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13. Februar Braucht Dresden ein Bombenkriegsmuseum?
Thema Specials 13. Februar Braucht Dresden ein Bombenkriegsmuseum?
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07:40 21.01.2019
Im Erlwein-Gasometer in Dresden-Reick könnte ein Bombenkriegsmuseum untergebracht werden, so der Architektur- und Städtebaukritiker Dankwart Guratzsch. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Dresden braucht ein Bombenkriegsmuseum, forderte der Architektur- und Städtebaukritiker Dankwart Guratzsch in den DNN. Dresden stehe symbolhaft wie keine andere Stadt in Europa für die Schrecken des Bombenkrieges. Am 13. Februar 2020, dem 75. Jahrestag der Zerstörung, soll nach den Vorstellungen von Guratzsch der Startschuss für den Bau eines solchen Museums fallen. Als Standort schlägt der Publizist den großen Erlwein-Gasometer in Reick vor. Die Dresdner Kommunalpolitik hat den Vorschlag reserviert aufgenommen.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erklärte, er würde diese Idee weder von vornherein verwerfen noch bedingungslos befürworten. Entscheidend sei die Qualität des Konzepts. Liege ein solches Konzept vor, sollte zuerst mit den bestehenden Museen in Dresden und den gesellschaftlichen Akteuren, zum Beispiel aus der Arbeitsgruppe 13. Februar, diskutiert werden. „Klar ist für mich aber auch, dass ein solches Museum die Themen Frieden und Versöhnung ebenfalls beinhalten müsste“, erklärte der OB.

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Er sei gespannt auf die Diskussion in der Arbeitsgruppe 13. Februar, erklärte CDU-Stadtrat Georg Böhme-Korn. „Dort gehört es hin. Ich bin gespannt auf die Diskussion.“ Es handle sich um einen monumentalen Vorschlag. „Dieses Vorhaben ist einer gründlichen Debatte würdig. Ich glaube jedoch, dass Dresden das nicht eigenständig angehen kann und auch nicht sollte.“ Er fürchte, so Böhme-Korn, dass eine Konzeption für das Museum am umfassenden Anspruch scheitern könnte. Dresdens Geschichte von der Kriegszerstörung und Wiederaufbau bis heute, auch die Luftkriegsgeschichte von Heißluftballon bis modernen Drohnenkrieg solle laut Guratzsch dabei sein. „Eine notwendige Breite, um Zusammenhänge klarzustellen oder Überfrachtung, gar Verdrängung von bereits Vorhandenem?“, fragt Böhme-Korn.

Georg Böhme-Korn. Quelle: PR

Eine klare Absage an den Vorschlag kommt von den Linken. „Nein, ein Bombenkriegsmuseum braucht Dresden mit Sicherheit nicht. Denn die Einschränkung auf den Teilbereich Bomben- oder Luftkrieg unterstellt, dass an den Kriegen des 20. Jahrhunderts allenfalls Aspekte und Teilbereiche verwerflich waren und nicht der Grundgedanke des Krieges an sich“, erklärte Linke-Stadtrat Tilo Wirtz. Weder sei das Schicksal Dresdens im Luftkrieg einzigartig, die Stadt teile es allein nur in Europa mit Städten wie Guernica, Rotterdam, Coventry, Warschau, Stalingrad, Hamburg, Braunschweig oder Pforzheim, noch sei der Aspekt des Luftkrieges der einzige Tatbestand, der insbesondere der Zivilbevölkerung großes Leiden beibrachte.

Tilo Wirtz. Quelle: Dietrich Flechtner

Es bestünde in der Erinnerungskultur in Dresden Einigkeit, so der Linke-Politiker: „Niemals darf die Zerstörung Dresdens herausgelöst aus dem Gesamtzusammenhang des von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkriegs, des deutschen Faschismus gesehen werden.“ Gerade in der Endphase des Zweiten Weltkriegs habe die Grausamkeit der deutschen Faschisten keine Grenze gekannt, nicht zuletzt gegen die eigene Bevölkerung. „Das blendet die Fokussierung auf den alliierten Luftkrieg aus.“

Thomas Löser, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, verweist auf das Stadtmuseum und das Militärhistorische Museum, die sich beide den angesprochenen Themen widmen würden. „Warum soll es sinnvoll sein, ein weiteres Museum, welches Luftkriegsführung im 20. und 21. Jahrhundert bis hin zur Atom-, Chemiewaffen-, Raketen- und Drohnentechnologie als thematische Schwerpunkte darstellt, in Dresden zu schaffen?“, fragt Löser. Er befürworte Informationen über die Grauen des Krieges weltweit, sage aber „Nein“ zu einer Überhöhung einer besonderen Rolle bis hin zu einem Opfermythos von Dresden.

