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Sportmix Warum Darts und Olympia schwer zueinanderfinden
Sportbuzzer Sportmix Warum Darts und Olympia schwer zueinanderfinden
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10:43 28.12.2019
Max Hopp würde Darts gerne im Programm der Olympischen Spiele sehen. Quelle: John Walton/PA Wire/dpa
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London

Millionen Zuschauer an den TV-Geräten, ein Preisgeld von 2,5 Millionen Pfund bei der WM: Die Trend-Sportart Darts und der klassische Weltmeisterschafts-Termin rund um Weihnachten haben sich bei den Fans etabliert.

Das Niveau steigt genauso wie die Begeisterung und die Anzahl der Spieler hierzulande. Was spricht dafür, dass Darts eines Tages zu einer olympischen Sportart wird - und was spricht dagegen?

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PRO:

BEGEISTERUNG DER ATHLETEN: Die Sportler sind heiß auf die mögliche Olympia-Chance. "Das wäre toll. Golf ist olympisch, dann sollte auch Darts olympisch sein", hatte der Weltranglisten-Erste Michael van Gerwen der "Sport Bild" einmal gesagt. Auch Deutschlands Nummer eins Max Hopp gilt als klarer Befürworter.

VERJÜNGUNG DER SPIELE: Das IOC will mit seinem Programm attraktiver für junge Menschen werden. Deshalb zählen in Tokio im kommenden Sommer Baseball/Softball, Karate, Sportklettern, Skateboard und Surfen neu zum Olympia-Programm. In dieses Profil würde auch Darts sehr gut passen: Mit dem als Party angelegten Event ziehen die Macher bei Weltmeisterschaften und weiteren Turnieren vorrangig junge Fans in ihren Bann.

EINFACHE LOGISTIK: Um Darts in das Olympia-Programm zu integrieren, wäre logistisch kein großer Aufwand nötig. Eine kleinere Halle für das komplette Turnier würde genügen, die Profis könnten parallel an mehreren Scheiben spielen, wie es bei zahlreichen Turnieren schon üblich ist.

SIMPLE REGELN: Anders als beim Baseball oder dem Sportklettern müsste sich der Zuschauer beim Darts nicht mit komplizierten Regeln vertraut machen. 501 Punkte für zwei Spieler und dann wird solange geworfen, bis der erste Spieler mit einem Doppelfeld auf null stellt. "Darts ist eine Sportart, deren Regeln für die Zuschauer und Interessierte leicht zu verstehen sind", sagte Michael Sandner, Präsident des Deutschen Dart Verbandes (DDV).

KONTRA:

WILLE DER DARTS-MANAGER: Promoter und Weltverbandsboss Barry Hearn sowie PDC-Europe-Geschäftsführer Werner von Moltke äußerten sich eher skeptisch über ein solches Zusammenspiel. "Ich denke, ich würde die Einzigartigkeit von Darts verlieren. Es ist der einzige Sport der Welt, bei dem es eine richtige Party gibt", sagte Hearn der dpa in London. Ein Alkohol- und Feierverbot sei für ihn nicht denkbar, fügte der 71-Jährige an. Von Moltke sagte gar: "Olympia sehe ich als Verbrechen am Athleten, das ist genau das Gegenteil von dem, was wir machen."

Die Professional Darts Corporation (PDC) böte in van Gerwen, Gerwyn Price und Co. zwar die Zugpferde, wäre aber analog zum Box-Sport aber wohl gar nicht für eine Aufnahme zuständig. Stattdessen bemüht sich die World Darts Federartion (WDF) beim IOC derzeit um die Anerkennung der Sportart Darts. "Der Weg wird derzeit beschritten", sagte DDV-Präsident Sandner dazu.

OLYMPISCHE TRADITIONEN: Die von Traditionen geprägte olympische Bewegung und der zum Festival inszenierte Trendsport Darts: Das geht in den Augen vieler Betrachter nicht wirklich zusammen. Auch von Moltke ist skeptisch. "Ich glaube, dass es nicht passen würde. Wir brauchen es nicht, es ist nicht notwendig", sagte er. Er beobachtet, dass sich die olympischen Kernsportarten (Leichtathletik, Schwimmen) seit Jahren "nach hinten entwickeln".

INTERNATIONALISIERUNG: Bei der derzeit laufenden WM in London sind die Top-Spieler aus England zwar schon raus, der Sport wird aber noch immer stark von Engländern geprägt, wie die 37 von 96 Starter bei den Titelkämpfen belegen. Würden die WM-Plätze streng nach Weltrangliste vergeben, wären es sogar noch deutlich mehr Engländer im WM-Feld. Bei Olympia würden die Plätze für Großbritannien stark limitiert werden, für viele Weltklassespieler bliebe eine Teilnahme somit utopisch.

dpa