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13. Februar Gespaltenes Gedenken auf dem Altmarkt in Dresden: Krach, Kerzen und Raketen
Thema Specials 13. Februar Gespaltenes Gedenken auf dem Altmarkt in Dresden: Krach, Kerzen und Raketen
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09:28 14.02.2020
Begleitet von Protestrufen legen AfD-Sachsen-Chef Jörg Urban (l.) und Bundessprecher Tino Chrupalla (r.) Kränze auf dem Altmarkt nieder. Quelle: Tino Plunert
Dresden

Ein Bild der Einigkeit im Gedenken an die Zerstörung Dresdens vor 75 Jahren – das wollte die AG 13. Februar, die jährlich dezentrales Gedenken und vor allem die Menschenkette organisiert, aussenden. Wer nur auf den Neumarkt sah, der konnte den Eindruck gewinnen, dass dieses Bemühen von Erfolg gesegnet war. Doch nur wenige Hundert Meter entfernt zeigte sich auf dem Altmarkt ein anderes Bild: Protest, hohes Polizeiaufgebot, Beleidigungen und vereinzelt auch Gewalt.

Das verstärkt den Eindruck, der am Vormittag auf dem Heidefriedhof entstand und sich mit einer Satireaktion des Kunstkollektivs Polizeiklasse auf dem Neumarkt bestätigte. Die Spaltung der Stadtgesellschaft zeigt sich auch im Gedenken.

Und das schon am frühen Nachmittag. Mit Trommeln und Parolen protestierte die etwa zwei Dutzend Köpfe umfassende Gruppe „Rhythm for Resistance“ gegen einen bis 16 Uhr angemeldeten AfD-Stand. Drei der Trommler mussten bei der Polizei ihre Personalien angeben, nachdem eine Frau aus dem Pegida-Umfeld die Beamten auf sie aufmerksam gemacht hatte. Das Trio, eine Frau und zwei Männer, steht im Verdacht, im August 2019 bei einer Pegida-Demo gegen Versammlungsrecht verstoßen zu haben.

16 Uhr begann dann „Hope – Fight Racism“ sein Programm auf einer Seite des Altmarkts. Der Platz vor der Kreuzkirche wurde für den Kreisverband der AfD freigehalten, der dort ab 21.30 Uhr eine Veranstaltung angemeldet hatte. Gitter trennten beide Plätze und umschlossen die Gedenkstätte Altmarkt. Vor allem dort zeigten sich viele gestört von der Musik und den Redebeiträgen, die von der „Hope“-Bühne herüberschallten. An ein stilles Gedenken war nicht zu denken.

Es kam zu den üblichen Reibereien von Teilen der Protestversammlung mit Menschen, die dem rechten Lager zuzuzählen sind: Parolen, Beleidigungen und Versuche, sich gegenseitig zu filmen. Hitzig wurde es, als eine Gruppe mit nicht ganz einem Dutzend Menschen um Pegida-Mitbegründer René Jahn versuchte, auf dem Postplatz einen nicht angemeldeten Demozug über Wilsdruffer Straße zum Neumarkt zu starten. Sie waren rasch von Protestierenden in fünffacher Anzahl umstellt und wurden von einem starkem und wenig zimperlich vorgehenden Polizeiaufgebot durch die Altmarkt-Galerie zum Altmarkt gelotst. Von dort ging das Grüppchen dann seiner Wege.

Zum Abend schwoll die Lautstärke dann noch einmal an. Die AfD, darunter Bundessprecher Tino Chrupalla, legte Kränze nieder. Das Glockengeläut, das kurz vor 22 Uhr den Beginn des Bombardements vor 75 Jahren markiert, wurde durchgehend durch Protestrufe gestört. Besonders geschmacklos: Beim Einsetzen des Geläuts gingen Raketen in den Himmel. Offenbar hatten Störer eine Feuerwerksbatterie in der Schreibergasse angezündet und waren dann geflüchtet. Die Polizei traf niemanden mehr am Feuerwerk an.

Polizeisprecher Thomas Geithner zeigte sich trotz allem zufrieden. Das neue Gitterkonzept, das beide Seiten deutlich trennte, habe funktioniert. 800 Polizisten waren über den Tag im Einsatz. Dennoch bleibt ein Nachgeschmack. „Die Debatte um das Gedenken an ein so schreckliches wie widersprüchliches Ereignis darf nicht den Rändern überlassen werden“, hatte OB Dirk Hilbert (FDP) vor der Menschenkette gewarnt. Wie wahr diese Worte sind, zeigte sich auf dem Altmarkt.

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Von Uwe Hofmann

Pünktlich um 16 Uhr startete die Initiative „Hope – fight racism“ ihre Kundgebung auf dem Altmarkt in Dresden. Mit Musik und Redebeiträgen wollen die Mitglieder einen Kontrast zur sonstigen Gedenkkultur der Stadt setzten – und speziell auch die AfD kritisieren. Gegner der Veranstaltung provozieren die Teilnehmer.

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