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Coronavirus Corona-Verdachtsfall in Görlitz – Arzt empört über Konzeptlosigkeit
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17:15 28.02.2020
Am Mittag konnten die Patienten, die zuvor stundenlang in der Praxis ausharren mussten, nach Hause gehen. Quelle: Lausitznews.de/ Jens Kaczmarek
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Görlitz/Dresden

In Görlitz ist ein Corona-Verdachtsfall aufgetreten. Eine Patientin kam mit Fieber und Husten in die Praxis des Allgemeinmediziners Dr. Konstantinos Georgiou, der sie in Vertretung behandelte. Der Arzt nahm einen Rachenabstrich bei der Frau, der nun untersucht wird. Das Ergebnis wird am Sonnabend erwartet.

„Das ist der Hammer!“

Schwierig wurde es, als Georgiou versuchte, den Verdachtsfall beim zuständigen Gesundheitsamt in Görlitz zu melden. Dort sei trotz ausdauernder Anrufversuche niemand ans Telefon gegangen, berichtet der Mediziner empört. Also mussten alle Anwesenden zunächst in der Praxis ausharren. In seiner Verzweiflung kontaktierte Georgiou die Kassenärztliche Vereinigung, die ihm riet, im Dresdner Gesundheitsamt anzurufen. Dort verwies man ihn ans sächsische Gesundheitsministerium. Das wiederum schaffte es, dass eine Mitarbeiterin des Görlitzer Gesundheitsamtes am Mittag in der Praxis anrief. Auf die Frage nach dem weiteren Vorgehen habe ihm die Frau gesagt, dass die Patientin nach Hause gehen solle, schildert der Arzt empört. Ein Krankenwagen sei nicht geschickt worden. Die Fassungslosigkeit ist Dr. Georgiou deutlich anzuhören: „Sie hätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren sollen!“ Zum Glück habe die Frau ihr eigenes Auto dabeigehabt.

Arzt fühlt sich im Stich gelassen

Auch seine Praxis müsse der Mediziner nicht schließen, beruhigte ihn das Amt. Georgiou kann das nicht verstehen: „Ich finde das inkonsequent, verglichen mit den drakonischen Maßnahmen in anderen Städten und Ländern“, schimpft er. Er fühle sich im Stich gelassen, erhalte keine Antwort auf seine Fragen. „Was soll ich denn nun tun? Die Praxis schließen, mit Verdienstausfall?“

„Das Konzept muss wasserdicht sein!“

Erschwerend komme hinzu, dass die Patientin nicht wie empfohlen vorher in der Praxis angerufen und ihren Verdacht geäußert habe. Auch an der Rezeption habe sie nichts gesagt, erst im Sprechzimmer die Symptome geschildert. Deshalb saß die Frau also etwa eine Stunde lang mit vier weiteren Patienten im Wartezimmer. Darauf müsse man vorbereitet sein, meint Georgiou: „Wir können die Leichtsinnigkeit nicht ausschließen, aber das System muss funktionieren!“

Bereits am Donnerstag habe er einen Anruf von einem Mann erhalten, der sich in der Praxis vorstellen wollte. Im Krankenhaus war er wieder nach Hause geschickt worden. „Es muss ein wasserdichtes Konzept geben“, findet der Arzt. „Aber das fragmentarische Konzept, das es gibt, funktioniert nicht!“

Nun wartet Konstantinos Georgiou auf das Testergebnis des Rachenabstrichs. Auf jeden Fall werde er die anderen Patienten darüber informieren. Aber ein negativer Test sei kein sicherer Beleg dafür, dass kein Virus vorliege, sagt er. Fehler könnten immer auftreten.

Das Görlitzer Gesundheitsamt war für Nachfragen am Freitag nicht erreichbar.

Empfehlungen für Menschen mit Infektions-Verdacht

Grundsätzlich empfehlen die Behörden, sich nicht unangemeldet zu einem Arzt oder in eine Notaufnahme zu begeben. Patienten, die den Verdacht hegen, sich infiziert zu haben, sollen sich vorher telefonisch bei der jeweiligen medizinischen Einrichtung melden.

Ein begründeter Verdacht besteht laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei Personen, die Symptome (von leichter Erkältung bis Lungenentzündung) zeigen und innerhalb der vergangenen 14 Tage Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten oder im Risikogebiet gewesen sind.

In diesem Fall muss der Patient zunächst mit Mund-Nasen-Maske in einem separaten Raum isoliert und in Schutzkleidung untersucht werden. Außerdem muss der Verdachtsfall dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden, so die RKI-Richtlinie.

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