Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Tennis Überraschung bei Australian Open: Nadal scheidet aus
Sportbuzzer Sportmix Tennis

Medwedew nach Sieg gegen Rubljow im Halbfinale

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:37 17.02.2021
Jennifer Brady steht im Halbfinale der Australian Open.
Jennifer Brady steht im Halbfinale der Australian Open. Quelle: James Ross/AAP/dpa
Anzeige
Melbourne

Rafael Nadal stützte sich nach dem verlorenen Fünf-Satz-Spektakel bei den Australian Open auf seiner rechten Hand ab und schüttelte immer wieder den Kopf.

Erst zum zweiten Mal gab er bei einem Grand-Slam-Turnier eine 2:0-Satzführung wieder ab, suchte aber nach der verpassten Chance auf Titel Nummer 21 und den alleinigen Rekord nicht nach Ausreden. "Natürlich bin ich traurig. Ich habe ein Viertelfinale bei einem Turnier verloren, das mir viel bedeutet", sagte der 34 Jahre alte Tennis-Star am Mittwoch nach dem überraschenden Viertelfinal-Aus gegen seinen griechischen Herausforderer Stefanos Tsitsipas.

"Ich habe gekämpft, heute war es nicht genug. Stefanos hat einen großartigen vierten und fünften Satz gespielt. Einfach eine weitere Geschichte in meiner Tennis-Karriere", sagte Nadal und lächelte nach dem außergewöhnlichen 6:3, 6:2, 6:7 (4:7), 4:6, 5:7 etwas gequält. Was er verschwieg war, dass dieses Kapitel seiner Sport-Geschichte aus seiner Sicht so ausgehen hätte sollen, dass er am Sonntag im Endspiel seine 21. Trophäe bei einem der Grand-Slam-Turniere einsammelt und alleiniger Rekordsieger vor dem diesmal nicht anwesenden Schweizer Roger Federer wird.

Doch die Chance, dies zu schaffen, ist in Melbourne vertan. Der Weltranglisten-Sechste Tsitsipas zog zum zweiten Mal nach 2019 in die Vorschlussrunde der Australian Open ein und fordert am Freitag den Russen Daniil Medwedew heraus, der bisher einen imponierenden Eindruck hinterlässt. Im ersten Herren-Halbfinale am Donnerstag (9.30 Uhr/Eurosport) ist der serbische Weltranglisten-Erste Novak Djokovic klarer Favorit gegen den russischen Qualifikanten Aslan Karazew.

Der Favorit war auch Nadal, schritt aber mit gesenktem Kopf nach 4:05 Stunden aus der Rod-Laver-Arena. Tsitsipas blickte eher ungläubig. "Ich bin sprachlos. Ich habe keine Worte, um zu beschreiben, was gerade passiert ist", sagte der 22-Jährige: "Ich habe sehr nervös begonnen. Ich weiß nicht, was ab dem dritten Satz passiert ist."

Der Mittwoch im Melbourne Park war einer dieser Tage, an denen die junge Tennis-Generation einen der langjährigen Branchenanführer nicht nur ärgern konnte. Dabei hatte das Viertelfinal-Duell lange wie eine einseitige Angelegenheit ausgesehen. Der Herausforderer spiele zu "brav", ihm fehle der Mut, kommentierte Eurosport-Fachmann Boris Becker. Doch ab dem dritten Satz änderte sich das gewaltig.

Im Tiebreak überließ Nadal seinem Kontrahenten mit seltenen Fehlern, darunter einem völlig verpatzten Schmetterball, leichte Punkte und musste seinen ersten Satzverlust im Turnierverlauf hinnehmen. Tsitsipas steigerte sich, Nadal musste auf einmal härter um seine Aufschlagspiele kämpfen. Im entscheidenden Satz nahm der 22-Jährige Nadal den Aufschlag zum 6:5 ab und nutzte seinen dritten Matchball. "Das Beste, was ich von Tsitsipas je gesehen habe", lobte Becker nun. Seine Rückenschmerzen der vergangenen Wochen hätten keine Rolle gespielt, sagte Nadal später.

Der Grieche machte es am Ende besser als am Vortag der Hamburger Alexander Zverev, der gegen Djokovic als letzter deutscher Teilnehmer ausgeschieden war. Medwedew dürfte es allerdings freuen, dass sein nächster Gegner über fünf Sätze gehen musste. Mit dem eindrucksvollen 7:5, 6:3, 6:2 gegen seinen Landsmann Andrej Rubljow baute der Weltranglisten-Vierte gleich zwei imponierende Serien aus. "Es ist nie einfach", sagte Medwedew nach dem Erfolg gegen seinen sichtlich von der Hitze geplagten Kumpel und Teamkollegen. "Aber wir wollen alle gewinnen und ins Halbfinale eines Grand Slams."

Zum dritten Mal hat das der Anführer einer starken russischen Tennis-Generation nach seinem Final-Einzug bei den US Open 2019 und dem Halbfinale in New York 2020 geschafft - nun aber zum ersten Mal bei den Australian Open im Jahr 2021. Und das souverän, obwohl auch der ATP-Finals-Champion am Ende Krämpfe hatte und sich nach dem Match zunächst vom Physiotherapeuten behandeln ließ, noch bevor er zum Siegerinterview ans Mikrofon trat. Weitaus beeindruckender noch als seine Grand-Slam-Bilanz sind allerdings zwei Zahlen, die die aktuelle Form Medwedews bekräftigen: Für ihn war es saisonübergreifend der 19. Sieg in Serie und der elfte nacheinander gegen einen Top-Ten-Mann.

Der nächste soll wieder vor Fans gelingen. Schon ab Donnerstag sollen nach dem Ende des fünftägigen Lockdowns wieder Zuschauer auf die Anlage kommen, sofern nicht doch noch neue Corona-Maßnahmen notwendig werden sollten. Nach Angaben der Organisatoren sollen bis zu jeweils maximal 7477 Zuschauer und damit "rund die Hälfte der Kapazität" auch für die Damen-Halbfinals zwischen der Rekordjägerin Serena Williams aus den USA und US-Open-Gewinnerin Naomi Osaka aus Japan sowie der Tschechin Karolina Muchova und der Amerikanerin Jennifer Brady zugelassen sein.

© dpa-infocom, dpa:210217-99-473363/8

dpa