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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1914
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14:51 17.03.2018
Der Erlweinspeicher mit seiner Nutzfläche von rund 20 000 Quadratmetern sollte die Lager-Probleme der Dresdner Industrie lösen.    Quelle: Hans-Peter Koch/Nach Postkarte von 1914
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Dresden

 Am 1. April fährt der erste motorisierte Linienbus auf der 4,8 Kilometer langen Strecke von der Nürnberger Straße zum Neustädter Bahnhof. Allerdings werden alle zwölf Fahrzeuge im August für den Ersten Weltkrieg wieder eingezogen.

Der Bau des städtischen Lagerhauses im sogenannten Packhofviertel, nach seinem Erbauer Hans Erlwein „Erlweinspeicher“ genannt, wird beendet. Das Gebäude war in nur 15 Monaten nach dem Baukastenprinzip als Eisenbeton-Skelettbau errichtet worden und bot bei einer Breite von 36 Metern, einer Länge von 76 Metern und einer Höhe von rund 40 Metern eine Nutzfläche von circa 19 800 Quadratmetern. Der Speicher wird als Lagerhaus für Tabak, Gewürze, Wolle und andere Waren benötigt, da es der Dresdner Industrie, vor allem der Zigarettenindustrie, an ausreichenden Lagermöglichkeiten mangelt.

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Am 10. Mai stirbt in Kötzschenbroda Ernst von Schuch, Dirigent und Generalmusikdirektor der Dresdner Oper.

Am 7. Juni wird der Grundstein für den Bau der Heilandskirche in Dresden-Cotta gelegt. Auf Entschluss des Kirchenvorstandes werden die Bauarbeiten im August wegen des 1. Weltkriegs unterbrochen und erst nach elfjähriger Unterbrechung im Jahr 1925 wieder aufgenommen. Die Weihe der Kirche erfolgte am 26. Mai 1927.

Am 9. Oktober stirbt Hans Erlwein bei einem Autounfall bei Rethel in den Ardennen.

Auf dem Weißen Hirsch wird nach einem kompletten Umbau des alten Gebäudes das „Parkhotel-Esplanada“ übergeben. Der moderne Bau verfügt neben Restaurants und einer Bar über einen großen Saal sowie Gästezimmer im Obergeschoss. Regelmäßig finden dort Konzerte, Feste und Theateraufführungen statt. Vor allem die goldenen 20er Jahre bescheren dem Parkhotel viel Prominenz – Gäste sind dort unter anderem Heinz Rühmann, Willy Birgel, Richard Strauß, Paul Linke und Zarah Leander.

125 Jahre DNN

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Der Erste Weltkrieg trifft auch Dresden. Auch wenn die Stadt selbst kein Kriegsschauplatz ist, treffen Tod und Leid nahezu jede Familie. Der Krieg beginnt, wie in vielen anderen Staaten und Städten, mit großer Kriegsbegeisterung. Die Dresdner warten am 1. August vor dem Haus des Dresdner Anzeigers in der Breiten Straße auf die Nachricht vom Mobilmachungsbefehl. Noch wenige Tage vor Kriegsausbruch hatte es in Dresden eine Massendemonstration mit 35 000 Teilnehmern gegen die Kriegsgefahr gegeben.

Bald macht sich in Dresden wie überall in Deutschland Ernüchterung breit, je häufiger Meldungen von Toten und Verwundeten eintreffen. Die Schrecken des Kriegs zeigen sich aber nicht nur an der Front, sondern auch in der Heimat. Die gesamte Wirtschaft wird auf die Belange des Kriegs ausgerichtet. Die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechtert sich im Kriegsverlauf dramatisch und Hunger breitet sich aus.

Deutschland, Europa und die Welt

Am 28. Juni tötet Gavrilo Princip, Mitglied der Geheimorganisation Mlada Bosna, in Sarajevo das Thronfolgerpaar Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie. Das Attentat ist Auslöser für die Julikrise. Österreich-Ungarn stellt drei Wochen nach der Ermordung des Paares ein Ultimatum von 48 Stunden an Serbien. Es enthält umfangreiche Forderungen an den Nachbarstaat. Ihre weitgehende, aber unvollständige Erfüllung löst nach Fristablauf am 28. Juli die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien und damit den Ersten Weltkrieg aus. Im August befinden sich die europäischen Staaten im Kriegszustand, gekämpft wird aber auch im Nahen Osten, Afrika, Ostasien und Ozeanien. Das Leben in Europa wird weitestgehend durch die Kriegshandlungen bestimmt.

Bis zu seinem Ende 1918 fordert der Erste Weltkrieg 17 Millionen Menschenleben. Die instabilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nach dem Krieg mündeten schließlich im Aufstieg des Faschismus in Deutschland und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

15. Mai: Die Kölner Werkbundausstellung, die erste Leistungsschau des von Künstlern, Architekten und Industriellen gegründeten Deutschen Werkbundes, wird durch Henry van de Velde eröffnet. Wegen des Ausbruchs des Weltkriegs wird die von Konrad Adenauer initiierte Ausstellung am 8. August vorzeitig geschlossen.

14. Juni: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hisst beim 16. Olympischen Kongress zum ersten Mal die offizielle Olympiafahne mit den fünf Ringen.

17. Juni: Der Hohenzollernkanal wird von Kaiser Wilhelm II. der Öffentlichkeit zur Nutzung übergeben. Die Schifffahrtsstraße verbindet Havel und Oder.

14. Juli: Der Rhein-Herne-Kanal wird nach acht Jahren Bauzeit für die Schifffahrt freigegeben.

30. Juli: Der Norweger TryggveGran überfliegt als erster Mensch alleine die Nordsee. Er benötigt für seinen Flug von Schottland nach Norwegen bei günstigem Wind rund viereinhalb Stunden.

15. August: Das 200 Passagiere transportierende Paketboot Ancona durchfährt als erstes Wasserfahrzeug den Panamakanal in voller Länge. Offizielle Eröffnungsfeierlichkeiten entfallen wegen des Kriegsausbruchs in Europa.

Die 1912 gegründete International Amateur Athletics Federation (IAAF) gibt die erste Liste der Leichtathletik-Weltrekorde heraus. Da die Federation den Frauensport ablehnt, sind darin nur 95 Männerweltrekorde enthalten.

Geboren werden 1914 unter anderem der tschechische Schriftsteller Bohumil Hrabal, die Schauspieler Lilli Palmer, Louis de Funès und Alec Guinness, DDR-Politiker Willi Stoph und der Anthropologe und Abenteurer Thor Heyerdahl.

Gestorben sind 1914 unter anderem die österreichische Pazifistin und Schriftstellerin Bertha von Suttner, Papst Pius X. und der Maler August Macke.

Von Monika Löffler