geheimdiensts im Hafen von Auckland versenkt. Das Schiff wollte zum Mururoa-Atoll in Französisch-Polynesien fahren, um gegen die dort stattfindenden französischen Atomtests zu protestieren.

13. Juli: Mit „Live Aid“ findet das bis dahin größte Benefizkonzert parallel in London und Philadelphia statt. Es wird maßgeblich von dem Musiker Bob Geldof aus Anlass der damals akuten Hungersnot in Äthiopien organisiert. Auf den beiden Bühnen in London und Philadelphia treten über 16 Stunden lang die internationalen Topstars der damaligen Musikszene auf.

13. Juli: In Paris überquert der ukrainische Stabhochspringer Sergej Bubka in einem Hallenwettbewerb als Erster in seiner Sportart die Sechs-Meter-Marke.

29. August: Auf einer Amokfahrt durch mehrere Vororte von Karlsruhe erschießt ein 32-Jähriger fünf ihm unbekannte Personen.

1. September: Die Forscher Jean-Louis Michel und Robert Ballard entdecken das Wrack der „Titanic“.

19. September: Bei einem Erdbeben in Mexico mit der Stärke 8,1 auf der Richterskala werden nach offiziellen Angaben circa 9500 Menschen getötet, nach Angaben der Rettungsmannschaften kostet das Beben rund 35 000 Menschenleben, bis zu 250 000 Menschen werden obdachlos.

2. Oktober: Der Schauspieler Rock Hudson stirbt als einer der ersten Prominenten an den Folgen von AIDS.

21. Oktober: Das Buch „Ganz unten“ von Günter Wallraff erscheint erstmals.

26. Oktober: Aborigines erhalten den australischen Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark mit dem Felsen Uluru (Ayers Rock) zurückübertragen. Sie vereinbaren im Gegenzug mit der Regierung, den Park für 99 Jahre auch dem Tourismus zu öffnen.

27. Oktober: Aus dem Pariser „Musée Marmottan Monet“ werden während der Öffnungszeit von Bewaffneten neun Gemälde des impressionistischen Malers Claude Monet geraubt.

21. November: Auf einer Pressekonferenz wird die endgültig freigegebene Version Windows 1.01 vorgestellt.

27. Dezember: Bei einem Terroranschlag am Flughafen Wien-Schwechat werden drei vor dem Schalter einer israelischen Fluggesellschaft wartende Passagiere von palästinensischen Terroristen getötet und mehr als 30 teils schwer verletzt. Am selben Tag werden bei einem Terroranschlag am Flughafen Rom-Fiumicino 16 Personen getötet und 80 verletzt.

31. Dezember: Großbritannien und Singapur treten aus der UNESCO aus.

Geboren sind unter anderem die Fußballer Christiano Ronaldo, Lukas Podolski und Mario Gómez, die Schauspielerinnen Keira Knightley und Anna Kendrick, die Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg und Lewis Hamilton und Musiker Tim Bendzko.

Gestorben sind 1985 unter anderem der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll, der Regisseur und Schauspieler Orson Welles, der Maler Marc Chagall, die Naturkosmetik-Unternehmerin Gertrud Seltmann-Meentzen, die Schauspieler Michael Redgrave und Wolfgang Kieling, der Fotograf Milton Greene und die Gorilla-Forscherin Dian Fossey.

Von Monika Löffler

19.11.2018
19.11.2018
10.11.2018