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Coronavirus Sachsens MP Kretschmer zur Visite auf der Corona-Station im Klinikum Dresden
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Dresden: Sachsens MP Kretschmer zur Visite auf der Corona-Station im Städtischen Klinikum

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17:19 18.01.2021
Michael Kretschmer (CDU, M), Ministerpräsident von Sachsen, steht im Vollschutzanzug auf der Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden vor einem Patientenzimmer. Anlass des Besuches war der Austausch mit Klinikführung und Mitarbeitern aus Medizin und Pflege in Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Klinikalltag.
Michael Kretschmer (CDU, M), Ministerpräsident von Sachsen, steht im Vollschutzanzug auf der Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden vor einem Patientenzimmer. Anlass des Besuches war der Austausch mit Klinikführung und Mitarbeitern aus Medizin und Pflege in Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Klinikalltag. Quelle: dpa-Zentralbild
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Dresden

Konsequent durchsetzen statt immer weiter verschärfen: Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) will in der Corona-Pandemie Maß halten und setzt erst einmal auf die Umsetzung all der Einschränkungen, die Sachsen als größter Hotspot der Pandemie Mitte Dezember beschlossen hat. Damals sorgten Bilder übervoller Krematorien für Unruhe. Manchen ist vielleicht erst damals klar geworden, was eine Pandemie bedeuten kann.

Kretschmer hält nun eine Verlängerung des Lockdowns im Freistaat bis 14. Februar für denkbar. Nach einem Besuch im Städtischen Klinikum Dresden sprach er sich am Montag erneut für einen Stufenplan bis Ostern aus. „Wir müssen in Sachsen - glaube ich - nicht viel nachschärfen. Wir müssen nur das, was wir uns vorgenommen haben, konsequent umsetzen.“ Dann werde man auch niedrigere Zahlen erzielen.

161 Menschen im Städtischen Klinikum verstorben

Als Kretschmer am Montag nach zweistündiger Visite im Klinikum Dresden die Covid-19-Intensivstation verließ, wirkte er nachdenklich. Er habe sehen können, welch furchtbaren Verlauf diese Krankheit nehmen könne, aber auch den Lebenswillen Betroffener gespürt, sagte er. Kretschmer dankte Ärzten, Schwestern und Pflegern für unermüdlichen Einsatz. Um im Schutzanzug auf Station zu dürfen, hatte er einen Corona-Schnelltest gemacht.

Marcus Polle, Kaufmännischer Direktor des Klinikums, machte die Dramatik der Pandemie anhand von Zahlen deutlich. 1473 Covid-19-Patienten hat das Klinikum bisher betreut, 308 davon lagen auf der Intensivstation, 161 Menschen starben. Verglichen mit dem Frühjahr 2020 gebe es in der zweiten Welle jetzt etwa das Doppelte an Patienten, aber das sieben- bis achtfache an Todesfällen.

Intensivmedizinisches Personal fehlt

Corona sei nicht nur ein Thema Älterer, sagte Polle: „Auch junge Menschen müssen sich ernsthaft damit befassen.“ Tobias Lohmann, stellvertretender Medizinischer Direktor, stellte einen anderen Trend vor. In der ersten Welle habe die Sterblichkeit der Patienten, die beatmet werden mussten, bei 40 Prozent gelegen. Inzwischen sei die Zahl auf ein Viertel gesunken. Von 55 Intensivbetten im Klinikum seien 35 ständig für Covid-19-Patienten reserviert.

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Allerdings fehlt auch in Dresden intensivmedizinisches Personal. Ohnehin sind die Mitarbeiter oft selbst betroffen. Zwölf Prozent der Mitarbeiter im Städtischen Klinikum Dresden wurden seit 1. Oktober positiv auf das Virus getetest, berichtete Polle und sprach von einer extrem angespannten Situation. Derzeit fielen 130 bis 140 Mitarbeiter aus. Die hohe Zahl sei auch Folge intensiven Testens. Jede Woche werde hier 4500 Mal getestet, Infizierte sofort in Quarantäne geschickt.

Mehr Transparenz erwünscht

Kretschmer, der in Begleitung von Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erschienen war, fragte immer wieder nach und räumte auch Fehler ein -- etwa, dass man die besonders betroffenen Pflegeheime im Herbst nicht schon eher dicht gemacht habe: „Wir werden nicht immer alles richtig machen, aber wir müssen das Bestmögliche machen“, zog Kretschmer ein Fazit seines Besuches.

Mark Frank, Ärztlicher Leiter der Notfallmedizin und Covid-19- Koordinator des Klinikums, wünschte mehr Transparenz bei Entscheidungen und eine Berichterstattung, die keinen „chaotischen Eindruck“ hinterlässt. Das sorge bei den Bürgern für Verunsicherung. Möglicherweise hätte eine bessere Information vor Beginn der zweiten Welle das Verständnis für die Maßnahmen erhöht.

Niemand könne das Wort Corona mehr hören

Nach den Worten des Medizinischen Direktors Harald Schmalenberg fehlt in der Bevölkerung das Bewusstsein, dass Krankenhäuser derzeit am Limit arbeiten. Die Menschen seien eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau gewöhnt. Durch Covid-19 sei das aber in Gefahr.

Kretschmer sieht bei der Krise auch eine psychologische Komponente: „Wir sind in einer Phase der Ermüdung“. Niemand könne das Wort Corona mehr hören. Deswegen würden die Nerven blank liegen. Wohl auch deshalb formulierte er am Montag eine Botschaft so: „Nerven bewahren, standfest bleiben. Wir sind schlau genug, um den Weg zu finden aus dieser schwierigen Situation.“

Von Jörg Schurig, dpa