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Radsport Warten auf Klassiker-Sieg geht weiter - Zoff bei Teamchefs
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"Schweinerei": Denk kritisiert Managerkollege Lefevere

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10:31 21.03.2021
Ist über Äußerungen seines Managerkollegen Patrick Lefevere verärgert: Ralph Denk, Teammanager von Bora-hansgrohe.
Ist über Äußerungen seines Managerkollegen Patrick Lefevere verärgert: Ralph Denk, Teammanager von Bora-hansgrohe. Quelle: Matthias Balk/dpa
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Sanremo

Das Warten geht weiter. Weit über 2000 Tage nach John Degenkolbs famosem Double im Jahr 2015 hat auch Paris-Nizza-Sieger Maximilian Schachmann die deutsche Flaute bei den ganz großen Radsport-Klassikern nicht beenden können.

Der Bora-hansgrohe-Profi konterte bei der 299-Kilometer-Qual Mailand-Sanremo zwar tapfer und mutig sämtliche Attacken, musste sich im Finale an der Mittelmeerküste aber geschlagen geben. "Es war nicht mein Sanremo. Aber ich bin mit vorne reingekommen und kann damit zufrieden sein, dass ich die Attacken mitgehen konnte", sagte Schachmann.

Als sich der belgische Überraschungssieger Jasper Stuyen, Australiens Sprinter Caleb Ewan und Titelverteidiger Wout van Aert aus Belgien im Schlussspurt die Podestplätze sicherten, waren Debütant Schachmann (14.) und Pascal Ackermann (20.) nur noch Nebendarsteller. Sprinter Ackermann haderte vor allem mit dem Verhalten am berühmt- berüchtigten Schlussanstieg. "Am Poggio habe ich den Fehler gemacht, dass ich zu weit hinten reingefahren bin. Das wurde am Ende bestraft", sagte der Pfälzer.

So war der deutsche Rennstall Bora-hansgrohe mit Ex-Weltmeister Peter Sagan (Vierter) sowie Schachmann und Ackermann zwar dreifach in der Spitzengruppe vertreten, bei der Siegerehrung mit Masken, Blumen und Champagnerflaschen aber nur Zuschauer. "Vierter ist der undankbare Platz. Aber wenn man mal die Vorgeschichte kennt, dann müssen wir den vierten Platz feiern", sagte Denk vor allem mit Bezug auf die Corona-Erkrankung von Teamkapitän Sagan. "Der große Sieg bei Mailand-Sanremo fehlt noch, aber wir haben Erfahrungen mit den Plätzen zwei bis sechs", sagte Denk.

Der große Sieg bei einem der fünf Monumente fehlt auch der aktuellen deutschen Generation um Schachmann. Der 27 Jahre alte Berliner und Nils Politt haben zwar schon Podestplätze erobert, doch der letzte große Erfolg eines Deutschen liegt lange zurück. Im April warten Paris-Roubaix und die schweren Ardennen-Klassiker, bei der sich Schachmann und Politt wieder Hoffnungen auf einen Coup machen dürfen.

Für die nächsten Jahre, vor allem beim flachen 300-Kilometer-Ritt von der Metropole Mailand an die Küste von Sanremo, könnte eher Sprinter Ackermann zum Joker für einen Triumph werden. "Es ist definitiv ein Rennen, das mir liegen kann in Zukunft", sagte Ackermann. Kommt der 27-Jährige über den letzten Hügel, ist er im Finale kaum zu schlagen. "Nächstes Jahr weiß ich, was ich besser machen kann", kündigte Ackermann an.

Begleitet wurde der erste Klassiker des Jahres vom verbalen Duell der Manager Patrick Lefevere (Deceunick-Quickstep) und Denk. Es geht um den Vorwurf, dass Denk und Bora-hansgrohe Quickstep-Radprofis abwerben und womöglich das ganze Team zur Saison 2022 übernehmen wollen. "Ich finde das schon fast eine Schweinerei, dass er es so hinstellt. Es ist auf jeden Fall nicht gentlemanlike. Das bin auch ich nicht gewohnt", sagte Denk der dpa in Sanremo.

Lefevere hatte Denk in einer Kolumne bei "Het Nieuwsblad" als "König der Jagd" bezeichnet und behauptet, der Deutsche schicke seinen Fahrern um Supertalent Remco Evenepoel Vertragsvorschläge. Für Denk stellt sich der Sachverhalt anders dar. "Ich habe den höflichen Weg gemacht. Wir haben 19 World-Tour-Mannschaften, und jede hat Interesse an Remco. Patrick hat ihn entdeckt, deshalb habe ich mit ihm über die Situation gesprochen. Patrick hat gesagt, er hat noch keine Sponsoren für nächstes Jahr, aber eine Option für Remco. Die wäre diskutierbar im Falle dessen, dass er kein Team mehr hat." Er wolle mit Lefevere "mal schauen, ob es handgreiflich wird oder nicht", scherzte Denk.

© dpa-infocom, dpa:210321-99-907611/3

dpa