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13. Februar Aufmarsch in Dresden: Tausende blockieren Neonazis den Weg durch die Innenstadt
Thema Specials 13. Februar Aufmarsch in Dresden: Tausende blockieren Neonazis den Weg durch die Innenstadt
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13:51 16.02.2020
In Dresden sind am Samstag tausende Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis auf die Straße gegangen. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Berittene Polizisten, Straßensperrungen, kreisende Hubschrauber – es ist inzwischen fast Normalität, dass wenige Tage vor oder nach dem 13. Februar – dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens – Demonstrationen von NPD und Gegenprotest das Geschehen in der Stadt bestimmen. Wie im vergangenen Jahr hatte der Prohliser NPD-Mann Maik Müller einen Trauermarsch am 15. Februar in Dresden angemeldet. Während er 2019 den Erfolg für sich verbuchen konnte, mit etwa 1500 Neonazis aus Deutschland und europäischen Staaten durch die Dresdner Innenstadt marschiert zu sein, blieb ihm zum 75. Jahrestag genau das durch starken Protest auf den Straßen verwehrt.

Es kamen deutlich weniger Neonazis als im Vorjahr, die dem Stadtzentrum fern bleiben mussten. Polizeisprecher Thomas Geithner sprach im Anschluss von einem im Großen und Ganzen friedlichen Verlauf und einem Erfolg eines auf Deeskalation ausgerichteten Einsatzkonzepts.

Die Bombardierung Dresdens jährte sich am 13. Februar 2020 zum 75. Mal. Rechtsextreme und Gegner mobilisierten am Samstag ihre Kräfte.

Nazi-Gegner starten mit zwei Kundgebungen in den Tag

Der Tag begann mit Kundgebungen des vom „Aktionsbündnis 13. Februar“ organisierten Protests am Hauptbahnhof und am Alaunplatz. Während am Hauptbahnhof vor allem aus anderen Städten anreisende Gruppen zusammenkamen, versammelten sich im Herzen der Dresdner Neustadt vor allem Einheimische. Gemeinsam zogen sie in die Innenstadt und vereinigten sich kurz vor 14 Uhr vor dem Rathaus zu einer großen, etwa 3000 Menschen umfassenden Versammlung.

Lesen Sie auch: Das Geschehen am 15. Februar zum Nachlesen im Ticker

Gitter und massives Polizeiaufgebot trennt beide Lager

Wenig später begannen die Neonazis auf der gegenüberliegenden Seite der St. Petersburger Straße an der Skateranlage Lingnerallee mit ihrer Veranstaltung. Eine lange Reihe von Gittern und ein massives Polizeiaufgebot trennte beide Seiten, ermöglichte aber auch Protest in Sicht- und Hörweite. Das ist exakt die Konstellation des vergangenen Jahres, als allerdings auf dem Dr.-Külz-Ring chaotische Szenen folgten: Protestierende blockierten den Weg der NPD-Demo, Polizisten griffen hart durch, attackierten auch Pressevertreter, agierten kopflos.

Polizei löst kaum Sitzblockaden auf

In diesem Jahr ein gänzlich anderes Bild. Es gab zwar kurzzeitig hektische Szenen und eine Reihe von Sitzblockaden, auf dem Pirnaischen Platz, der Waisenhausstraße, dem Dr.-Külz-Ring, der St. Petersburger Straße und der Budapester Straße. Sie blockierten den Weg durch die Innenstadt, wurden aber nicht von der Polizei aufgelöst. „Mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit“, habe man sich für eine andere Strategie entschieden, heißt es von der Polizei. Die Neonazis mussten einen anderen Weg nehmen. Über die St. Petersburger Straße, Sidonienstraße, Uhlandstraße und Strehlener Straße ging es durch Gegenden, die nun wahrlich nicht zu den feinsten Adressen der Stadt gehören. Dort gab es kaum Gegenprotest, der sich nach den Erfahrungen des vergangnen Jahres mit seinen Aktionen auf die Innenstadt konzentriert hatte. Die Neonazis liefen hier ohne weitere Beachtung der Dresdner – Passanten oder Geschäftsleben gibt es an diesen Straßen kaum.

Abschlusskundgebung der Nazis nach nur zwei Kilometern Wegstrecke

Auf dem Friedrich-List-Platz am Hauptbahnhof, einem der sonst am stärksten von Verkehr belasteten Orte der Stadt, hielten die Neonazis nach nur zwei Kilometern Wegstrecke ihre Abschlussveranstaltung ab – begleitet von massivem Protest. Die meisten Gegendemonstranten wurden von starken Polizeisperren zwar auf dem Wiener Platz gehalten, einige Gruppen erwarteten die NPD-Demonstranten dennoch an Bayrischer Straße und Fritz-Löffler-Straße. Die dort Versammelten erhielten im Verlauf der zähen Abschlusskundgebung von weiteren Nazi-Gegnern Verstärkung, die sich vom Wiener Platz aus über die Andreas-Schubert-Straße und die Strehlener Straße auf den Weg machten.

Neonazis und Gegner auf Tuchfühlung

Neonazis und Protest ging auf Tuchfühlung, nur durch eine bisweilen für Passanten durchlässige Polizeisperre getrennt. Es blieb – das ist das wichtigste – weitgehend friedlich. Mit Ausnahmen: 25 Ermittlungsverfahren leitete die Polizei ein, unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Körperverletzungsdelikten, Landfriedensbruch sowie Beleidigungen. Sieben Personen wurden in Gewahrsam genommen. Es waren etwa 1500 Polizisten im Einsatz.

Reden der Nazis gehen in lautstarkem Protest unter

So nah an ihren Gegnern konnte die NPD nicht, wie sie wollte. Ihre Lautsprecherdurchsagen gingen in lauten Protestrufen und Pfiffen unter. Und auch auf Fackelschein musste sie anders als 2019 verzichten. Bereits nach wenigen Minuten gingen die ersten NPD-Demoteilnehmer frustriert in Richtung Hauptbahnhof, später verließ ein etwa 300 bis 400 Personen umfassendes Kontingent mit Neonazis aus dem europäischen Ausland und Westdeutschland die noch laufende Kundgebung.

Gespenstige Atmosphäre im Bahnhofsgebäude

Im Bahnhof herrschte gegen 18 Uhr eine gespenstige Atmosphäre. Die meisten der etwas mehr als 1000 Demonstrationsteilnehmer auf NPD-Seite warteten dort kurz nach Kundgebungsende auf ihre Abreise, während sie sich mit Pizza oder Döner stärkten. Schwarz-weiß-rote Fahnen, Gesichtstattoos und teils bizarre Kostümierungen bestimmten das Bild, das mit der Zeit jedoch immer weiter verwischte. Das „Aktionsbündnis 13. Februar 2020“ rund um die Gruppe „Dresden Nazifrei“ demonstrierte noch bis in den Abend hinein in der Dresdner Neustadt. Da war in der Innenstadt schon längst wieder Normalität eingekehrt.

Von Uwe Hofmann und Felix Franke

Die Bombardierung Dresdens jährte sich am 13. Februar 2020 zum 75. Mal. Rechtsextreme und Gegner mobilisierten am Samstag ihre Kräfte. Die Polizei rechnete grundsätzlich mit einer konfrontativen Versammlungslage. Wir haben die Ereignisse begleitet.

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