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Coronavirus Dresdner Apotheker: „Engpass bei Desinfektionsmitteln nur kurzzeitiges Stottern“
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17:19 05.03.2020
Für den Kampf gegen das neue Coronavirus sollen Apotheken Mittel zur Händedesinfektion mit Industriealkohol herstellen können. Quelle: dpa
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Dresden

Für den Kampf gegen das neue Coronavirus sollen Apotheken Mittel zur Händedesinfektion mit Industriealkohol herstellen können. Diese Ausnahmeregelung hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin mit dem Bundesumweltministerium beschlossen. Grund: Desinfektionsmittel sind gerade Mangelware und das Virus ist „alkoholsensibel“. Rolf Leonhardt, Besitzer der Dresdner Kronen-Apotheke sagte im DNN-Interview, er halte den Engpass für eine vorübergehende Erscheinung.

Frage: Herr Leonhardt, können Sie das noch: Desinfektionsmittel herstellen?

Ehe das in die Hände der Industrie ging, lief die Desinfektionsmittelherstellung immer über Apotheken – eine banale Angelegenheit.

Haben Sie schon Anfragen von Arztpraxen oder anderen Einrichtungen?

Ja, ganz vorsichtige. Die meisten sind noch versorgt, ahnen aber in Kürze Engpässe und wollen sichergehen. Sollte sich der Mangel nicht in Kürze erledigen, werden wir selbstverständlich mit der Herstellung beginnen.

Was braucht es dazu?

In der Regel werden Ethanol oder Isopropanol zu einer 70-prozentigen Lösung verdünnt, weil sie in dieser Mischung besser gegen Viren wirken. Für die Hautverträglichkeit kommt noch etwas Glycerol hinzu und gegen Bakterien etwas Wasserstoffperoxid. Das ist es dann im Grunde.

Wer gibt die Rezeptur vor?

Das sind von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Rezepturen. Und inzwischen haben die Apothekerverbände sich auch auf Flaschenform, Etikett und Arbeitsschutzvorgaben bei der Herstellung geeinigt.

Haben Sie denn die Grundstoffe da?

Kleine Mengen schon, aber um im größeren Umfang in die Herstellung einzusteigen nicht. Mein Großhändler musste mich für ein paar Tage vertrösten. Nachdem ich einen Isopropanol-Hersteller in Baden-Württemberg kontaktiert hab, glaube ich auch, dass das klappt. Die fahren jetzt die Produktion hoch. Ich halte das nur für ein kurzzeitiges Stottern. Anders als beim Mundschutz, der tatsächlich unbeschaffbar fehlt.

Reden Sie über Preise?

Da das kein Arzneimittel ist, kann ich dafür nehmen, was ich will. Doch ich werde mich an der Taxe zur Herstellung von Arzneimitteln orientieren – das ist dann für jeden nachvollziehbar. Überteuert muss niemand einkaufen.

Empfehlen Sie als Apotheker Händedesinfektion auch für den Hausgebrauch?

Ich halte es da mit den Fachleuten vom Robert-Koch-Institut: Wenn sich alle an die Husten- und Niesetikette halten, sich öfter als sonst die Hände waschen und wenn Infizierte ein bis zwei Meter Abstand von andern halten, sollten wir bei der Vorsorge auf der sicheren Seite sein. Händedesinfektion braucht es nur, wenn kein Waschbecken in der Nähe ist.

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Von Barbara Stock

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