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Coronavirus Tickets, Anreise, Hotels: Verbraucher sollten schnellstmöglich stornieren
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16:55 03.03.2020
Über 1000 Betten: Erst am vergangenen Wochenende wurde Leipzigs größter Hotelkomplex mit einem Hyperion sowie H2-Hotel neben dem Hauptbahnhof eröffnet. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Wer bereits Tickets, Bahnfahrscheine, Flüge oder Hotelzimmer für die Leipziger Buchmesse gekauft hat, sollte sich jetzt mit dem Stornieren beeilen. Das empfiehlt Michael Hummel, Referatsleiter Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS), nach der Absage dieser Großveranstaltung. „Nur so können unter Umständen wichtige Fristen eingehalten werden.“

Keine Präzedenzfälle bekannt

Recht einfach sei die Rechtslage aus Sicht der VZS bei den Tickets. „Fällt eine Veranstaltung wegen Absage ersatzlos aus, erstattet die Leipziger Messe die Kosten auf Anforderung“ steht unter Punkt 6.4 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für den Verkauf von Eintrittskarten bei der Leipziger Messe. Die Regelung gelte auch für Tickets aus dem Online-Shop. „Zwar fehlen uns Präzedenzfälle und im Moment auch noch eine exakte Begründung, weshalb die Buchmesse und das Lesefest gestrichen wurden. Als Verbraucherschützer gehen wir aber klar davon aus, dass es sich um eine Absage handelt“, betonte Hummel.

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Absage oder „höhere Gewalt“?

Hintergrund: In Punkt 9.4 der Ticket-AGB findet sich noch ein anderer Passus. „Durch höhere Gewalt, insbesondere Naturereignisse, verursachte Störungen, Verzögerungen und/oder Schäden hat die Leipziger Messe nicht zu vertreten“, heißt es dort. Aus Juristensicht lasse sich darüber streiten, ob eine drohende Gefahr durch den Coronavirus bereits als „höhere Gewalt“ eingestuft werden kann, so der Fachmann. Selbst wenn die Streichung durch das Leipziger Gesundheitsamt nicht nur empfohlen, sondern angeordnet sein sollte, hätte die Messe dagegen theoretisch Widerspruch einlegen können. Das alles sei für die rechtliche Bewertung des Vorgangs wichtig. Deshalb handele es sich aus Sicht der VZS in jedem Fall um eine Absage, bei welcher Verbraucher generell etwas besser gestellt werden als bei „höherer Gewalt“. Die Verbraucherzentrale wisse natürlich auch, dass „der Schutz der Gesundheit ein sehr hohes Gut ist und dass es sehr gewichtige, gut nachvollziehbare Gründe für die Absage gab“, unterstrich Hummel.

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Alle Tickets werden ersetzt

Andreas Knaut, Sprecher der Messe, versicherte auf LVZ-Anfrage, alle Tickets würden erstattet. „Die Details zum Verfahren veröffentlichen wir so bald wie möglich – wahrscheinlich noch am Dienstag – auf unserer Internetseite“, sagte er.

Geld zurück bei Pauschalreisen

Ebenfalls recht eindeutig ist die Rechtslage bei Pauschalreisen – sofern sie gleich mit Eintrittskarten oder einem Hinweis wie „Zur Buchmesse nach Leipzig“ verkauft wurden, erklärte VZS-Fachmann Hummel weiter. Den Preis müssten die Reiseveranstalter laut Gesetz bei einer Absage komplett erstatten. Das gelte auch, wenn für denselben Städtetrip bei einem Internet-Reisevermittler mehrere Leistungen wie Hotel, Mietwagen, Eintrittskarten separat gebucht wurden. Dann greife ebenfalls das Gesetz zum Schutz von Pauschalreisenden, riet er.

Storno-Tarife bei Bahn und Flug

Schwieriger sei die Sache, wenn Tickets für einen Flug oder die Zugfahrt separat gebucht wurden. Dann sollten sich Verbraucher beim Anbieter über die Stornobedingungen informieren – und im Zweifel möglichst schnell stornieren, um Fristen für einen möglichst schadensfreien Verzicht auf die Reise einzuhalten. Wenn das nicht zu 100 Prozent gelingt, könnte erwogen werden, von der Leipziger Messe Schadenersatz zu verlangen. „Wahrscheinlich wird sich die Messe dabei aber sträuben, weil die Kosten sonst unüberschaubar ausufern könnten.“

Anruf im Hotel empfehlt sich

Gleiches gelte für die Herbergen. Wer seinen Aufenthalt für das Leipziger Lesefest direkt in einem Hotel der Region gebucht hat, solle dort schnellstens anrufen und absagen. „In aller Regel – das wissen wir von Absagen anderer Veranstaltungen – zeigen sich die Hoteliers selbst sehr kulant und stornieren kostenlos.“ Schwieriger sei die Lage bei Hotelbuchungen über vom Anbieter unabhängige Internet-Portale. Dort gelten meist wieder unterschiedliche Storno-Fristen – samt der sehr vagen Aussicht, sich den Restbetrag von der Messe erstatten zu lassen.

Bund erwägt generelle Lösung

Nach der Absage der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin am vergangenen Freitag hatten Hotel-Verbände darauf hingewiesen, dass ihre Mitglieder nicht zum Erstatten bereits bezahlter Zimmer verpflichtet seien. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte eine generelle Regelung in Aussicht, ob Aussteller oder andere beteiligte Unternehmen bei Absagen wegen des Coronavirus eine Entschädigung erhalten.

Von Jens Rometsch

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