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Coronavirus Die stillen Macher: Corona-Test-Labore im Dauereinsatz
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11:30 03.04.2020
Proben für Corona-Tests werden im Diagnosticum-Labor in Plauen aufbereitet. Das Labor ist die zentrale Prüfstelle der in Neukirchen bei Chemnitz ansässigen Arztpraxis Diagnosticum. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/
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Neukirchen/Plauen

Es geht ruhig zu in den Laborräumen der Praxis Diagnosticum in Plauen. Von Hektik in den Tagen der Corona-Krise ist nichts zu spüren. Und doch: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier im Dauereinsatz. Das Labor in Plauen ist die zentrale Prüfstelle der in Neukirchen bei Chemnitz ansässigen Arztpraxis. Hier werden alle Tests zur Abklärung von Infektionskrankheiten nach der PCR-Methode - der sogenannten Polymerase-Ketten-Reaktion - durchgeführt.

Seit Wochen gehören dazu auch die Tests auf Sars-CoV-2, das neuartige Coronavirus. „Wir haben unser Test-Personal in Plauen auf 20 vervierfacht, wir arbeiten jetzt im Drei-Schichtsystem, 24 Stunden, sieben Tage“, sagt Christian Scholz, geschäftsführender Gesellschafter von Diagnosticum.

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Lieferung von Arbeitsmaterial stockt

Die Neukirchener Praxis mit dem Labor in Plauen ist eine von 97 in Deutschland, die derzeit Corona-Tests auswertet. Von den rund 300.000 wöchentlichen Tests in Deutschland werden in Plauen etwa 9100 untersucht. „Dazu haben wir unser Platzangebot vergrößert und die Zahl der Geräte aufgestockt. Wir untersuchen Proben aus Sachsen, Nord-Bayern und Sachsen-Anhalt. Anfragen gibt es jetzt auch aus Thüringen“, sagt Scholz. Der 38-jährige promovierte Facharzt für Laboratoriumsmedizin glaubt, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus noch bis zu 2200 Proben mehr am Tag machen könnten, gäbe es nicht ganz andere Probleme.

Die liegen bei der Lieferung von Arbeitsmaterialien. „Die Wirtschaft kommt mit der Produktion von Reagenzien nicht nach. Wir haben fünf Zulieferer und bekommen mehrfach wöchentlich Nachschub. Aber auch damit kommen wir nicht immer hin“, sagt Scholz. Auch Abstrichmaterialien sind derzeit nicht immer ausreichend vorhanden. Ein Großproduzent hat seinen Sitz in Norditalien, wo die Corona-Krise besonders deutlich zu spüren ist.

Tests von besonders gefährdeten Personen zuerst

Innerhalb von 24 Stunden können Prüfergebnisse vorliegen. Doch es geht nach Dringlichkeit. „Vorhandene Testkapazitäten gilt es für medizinisches Personal, Sicherheitsorgane und weitere besonders gefährdete Personen, wie Hochrisikogruppen unter den Patienten und Patientinnen, zu sichern“, empfiehlt der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Deshalb kann es laut Scholz durchaus auch eine Woche dauern, bis ein Patient mit Symptonen aber ohne schwere Erkrankung sein Testergebnis erhält.

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Sein Personal sei hochmotiviert und ziehe komplett mit. „Wir können noch lange durchhalten. Dafür gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein großes Lob“, sagt Scholz. Dennoch drohen der Praxis wirtschaftliche Probleme, sollte die Krise noch lange anhalten. Denn die Zahl aller übrigen medizinischen Proben, die Diagnosticum nach wie vor auswertet, ist spürbar zurückgegangen. Sie stehen aber für den Haupterwerb. Die 1300 Corona-Tests sind bei insgesamt 20 000 Proben pro Tag nur ein kleiner Teil. Dazu kommt, dass die PCR-Tests deutlich aufwendiger sind als Routine-Tests.

Labore stehen bei Schutzkleidung hinten

Auch deshalb wünschen sich die im Dachverband „Akkreditierte Labore in der Medizin“ (ALM) zuammengeschlossenen Praxen derzeit bessere Absprachen sowie planbare Aussagen von Gesundheitsämtern und Kommunen zur Zahl der angelieferten Corona-Proben. Dann könne Personal effektiver eingesetzt werden. Denn auch für die Routine-Tests müssen genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Zudem stünden Labore bei der Belieferung von Schutzkleidung häufig hinten an. „Vor allem aber: Keine Versprechen, die nicht eingehalten werden können. Neue Testmethoden und effektivere Gerätschaften sind gut, wenn aber die Reagenzien fehlen, nützen sie auch nichts“, warnt Scholz.

Von RND/dpa