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Leichtathletik Lisa Mayer/Marc Reuther: Deutschlands rasantes Läufer-Paar
Sportbuzzer Sportmix Leichtathletik Lisa Mayer/Marc Reuther: Deutschlands rasantes Läufer-Paar
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11:27 19.02.2020
Hat beim leitenden Bundestrainers Thomas Dreißigacker in Leipzig einen enormen Leistungssprung gemacht: Marc Reuther. Quelle: Oliver Weiken/dpa
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Frankfurt/Main

Manchmal vergleichen Lisa Mayer und Marc Reuther ihre 150-Meter-Zeiten. "Dann ist er ganz stolz, wenn er mal ein paar Zehntelsekunden schneller ist", erzählt sie lachend.

150 Meter rennt normalerweise natürlich kein Leichtathlet. Aber irgendwo müssen eine Olympia-Halbfinalistin über 200 Meter und einer der derzeit weltbesten 800-Meter-Läufer halt sportlich zueinander finden. Privat sind die beiden 23-Jährigen seit fast sieben Jahren zusammen - und Deutschlands rasantestes Leichtathletik-Paar.

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Am Wochenende stehen Mayer/Reuther bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig im Blickpunkt. Im Alltag gehen sie - trotz gemeinsamer Wohnung in Frankfurt - getrennte Wege: Mayer startet für das Sprintteam Wetzlar, trainiert wahlweise am Main oder bei ihrem Coach Rüdiger Harksen in Mannheim. Reuther hat sich im Herbst der Gruppe des leitenden Bundestrainers Thomas Dreißigacker in Leipzig angeschlossen - und einen enormen Leistungssprung gemacht.

Noch bei der WM Ende September in Doha war Reuther im Vorlauf eingebrochen. In diesem Winter präsentiert sich der gebürtige Düsseldorfer in nie da gewesener Form: Mit seinen 1:45,39 Minuten von Erfurt liegt der Wirtschaftswissenschaft-Student an zweiter Stelle der Weltbestenliste. Nur Weltmeister Donavan Brazier aus den USA war bisher mit 1:44,22 Minuten schneller. Reuther verbesserte sich dabei nicht nur um mehr als eine Sekunde: In Deutschland war unterm Hallendach überhaupt nur ein Läufer jemals schneller - Nico Motchebon, der Olympia-Fünfte von 1996.

"Ich gehe nicht mehr so verkrampft an die Rennen ran", sagt Reuther. "In meiner neuen Umgebung fühle ich mich einfach wohl." Dreißigacker erklärt: "In seinem Kopf hat irgendetwas stattgefunden, was ihn freier an die Sache herangehen lässt." Der Mittelstreckler hatte einen "Startschuss für eine Persönlichkeitsentwicklung" gesucht, wie er es der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erklärte. Früher habe er sich manchmal darin verloren, sich jede Kleinigkeit zu Herzen zu nehmen: "Ich bin ein Sensibelchen." Auch ein Psychologe hat ihm geholfen, zu neuer Stärke zu finden.

"Einen sensiblen Körper" - das hat nach eigenen Angaben seine Freundin Lisa Mayer. Sie galt einst als größtes deutsches Sprinttalent neben Gina Lückenkemper. Die EM 2018 und die WM 2019 verpasste sie aber wegen Verletzungen. "Es ging erstmal darum, sie wieder wettkampffähig zu machen", erklärt Harksen. Das ist bisher gelungen. Über 60 Meter liegt Mayer mit 7,33 Sekunden nur knapp hinter Lisa Marie Kwayie (Berlin/7,25), Yasmin Kwadwo (Paderborn/ 7,32) und zählt zu den Favoritinnen in Leipzig.

Ihr Blick geht natürlich wie bei Reuther auch längst Richtung Tokio. Mayer hat für die Olympischen Spiele theoretisch gleich drei Optionen: die 100 und 200 Meter sowie die Sprintstaffel. "Ich hoffe, dass meine Form für die 200 Meter reicht. Aber eine Medaille ist, wenn es richtig gut läuft, nur mit der Staffel zu realisieren", sagt die Sportsoldatin und ergänzt mit Blick auf ihren Partner: "Ich hoffe jedenfalls, dass wir Olympia 2020 gemeinsam erleben."

Die beiden haben sich einst im Landeskader kennengelernt. Privat bleiben ihnen derzeit allenfalls die Wochenenden. "Da ist es ganz wichtig, mal abzuschalten. Wenn wir nur über Leichtathletik reden würden, würde es nicht funktionieren", erzählt Mayer. "Wir gehen dann auch mal gerne in die Stadt und schlemmen."

dpa