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Radsport Martin nach Tour-Ausschluss: "Wir waren alle am Limit"
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16:05 25.07.2019
Wurde nach einem Zwischenfall von der 106. Tour de France ausgeschlossen. Quelle: David Stockman/BELGA
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Mit dem Rucksack auf der Schulter trat Tony Martin die Heimreise von der Tour de France an. Statt auf den legendären Galibier ging es mit dem Zug zurück ins Schweizer Domizil. Alles Hoffen war vergebens, die Rennjury kannte kein Pardon.

Auch ein kurzfristiger Einspruch vor dem Internationalen Sportsgerichtshof CAS konnte den Ausschluss des viermaligen Zeitfahr-Weltmeisters und des Briten Luke Rowe von der 106. Frankreich-Rundfahrt nach der Rangelei am Vortag nicht mehr verhindern. "Das große Ziel Paris war nah. Das ist nicht schön", sagte Martin, nachdem der Tour-Tross ohne ihn weitergezogen war.

Martin war noch mit seinen Teamkollegen von Jumbo-Visma im Bus zum Start gefahren, auf das Rennrad stieg er aber nicht mehr. "Wir haben Einspruch eingelegt. Die Anwälte des Teams waren mit dem Fall beschäftigt und sind vor den CAS gegangen", berichtete Martin. Es blieb aber bei der Disqualifikation. "Ich freue mich auf Zuhause, auf die Familie. Dann bereite ich mich auf die Vuelta vor", ergänzte der 34-Jährige.

Im Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" fügte der Routinier erklärend an: "Ich denke, die Jury wollte ein Exempel an uns statuieren." Auf die konkrete Nachfrage, ob auch ein französischer Fahrer für eine solche Aktion bei der Tour disqualifiziert worden wäre, antwortete Martin: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der Fall gewesen wäre."

Schon zuvor hatte Martin in einem gemeinsamen Video mit Widersacher Rowe vom Ineos-Team um "eine zweite Chance" gebeten. "Lasst uns im Rennen. Lasst es uns in den nächsten Tagen besser machen. Wir können nicht zeigen, dass es uns leid tut. Auf diese Art zu gehen, ist ein falsches Zeichen", appellierte Martin an die Rennjury.

Die Aussicht auf Erfolg war aber ohnehin gering. Das hatte schon der prominente Fall Peter Sagan 2017 gezeigt. "Ich fühle mich schlecht und traurig", betonte Martin und fügte hinzu: "Ich möchte mich bei Luke, dem Team Ineos und der Radsport-Welt entschuldigen."

Der Vorfall sei im Eifer des Gefechts passiert. "Es war ein großer Kampf vor dem letzten Anstieg, um die Kapitäne in Position zu bringen. Wir sind über fünf Stunden gefahren bei rund 35 Grad. Wir waren alle am Limit."

Was war genau passiert? Auf Videos ist zu sehen, wie Martin dem Briten gut 15 Kilometer vor dem Ziel ziemlich heftig den Weg abschneidet. Dieser hebt danach die Hand und scheint nach Martin schlagen zu wollen. Die Rennjury untersuchte den Fall und traf schließlich die Entscheidung: Beide Fahrer wurden zu einer Geldstrafe von 1000 Schweizer Franken und dem Abzug von 50 Punkten in der Weltrangliste verurteilt, wie der Radsport-Weltverband UCI mitteilte.

Die Teams reagierten mit Unverständnis auf die Entscheidung. "Die Vorfälle verdienen eine Geldstrafe und eine Verwarnung, aber nicht einen Ausschluss. Eine Gelbe Karte und keine Rote Karte", teilten beide Teams in einer Erklärung mit. Die Rangelei habe keinen anderen Fahrer beeinflusst und sei nicht zu einem Nachteil von irgendeinem Team gewesen.

Diese Ansicht vertrat auch Rowes Teamkollege und Tour-Champion Geraint Thomas: "Die Jungs machen alle den gleichen Job. Sie versuchen, ihren Kapitän in Position zu bringen. Da kommt es zu Rangeleien, nichts wirklich Schlimmes."

In einem ähnlichen Fall war 2017 auch der dreimalige Weltmeister Sagan nach einer Rangelei mit Mark Cavendish bei einer Sprint-Entscheidung aus dem Rennen genommen worden. Auch damals hatte das deutsche Bora-hansgrohe-Team erfolglos vor dem CAS versucht, Sagan im Rennen zu behalten. Erst Monate später lenkte die UCI ein und einigte sich mit dem Team darauf, dass der Slowake zu Unrecht ausgeschlossen wurde. Im vergangenen Jahr war Rowes Teamkollege Gianni Moscon disqualifiziert worden, nachdem er versucht hatte, mit der Faust nach dem Franzosen Elie Gesbert zu schlagen.

Der frühere Toursieger Bradley Wiggins sah als Eurosport-Experte Martin in der Rolle des Schuldigen. "Er ist ein netter Junge. Ich habe einige Jahre mit ihm in einem Team verbracht. Er kann sehr wütend werden", sagte der Brite: "Ich weiß nicht, was Tony da tut."

dpa

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