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Leichtathletik Dauerkrise: Olympiasieger Harting kämpft mit sich selbst
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15:52 11.07.2019
Christoph Harting befindet sich in der Krise. Quelle: Sven Hoppe
Berlin

Formschwäche oder echte Schaffenskrise? Im Jahr der ungeliebten Wüsten-WM in Katar hat es Christoph Harting schon wieder erwischt. Drei Jahre nach seinem überraschenden Olympiasieg kämpft der Diskus-Riese mehr mit sich selbst als mit den Konkurrenten.

"Christoph hat ja seit Rio keinen Erfolg mehr gehabt. Die EM im vorigen Jahr hat ja auch nicht hingehauen. Wenn’s wichtig wird, muss er aber auch mal liefern", sagte Hartings Trainer Torsten Lönnfors der Deutschen Presse-Agentur. "Mit der Hypothek der Vergangenheit ist das jetzt eine Herausforderung für uns."

Christoph Harting hatte sich als Diskuswurf-Olympiasieger überraschend nicht für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 in London qualifiziert. Und bei der Heim-EM 2018 in Berlin war der Lokalmatador nach drei verpatzten Versuchen in der Qualifikation schon raus, dreimal blieb die Zwei-Kilo-Scheibe im Netz hängen. Ein Debakel.

Harting wollte sich aktuell nicht zu seiner Formkrise äußern. Ende April hatte der 29-Jährige in der "Sport Bild" Einblicke in sein Innenleben gegeben. "Das letzte Mal richtig Spaß am Werfen hatte ich mit 14. Die Leute denken: Man muss doch eine gewisse Leidenschaft oder Freude empfinden, wenn man das macht. Nein! Muss man nicht", sagte der gebürtige Cottbuser vom SCC Berlin.

Er selbst würde nicht noch einmal Leistungssportler werden. "Ich würde heute einen anderen Weg gehen. Mit Zwölf hatte ich die Wahl zwischen Sportschule und Mathe-Gymnasium. Ich Vollidiot habe mich für die Sportschule, später für Diskus entschieden."

Bei Christoph läuft es auch in der ersten Saison ohne seinen fünf Jahre älteren Bruder Robert, der 2012 in London Gold bei den Sommerspielen holte und dreimal Weltmeister war, gar nicht rund. Nach acht Wettkämpfen zwischen März und Juni macht er nun erst mal eine Pause. Weiten zwischen 61,02 (Rabat) und 66,01 Metern (Turku) hat Harting angeboten, zumindest die WM-Quali für die Titelkämpfe in Katars Hauptstadt Doha (27. September bis 6. Oktober) abgehakt. Allerdings braucht er bei den deutschen Leichtathletik- Meisterschaften eine überzeugende Leistung.

"Leistungsziel für dieses Jahr waren eigentlich die 70 Meter - davon sind wir jetzt weg", sagte Lönnfors, der auch Bundestrainer ist. "Christoph hat Anfang Mai im Trainingslager nach zwei Tagen Rückenprobleme bekommen. Danach brauchte er sechs Tage komplette Ruhe", schilderte der Trainer. "Eigentlich sollten es in zwei Wochen hunderte Würfe werden - 30 hat er dann gemacht."

Die WM-Saison läuft "momentan sehr schleppend", erklärte Lönnfors. "Der Start in Doha war ja noch ganz okay, im weiteren Verlauf gab’s dann ein Auf und Ab. In Turku hat er die WM-Norm geschafft, da war die Spitze erreicht." Aber die Saison sei absolut kein Selbstläufer: "Wir müssen ständig umdisponieren."

Erst am dritten Juli-Wochenende, beim Diamond-League-Meeting in London, soll Harting wieder in den Ring steigen. Anfang August sind die deutschen Titelkämpfe im Berliner Olympiastadion. "Jetzt wird erst mal trainiert und der Körper wieder auf Vordermann gebracht", sagte Lönnfors, früher Schmidt, ein ehemaliger Diskuswerfer.

Ex-Bundestrainer Jürgen Schult hat mittlerweile eine "gesunde Distanz", wie er sagt, zum Diskuswurf entwickelt. Doch die Szene beobachtet der Olympiasieger von 1988 und Weltrekordler schon noch. "Christoph macht sein Ding, und ich freue mich über seine Erfolge. Und ich würde mich besonders freuen, wenn er mal über 75 oder 80 Meter wirft", sagte Schult. Damit wäre sein inzwischen 34 Jahre alter Weltrekord (74,08 Meter) allerdings Geschichte. Die 80 Meter hatte Harting selber mal als Fernziel verkündet - nicht als Vision.

dpa

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