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Langjähriger Dresdner Schulleiter und Jesuitenpater Pflüger gestorben

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21:52 20.06.2021
Pater Frido Pflüger
Pater Frido Pflüger Quelle: Archiv/Dietrich Flechtner
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Dresden

Der langjährige Schulleiter des Benno-Gymnasiums, Pater Frido Pflüger, ist tot. Der 74-Jährige starb in der Nacht zum Sonntag in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, an Corona. Das teilte der Jesuiten-Orden in München mit. Die Beerdigung soll in Abstimmung mit den Behörden in Kampala erfolgen, hieß es.

„Es drängt mich, ein Zeichen der Verbundenheit zu senden; denn Frido war für uns immer ein sehr beeindruckender Mensch und wir können und dürfen froh sein, wo und wie er die Sorge um den Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt hat“, erklärte Jörg Dantscher, stellvertretender Missionsprokurator in der Jesuitenmission und Oberer der Kommunität in Nürnberg, zum Tode seines Mitbruders Frido Pflüger.

Von St. Blasien nach Dresden

Der am 18. Februar 1947 in Albbruck im Landkreis Waldshut (Baden-Württemberg) geboren Pflüger war nach dem Abitur in den Jesuitenorden eingetreten. Er studierte Philosophie und Theologie in Pullach, Innsbruck und Tübingen. Von 1971 bis 1973 war er Erzieher und Mathematiklehrer am Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. Am 2. Oktober 1976 wurde er in München zum Priester geweiht. Von 1975 bis 1981 absolvierte er in Tübingen ein Zweitstudium der Mathematik und Physik und war anschließend Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Jesuitenkolleg in St. Blasien.

Nach der deutschen Wiedervereinigung half er beim Wiederaufbau des katholischen St. Benno-Gymnasiums in Dresden, dessen Schulleiter er von 1994 bis 2003 war. Dann zog es ihn zu einer neuen Aufgabe. „Nun, ich bin ein überzeugter Verfechter der zeitlich begrenzten Leitungstätigkeit“, sagte er seinerzeit gegenüber den DNN. „Ich denke, neun Jahre Schulleiter sind genug. Länger zu bleiben, wäre weder für das Gymnasium noch für mich selbst gut gewesen.“ Seine Aufgabe, die Schule aufzubauen, habe er erfüllt. Damit werde es Zeit, wieder aufzubrechen. Uganda reizte ihn sehr. „Nachdem ich viele Jahre an Schulen im Wohlstand gelebt habe, möchte ich etwas für jene am anderen Ende der Skala tun.“

Flüchtlingsdrama in Norduganda

Von 2003 bis 2006 ging er für den Jesuitenflüchtlingsdienst JRS nach Adjumani, Norduganda, wo damals 100.000 Flüchtlinge aus dem Südsudan gestrandet waren. Von 2006 bis 2008 war er Delegat des deutschen Provinzials für ignatianische Pädagogik. Danach ging er nach Nairobi/Kenia und leitete von 2008 bis 2012 als Regionaldirektor den Jesuitenflüchtlingsdienst Ostafrika. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er von 2012 bis 2018 Leiter des JRS Deutschland in Berlin. 2018 ging er wieder zurück nach Afrika und arbeitete als Country Director für den JRS in Uganda.

Diese Zeit sei für ihn aufgrund der Corona-Pandemie in den vergangenen eineinhalb Jahren eine besondere Herausforderung gewesen, teilte der Jesuitenorden am Sonntag mit. Pflügers Rückkehr nach Deutschland sei für den 18. Juli geplant gewesen, wegen seiner Covid-19-Erkrankung habe er jedoch am 15. Juni in ein Krankenhaus in Kampala eingeliefert werden müssen. „Nun hat ihn der Herr am heutigen Weltflüchtlingstag in die ewige Heimat gerufen“, hieß es aus dem Orden.

Pflüger ging es immer um den Menschen

Es sei nicht schwerpunktmäßig der Lernstoff gewesen, den er vermitteln wollte, obwohl er in St. Blasien wie in Dresden eben auch ein fachlich sehr kompetenter Lehrer gewesen sei, sagte Dantscher. Aus Pflügers Augen sei eigentlich immer abzulesen gewesen, dass er vor allem an den Menschen, wie sie ihm gegenüber standen, interessiert war.

Dantscher: „Ich habe immer bewundert, dass er neben seiner Leidenschaft – und die hatte er, etwa in Urteilen über Strukturen, über die Not von Menschen und unser Versagen als reiche Welt gegenüber den armen Ländern und vor allem gegenüber den armen Menschen – eben auch erkennen ließ, mit einladendem Lächeln oder einem Erstaunen und Werben auf dem Gesicht, dass wir nicht damit zufrieden sein dürfen, wie es ist…“

Pionierleistung in Ostdeutschland

Pflügers Tätigkeit in Dresden bezeichnete Dantscher als „einen Weinberg seiner schulischen Arbeit, die eine vorbildliche Pionierleistung im Osten Deutschlands darstellte“. Sein Herz sei, bevor er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurückkehren sollte, in Uganda geblieben.

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 Sein Atem habe diese Rückkehr nicht mehr gewollt. „Wir hätten uns zwar gefreut, aber er wird uns aus einer neuen Perspektive anlächeln und sagen: Macht selbst was aus Eurem Leben und der Bergpredigt“, erklärte Dantscher. Die Dankbarkeit für Pflügers Art, sein Wirken, für seine Botschaft und seine Leidenschaft werde die Trauer um ihn verwandeln.

Von Ingolf Pleil