Mietenfonds zur Rettung der Kultur- und Veranstalterszene in Dresden geplant
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Coronavirus Mietenfonds zur Rettung der Kultur- und Veranstalterszene in Dresden geplant
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10:00 21.05.2020
Musiker bei einem Auftritt in Dresden im Jazzclub Tonne (Archivbild).
Musiker bei einem Auftritt in Dresden im Jazzclub Tonne (Archivbild). Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Die Freie Kultur- und Kunstveranstalterszene in Dresden ist durch die Coronapandemie existenziell bedroht. Ein interfraktionelles Bündnis aus Grünen, Linken und Sozialdemokraten will den Kulturschaffenden mit einem Mietenfonds helfen, die Krise zu überstehen. Auf der Stadtratssitzung am 25. Juni soll über den Vorschlag debattiert werden, den entsprechenden Antrag haben die Verantwortlichen in der vergangenen Woche eingereicht.

„Die Coronakrise droht, einen Kahlschlag in der Dresdner Freien Szene zu bewirken“, sagt Stadtrat Michael Schmelich (Grüne). Laut dem finanzpolitischen Sprecher der Fraktion müsse verantwortungsvolle Stadtpolitik sicherstellen, dass Clubs, Theater und Soziokultur diese schwere Krise überleben können. Jetzt zu helfen sei besser, als später die Scherben zusammenzufegen.

Kernanliegen des Antrages ist ein „Mietenfonds für die freie Kultur- und Kunstveranstalterszene“ in Höhe von insgesamt 500.000 Euro. Musikveranstalter, kleine Theater, soziokulturelle Einrichtungen, Clubs und Kleinkunstbühnen sollen bis zu drei Monate ab Juli 2020 Miete, Pacht- oder vergleichbare Verpflichtungen durch die Landeshauptstadt gefördert bekommen.

Spielbetrieb erfordert weitreichende Planung

Die Branche war einer der ersten, die nicht mehr wirtschaftlich tätig sein durfte – und ist wahrscheinlich die letzte, die ihr Geschäft wiederaufnehmen kann, heißt es in dem Antrag. Selbst wenn die Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung nicht mehr notwendig seien, erfordert die Wiederaufnahme des Spielbetriebs Vorbereitung: So müssen die Veranstalter etwa Termine buchen und Ankündigungen veröffentlichen.

Förderberechtigt sollen jene sein, die unter einer Million Euro Jahresumsatz liegen, von den momentanen Veranstaltungseinschränkungen betroffen sind, vergangenes Jahr mindestens 24 Kulturveranstaltungen organisierten und keine sonstige Kompensation der Miete durch Hilfsprogramme erhalten.

Dazu Richard Kaniewski, kulturpolitischer Sprecher der SPD: „Clubszene und Soziokultur sind ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft. Dieses Verständnis muss sich endlich durchsetzen.“ Aus diesem Grund müsse diesen Akteuren unter die Arme gegriffen werden. „Unser Antrag will genau das: schnelle Hilfe für diejenigen, die bisher keine solide Corona-Unterstützung erhalten konnten.“

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Wenige Besucher, wenig rentabel

Einer der Betroffenen ist Steffen Wilde. Er betreibt den Jazzclub Tonne, kann wahrscheinlich bis zum Sommer keine Konzerte im gewohnten Umfang veranstalten. Ein Hygienekonzept unter den momentanen Gegebenheiten würde dem Betreiber und seinem Team viel zu wenige Besucher erlauben. „Das finanzierbar zu machen, wird ganz schwierig“, sagt Wilde.

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Da die Spielstätte durch die Stadt bereits institutionelle Förderung erhält, konnte Wilde die bisherigen Hilfsangebote nicht in Anspruch nehmen. „Voraussetzung für alle Soforthilfen und Rettungsschirme, die bisher aufgemacht worden sind, ist ein Liquiditätsengpass in den nächsten drei Monaten“, so Wilde. Das treffe für den Jazzclub nicht zu. Allerdings: Wenn sich die Situation hinziehe und nicht normal veranstaltet werden könne, sei ein solcher Engpass absehbar. „Das ist der Punkt, wo wir aufgefangen werden müssten, mit Hilfen, die auf die Zukunft angelegt sind.“

Clubbetrieb trotz Einschränkungen

Andere Dresdner Clubbetreiber überlegen derzeit, wie sie ihren Betrieb trotz Corona-bedingter Veranstaltungseinschränkungen reaktivieren können: Die Lockerungen seien noch relativ frisch und erfordern daher Interpretation, inwieweit diese auf die jeweiligen Rahmenbedingungen der Clubs anwendbar seien, sagt Felix Buchta, Vorstand im Klubnetz Dresden sowie Mitglied des Clubkollektiv vom objekt klein a (oka) im Industriegebiet.

Laut Buchta kann sich das Kollektiv vorstellen, den Außenbereich des oka wieder zu nutzen. Ein „Biergarten-Format“ stehe im Raum, wobei sich über den Begriff streiten ließe. Dies sei aber nur möglich, wenn alle Beschäftigten das zusätzlich ehrenamtlich stemmen.

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Von Felix Franke