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Leichtathletik Malaika Mihambo glänzt als Weitsprung-Weltmeisterin
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22:21 06.10.2019
Mihambo ist nach Heike Drechsler die zweite deutsche Weitsprung-Weltmeisterin. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Doha

Malaika Mihambo nahm die Glückwünsche der Konkurrentinnen bereits nach drei Versuchen entgegen - und vor ihrem letzten Sprung zog sie schon mal entspannt den Lippenstift nach.

Leicht und locker ist die 25 Jahre alte Weitspringerin von der LG Kurzpfalz in Doha zu WM-Gold geflogen. Der Druck als Topfavoritin? Mihambo segelte zum siebten Mal in dieser Saison über die Sieben-Meter-Marke hinaus. Nach ihren ganz starken 7,30 Metern steht jetzt nur noch Heike Drechsler in der deutschen Bestenliste vor ihr: Sie hält seit 1988 den nationalen Rekord mit 7,48 Metern.

"Ich bin so froh, dass ich das heute geschafft habe. Es wird der beste Sprung meiner Karriere gewesen sein", sagte die neue Weltmeisterin glücklich dem ZDF, nach dem sie mit dem größten Vorsprung der WM-Geschichte von 38 Zentimetern gewonnen hatte.

Silber holte die Ukrainerin Maryna Bech-Romantschuk mit 6,92 Metern vor der Nigerianerin Ese Brume mit 6,91 Metern. Die viermalige Weltmeisterin Brittney Reese aus den USA hatte das Finale um einen Zentimeter verpasst. Lachen musste Mihambo auf die Frage, warum sie noch während des Wettkampfs zum Lippenstift gegriffen hatte. "Bei einer Frau kommt das schon mal häufiger vor. Ich habe nicht mal gemerkt, dass ich gefilmt wurde."

Die heute 54 Jahre alte Drechsler war 1983 in Helsinki und 1993 in Stuttgart die bisher einzige deutsche Weltmeisterin in der Sandgrube und 1992 in Barcelona und 2000 in Sydney außerdem Olympiasiegerin. "Der dritte Versuch war magisch", sagte Heike Drechsler als Fernsehzuschauerin der Deutschen Presse-Agentur. "Ich werde jetzt eine Flasche Champagner aufmachen und auf sie anstoßen."

Mit 6,52 Metern stieg Mihambo in den Wettkampf ein, verschenkte dabei aber etwa einen halben Meter beim Absprung. Der zweite Satz war ungültig. "Man darf nie die Nerven verlieren", urteilte ihr Trainer Ralf Weber. Und Mihambo setzte dies um: Mit der achtbesten Weite der Leichtathletik-Geschichte krönte sich Mihambo bereits im dritten Durchgang zur Weltmeisterin. "Ich habe mir gesagt, der muss jetzt gültig sein. Und das habe ich gemacht", sagte sie trocken.

"Das Oftersheim Project hat heute erste Früchte getragen. Dank an alle, die daran Anteil hatten", meinte Trainer Weber dem ZDF. Sein Schützling kam nach der Siegesweite nochmal auf 7,09 und 7,16. "Man hofft, dass man bei wichtigsten Wettkampf des Jahres ganz oben steht. Von daher bin ich super glücklich", sagte Mihambo.

Auch vor dem größten Tag ihrer Leichtathletik-Karriere hatte sie auf ein bewährtes Ritual zurückgegriffen: "Das tägliche Meditieren ist einfach sehr gut, hilft einem, sich zu fokussieren, aber auch gelassen zu bleiben." Seit ihrer Indien-Reise im vergangenen Jahr - alleine mit dem Rucksack - vertraut Mihambo darauf.

Die Olympia-Vierte ließ sich auch nicht verrückt machen, als sie mit der Weltjahresbestleistung von 7,16 Metern bei den deutschen Meisterschaften im August in Berlin endgültig zur Goldkandidatin aufstieg. "Druck gehört nun einmal zum Spitzensport. Ich empfinde das sogar als angenehm. Ehre, wem Ehre gebührt", hatte sie vor der WM in Katar erklärt.

"7,20 Meter traue ich ihr zu", hatte Heike Drechsler prophezeit, nachdem Mihambo in der Qualifikation in Doha auf 6,98 Meter kam - obwohl sie etwa 20 Zentimeter vor dem Balken absprang. Mihambo glänzte auch im Finale mit ihrer Schnelligkeit vor dem Brett. Sie hatte sogar die WM-Norm über 100 Meter geschafft, verzichtete aber auf einen Start, um sich ganz auf den Weitsprung zu konzentrieren.

Bei den Sommerspielen in Tokio gehört die gebürtige Heidelbergerin, deren Mutter aus Deutschland und Vater aus Sansibar stammt, 2020 zu den Medaillenhoffnungen - wenn sie gesund bleibt und ihre Form ins nächste Jahr bringen kann.

Nach der WM geht's aber erstmal vier Wochen in Urlaub nach Thailand. Die Studentin der Umweltwissenschaften will den Tauchschein machen, aber auch Kultur und Berge erleben. Sand hat sie das ganze Jahr genug in ihrem Sport, Strandurlaub ist eigentlich nicht ihr Ding, "Mal ein paar Stunden oder so, okay. Zehn Tage oder zwei Wochen wären - glaube ich - mein persönlicher Horror."

dpa

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