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13. Februar Satireaktion: Polizeiklasse erklärt Dresden zum „Weltmeister des Gedenkens“
Thema Specials 13. Februar Satireaktion: Polizeiklasse erklärt Dresden zum „Weltmeister des Gedenkens“
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19:11 13.02.2020
Satireaktion auf Neumarkt: Dresden ist „Weltmeister des Gedenkens“. Quelle: Uwe Hofmann
Dresden

Die Gruppe Polizeiklasse hat mit einer Satireaktion auf dem Dresdner Neumarkt das Gedenken zum 13. Februar kritisiert. Mit ernstem Gesicht hat eine Angehörige der von Studenten der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) gebildeten Gruppe Dresden als Vertreterin einer angeblichen „Ünesco-Stiftung“ zum „Weltmeister des Gedenkens“ erklärt.

Wenig später wurde eine nach dem Obelisken in Nickern gestaltete Plastik auf dem Neumarkt enthüllt. „Wir haben sehr gut gedacht“ steht darauf. Der goldfarbene Obelisk sei ein Geschenk an die Stadt und solle an Ort und Stelle stehen bleiben, wenn diese das wolle, erklärte die angebliche Stiftungs-Sprecherin gegenüber DNN.

Die „Ünesco-Stiftung“ habe den Preis ins Leben gerufen, „um Deutschlands intensive Auseinandersetzung mit Kriegsverbrechen auszuzeichnen“, hatte die Sprecherin vorher gesagt. Es gebe keine Stadt, die diese Auszeichnung mehr verdient habe als Dresden. Kaum eine Stadt habe „sich so sehr bemüht, das eigene Leid lebendig zu halten.“ So habe schon NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zwei Tage nach der Bombardierung Dresdens die „Zerstörung des ,europäischen Juwels’ öffentlich angeklagt.“ Schon vor der Stunde Null habe das Gedenken in Dresden begonnen. „Und das ist keiner einer anderen Stadt gelungen.“

Während der Einweihung des Obelisken. Quelle: Dietrich Flechtner

„Gedenken first, Bedenken second“

Zum Vorbild, den häufig von Rechten und Rechtsextremen für Gedenkveranstaltungen genutzten Obelisken in Nickern, sagte die angebliche „Ünesco-Sprecherin“: „Kein Denkmal manifestiert die Gedenktradition des 13. Februars so stark wie der Obelisk in Nickern.“ Sein vergoldeter Nachbau auf dem Neumarkt solle „noch größer, noch schöner“ daran erinnern, „wer Weltmeister des Gedenkens ist“. Um dann mit einem bissigen Motto zu schließen: „Gedenken first, Bedenken second.“

Eine angebliche Vertreterin der Stadt, die ebenfalls zur Polizeiklasse gehörte, akzeptierte dann die Gabe. Anschließend kam sie sofort mit Umstehenden ins Gespräch. Eine Frau wollte wissen, aus welchem Material der Obelisk sei und ob er jetzt einfach so auf dem Neumarkt stehen bleiben könne. Ein Herr mischte sich ein und sagte, dass es auch mal genug sei „mit dem Herumopfern“. Vielen ging nicht auf, dass es sich um eine Satireaktion handelte.

Kritik an Opfermythos Dresdens

Vielleicht ist das aus Sicht der Polizeiklasse ein Erfolg der Aktion. Sie kritisiert, wie viele vor allem von linken Gruppierungen getragenen Aktionen am 13. Februar 2020 auch, einen Opfermythos Dresdens und ein angeblich zu unkritisches Gedenken, das weder die Rolle der Stadt im NS-System thematisiere, noch bei der Würdigung der Opfer zwischen NS-Tätern und NS-Opfern differenziere.

Am Vormittag hatte unter diesen Vorzeichen die Linksjugend die Namenslesung von Opfern auf dem Heidefriedhof gestört. Am frühen Nachmittag äußerte sich die zum Protest gegen einen AfD-Stand auf dem Altmarkt angetretene „Rythms of Resistance in ähnlicher Weise. Allerdings wird zum Beispiel beim „Mahngang Täterspuren“ sowie bei diversen dezentralen Gedenkveranstaltungen durchaus ein differenziertes Bild von Dresden und Gruppierungen in der Stadt im Jahr 1945 gezeichnet.

Update: Inzwischen ist der Obelisk wieder entfernt worden.

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Von Uwe Hofmann

In diesem Jahr ist ein stilles Gedenken auf dem Altmarkt nicht möglich. Seit etwa 13 Uhr trommeln Protestierende gegen einen Stand der AfD nahe der Gedenkstätte auf dem zentralen Platz an. Später will sich „Hope – fight racism“ mit weiteren Aktionen gegen die Dresdner Gedenkkultur zum 13. Februar richten.

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