Thomas Löser. Quelle: David Brandt

Dresden habe in den vergangenen Jahren politisch stark darum gerungen, eine angemessene Gedenkkultur rund um den 13. Februar zu schaffen, nachdem die Stadt jahrelang zum Aufmarschplatz rechtsextremer Gruppierungen aus ganz Deutschland geworden sei. „Welche Rolle soll ein Bombenkriegsmuseum in diesem Kontext spielen?“, fragt der Grünen-Politiker und unterbreitet einen anderen Vorschlag: „Ein europäisches Friedensmuseum als Forschungs- und Bildungsstätte fände ich weit interessanter. Dies würde auch dem Geist des durch internationale Unterstützung ermöglichten Wiederaufbaus der Frauenkirche in Dresden mehr entsprechen.“

Architektur- und Städtebaukritiker Dankwart Guratzsch hat die Idee eines Bombenkriegsmuseums in den Raum geworfen. Die Dresdner Kommunalpolitik antwortet verhaltet. Was denken Sie? Braucht die Stadt ein solches Museum, das an die Schrecken des Bombenkrieges erinnert?

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SPD-Fraktionsvorsitzende Dana Frohwieser zitiert Albert Einstein: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Dresden habe viele Orte, die an den Krieg erinnern, von der Busmannkapelle über die ständige Ausstellung im Stadtmuseum bis hin zu den inzwischen zahlreichen Stolpersteinen. „Sie erinnern uns, dass ein Leben in Frieden und ohne Bomben nicht selbstverständlich ist. Ein eigenständiges Bombenkriegsmuseum hebt eine schicksalhafte Nacht in Dresden hervor, das erscheint mir unangemessen. Der benachbarte Gasometer mit den beeindruckenden Asisi-Bildern erlebt großen Zuspruch“, so die Sozialdemokratin. Es wäre schön, wenn es gelänge, den Erlwein-Gasometer mit wechselnden Projekten zu beleben, mit Ausstellungen und Veranstaltungen, die Freude bereiten und das Leben bejahen würden.

Dana Frohwieser. Quelle: Partei

Holger Zastrow, Vorsitzender der Fraktion FDP/Freie Bürger, sieht die Idee eines Bombenkriegsmuseums skeptisch. „Die Stadt Dresden dreht sich in der Frage des Umgangs mit dem 13. Februar inzwischen im Kreis. Immer wenn eine neue würdige Form der Erinnerung gefunden scheint, kommt kurz danach die Diskussion auf, dass auch das nicht reicht.“ Die Busmannkapelle als Erinnerungs- und Gedenkort sei noch im Bau, da beginne die Debatte schon von vorn, so Zastrow. „Jetzt sind es das Bombenkriegsmuseum und die Forderung nach einer Umgestaltung der Erinnerungsfläche auf dem Altmarkt samt der völlig ahistorischen AfD-Forderung, die Germania als Mahnmal für den 13. Februar wieder aufzubauen.“

Holger Zastrow. Quelle: Dietrich Flechtner

Er sei sich nicht sicher, so der FDP-Politiker, ob es angesichts der vor Dresden liegenden Herausforderungen wirklich sinnvoll sei, den Blick immer nur zurück zu wenden. Er empfehle daher eine Auszeit von der Debatte. Das Thema des Bombenkrieges könne im Stadtmuseum, in temporären Ausstellungen oder später sogar in einem von der FDP ins Spiel gebrachten „Haus der sächsischen Geschichte“ und dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr gut dargestellt werden.

Die Bürgerfraktion erklärte, eine simple Aussage zu dieser Problematik sei schwierig. „Wir möchten darüber gern noch nachdenken“, so Fraktionsgeschäftsführer Thomas Blümel.

Thomas Blümel. Quelle: Anja Schneider

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Friedel erklärte: „Dem Bombenkrieg in Dresden ein eigenes Museum zu widmen ist aus meiner Sicht rückwärtsgewandt und selbstbezogen. Dresden hat eine Erinnerungskultur zu diesem Thema, die mit Stadtmuseum, Militärhistorischem Museum, Busmann-Kapelle und Stolpersteinen reichhaltig genug ist. Irgendwann ist es auch mal an der Zeit, sich um die Zukunft unserer Stadt zu kümmern, als immer nur die Vergangenheit zu reflektieren.“

Von Thomas Baumann-Hartwig