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Coronavirus Bremst Corona nun auch die Kultur in Dresden?
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11:18 04.03.2020
Mit Mundschutz in die Oper? So weit ist es in Dresden noch nicht (Symbolfoto). Quelle: Fabian Strauch/dpa
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Dresden/Leipzig

Das wohl berühmteste Opernhaus der Welt, das Teatro alla Scala in Mailand, ist derzeit geschlossen. Auch La Fenice in Venedig hat einige Vorstellungen gecancelt. Italien macht ernst mit der Sorge um die Verbreitung des Corona-Virus. Deutschland spielt weiter – noch.

Zeitgleich zur Absage der Leipziger Buchmesse wurde am Dienstag das Programm der Semperoper präsentiert. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch wer vermag im Moment abzusehen, welche Folgen die Verbreitung von Covid-19 im Kulturbetrieb hat? Denn der ist im Zeitalter des Jetset natürlich global. Ohne Gastspiele und internationale Tourneen geht gar nichts. Nur würde im Moment wohl niemand nach China reisen. Im vergangenen Herbst war das noch anders, da gastierte Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern just in Wuhan.

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Heute blickt er erleichtert zurück: „Ja, ich war in Wuhan, Oktober, November vergangenes Jahr. Da war nichts, wir sind alle gut zurückgekommen. Was inzwischen passiert ist, damit hat kein Mensch gerechnet.“

Er plane derzeit allerdings keine Überseeflüge und sei überhaupt „ziemlich gelassen“, wie er auch seinem Umfeld Gelassenheit und ein wenig mehr Vorsicht empfiehlt: „Wir sprühen regelmäßig die Türklinken mit Sagrotan-Spray ein. Natürlich achtet man jetzt noch mehr auf Hygiene und Sauberkeit.“

„Die Behörden sind wachsam, wir haben auch Vorkehrungen getroffen“

Zur Premiere von Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ am vergangenen Wochenende war die Semperoper ausverkauft, da tummelte sich ein gewohnt internationales Publikum. Mittendrin als Hausherr der Intendant Peter Theiler. Auch er hält überhaupt nichts von Panik: „Ich glaube, die Behörden sind wachsam, wir haben auch hier Vorkehrungen getroffen, überall stehen zusätzlich Boxen für die Handreinigung. Damit setzen wir das um, was man uns empfiehlt, mehr können wir im Moment nicht tun.“

Dennoch ist ihm die besondere Situation bewusst, und auch, dass sie sich rasch ändern kann. „Also normal ist im Moment überhaupt nichts. Wir leben risikobewusst. Aber wenn man das Bewusstsein hat, kann man auch Vorsichtsmaßnahmen treffen. Solange die Behörden keine Auflagen geben, werden wir weiter handeln, wie wir das tun. Und natürlich verfolgen, wie sich das in den nächsten Tagen und Wochen entwickelt.“

Auch Regisseur Valentin Schwarz, der an der Dresdner Staatsoperette soeben Offenbachs „Banditen“ inszeniert hat, setzt auf Behörden und persönliche Umsicht. Er bleibe „gechillt“ und sei der Meinung, „Gesundheitshinweise haben für jede Grippewelle ihre Berechtigung. Das lässt sich durch einfachste Maßnahmen und hygienische Selbstvorsorge beherrschen.“

„Wir sollten uns verhalten wie bei jeder Influenza“

Allerdings wird der junge Regisseur schon bald in Bayreuth arbeiten und zu den diesjährigen Festspielen Wagners „Ring“ inszenieren. An einem Ort, wo es nun wirklich sehr international zugeht. Doch das ficht ihn nicht an: „Ich habe gar nicht den Raum in meinem Kopf, mich damit zu beschäftigen. Ich denke, mit allen Ängsten, wer könnte jetzt erkranken, könnte ich selber erkranken, würde man sich nur selber schaden.“

So ähnlich denkt man offenbar auch im Dresdner Premierenpublikum, das sich sehr zahlreich zu den beiden Offenbach-Abenden eingefunden hat. Eine Ärztin meinte, die Sorge, in Dresden krank zu werden, sei im Moment unberechtigt. „Wir sollten nichts Kurzschlüssiges machen. Aber die Situation kann sich auch ändern.“ Sie plädierte für Sachlichkeit und einen bewussteren Umgang miteinander: „Die Corona-Infektion ist eine Tröpfcheninfektion, wir sollten das Kuscheln, das Umarmen, Herzen und Drücken meiden, in Räumen, wo viele Menschen sind, unbedingt die Hände desinfizieren. Das werden wir lernen, mehr ist im Moment nicht nötig. Schon gar keine Hamsterkäufe!“

Sie blickt aber auch über den Tellerrand und weiß um die geschlossenen Theater Italiens. Dort sei die Infektionswahrscheinlichkeit größer als hier. Doch wäre es keine Strategie, sich jetzt zurückziehen. „Wir sollten uns verhalten wie bei jeder Influenza, da würden wir das auch nicht machen.

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