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Coronavirus So rüstet sich Sachsen für den ersten Corona-Fall
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08:20 28.02.2020
Das Bild zeigt eine undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) (orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt. Quelle: NIAID-RML/dpa
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Leipzig

Im Kampf gegen den weltweit grassierenden Coronavirus geht Sachsen in die Offensive. So will der Freistaat bei Bedarf vorsorglich den Pandemie-Plan in den nächsten Tagen in Kraft setzen. Im Ernstfall sollen damit die Entscheidungen zwischen Gesundheitsministerium, Gesundheitsämtern, Schwerpunkt-Kliniken und Apotheken besser und stringenter koordiniert werden. Das kündigte Ministerpräsident Micheal Kretschmer (CDU) beim politischen Aschermittwoch der Leipziger Union am Mittwochabend an. Es gelte, so der Regierungschef, nicht in Panik zu verfallen, sondern angemessen auf diese Herausforderung zu reagieren. „Sachsen ist gut auf einen möglichen Ausbruch des neuartigen Coronavirus vorbereitet.“

Am Donnerstag sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD), die Situation sei zwar noch unverändert. „Sollte eine Krisensituation mit einer Häufung von Infektionen mit dem Corona-Virus eintreten, greift der sächsische Pandemieplan, der aktualisiert und aktiviert wird“, so die Politikerin.

Notfallpläne und Meldeketten sind bereit

Auch die Bildungseinrichtungen sind sensibilisiert, wollen aber Panik vermeiden. „Wir sind bisher ja noch nicht betroffen, aber wir werden Corona in unseren Schulen natürlich auch nicht verhindern können“, sagte Roman Schulz vom Landesamt für Schule und Bildung. Die Schulen seien ohnehin – unabhängig von Corona – auf verschiedene Situationen vorbereitet. Dafür gebe es bereits Notfallpläne und Meldeketten, die eingehalten werden müssen.

„Falls eine Corona-Erkrankung oder sogar eine Häufung von Infektionsfällen auftritt, entscheiden nicht wir oder die Schulen, sondern die Gesundheitsämter in Abstimmung mit dem Land, welche Maßnahmen zu ergreifen sind“, erläutert Schulz. Dazu gehöre auch, dass Schulen geschlossen werden können.

Das sei auch während der jährlichen Grippewelle nichts Neues, hieß es aus dem Sächsischen Gesundheitsministerium, sondern ein geeignetes Mittel, um eine weitere Ausbreitung der Grippe zu verhindern. Aktuell gebe es keinen Grund für drastische Maßnahmen wie beispielsweise eine Einstellung des ÖPNV. „Über solche wird je nach Anlass nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit entschieden“, hieß es weiter.

Zurückhaltung bei Veranstaltern und Tourismus

Im Neuen Rathaus in Leipzig hängt ein Hinweis mit der Aufschrift: "Stoppt die Verbreitung von Viren und Bakterien!" Quelle: jtv

Ähnliches gilt für die bevorstehende Buchmesse. „Aktuell bestehen für unseren Veranstaltungsbetrieb keine Einschränkungen“, teilte die Leipziger Messe mit. Der Start sei durch den Corona-Ausbruch bislang nicht in Gefahr. „Wir sind uns der Gefahrensituation bewusst und vorbereitet“, sagte dazu auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Stadt befinde sich in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und den betroffenen Institutionen.

Experte: Atemmaske verhindert Ansteckung nicht

Bislang sind in Sachsen noch keine Erkrankungen bestätigt. Die Tests der bisherigen Verdachtsfälle verliefen negativ. Bei den Betroffenen handelte es sich um Menschen aus Meißen, Dresden, Chemnitz und Mittelsachsen, die sich zuvor im Ausland aufgehalten hatten. Das Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitet sich seit Jahreswechsel von China aus. In Europa ist Italien besonders stark von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffen.

Noch immer gibt es Unklarheiten zur Verbreitung und Gefährlichkeit des neuartigen Virus‘. „Man kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass sich der Virus auch über eine Schmierinfektion überträgt“, sagte Professor Uwe Liebert, Leiter der Virologie der Uniklinik Leipzig. Damit ist eine Ansteckung beispielsweise via Türklinken oder Geländer gemeint. Laut Liebert sei deutlich wahrscheinlicher, dass sich das Virus ähnlich wie bei der Grippe über eine Tröpfcheninfektion verbreitet, also zum Beispiel durch Husten oder Niesen.

Und: Eine Atemmaske empfiehlt sich nur bei Menschen, bei denen das Virus bereits diagnostiziert wurde, schätzt der Experte. Denn um sich vor einer Ansteckung zu schützen, reichen normale Masken nicht aus. „Es wären welche nötig, wie wir sie in Krankenhäusern verwenden“, so Liebert. Die gebe es aber nicht einfach so zu kaufen. Wer dennoch eine Maske benutzen will, sollte zudem beachten, dass die Atmung beim längeren Tragen feucht wird -- und Feuchtigkeit begünstigt die Übertragung von Viren.

Lesen Sie auch: Mit dem Mundschutz durch die Stadt – wie reagieren die Leipziger?

Von André Böhmer/Matthias Puppe/Josephine Heinze

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