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Sportmix Eine heikle Gemengelage und die Frage nach dem Ironman
Sportbuzzer Sportmix Eine heikle Gemengelage und die Frage nach dem Ironman
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12:38 09.05.2020
Siegte bereits dreimal auf Hawaii: Jan Frodeno. Quelle: Marco Garcia/AP/dpa
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Berlin

Zumindest eine Ungewissheit dürfte für die deutschen Titelsammler beim Ironman auf Hawaii bald beendet sein. Bis Mitte dieses Monats soll eine Entscheidung darüber fallen, ob das legendäre Rennen in diesem Jahr noch stattfinden kann.

Geplant ist die WM über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen für den 10. Oktober. "Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich mir kaum vorstellen, dass unter diesen Bedingungen Hawaii noch im Oktober stattfinden wird", sagte Zweifach-Champion Patrick Lange der Deutschen Presse-Agentur.

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Vieles, auch entsprechende Aussagen des Ironman-Geschäftsführers Andrew Messick, deuten auf eine Verschiebung hin. Doch sind damit alle Probleme gelöst? Eine Bestandsaufnahme:

GEMENGELAGE: Sie ist pikant. Hier die Marke Ironman, da die Challenge-Rennserie und vor allem die Professional Triathletes Organisation PTO, der 100 Profis etwa angehören, darunter die Top-Stars bei Männer und Frauen. Sie wollte Ironman übernehmen, bot Verhandlungen an. Ironman, damals im Besitz der chinesischen Wanda-Gruppe, lehnte dankend ab, verkaufte ein paar Monate später an das amerikanische Investmentunternehmen Advance. PTO hat als Partner ebenfalls ein Investmentunternehmen (Crankstart). Das Motto: den Triathlon-Sport zelebrieren.

Mit einer früheren Ausschüttung von Prämien sammelte die PTO weitere Punkte bei Athletinnen und Athleten. Und dann verkündete die PTO jüngst dies: eine Weltmeisterschaft über die Halbdistanz (1,8/90/21,1). Sie soll in Daytona am ersten Dezember-Wochenende starten, dotiert mit einer Million US-Dollar.

Ja und? - mögen manche sagen. Zum einen sollen die Profis laut dem Triathlon-Magazin vertraglich zur Teilnahme verpflichtet sein, zum anderen spielt das Datum eine nicht zu vernachlässigende Rolle: Denn exakt eine Woche vorher ist die Ironman70.3-WM im neuseeländischen Taupō angesetzt. Selbe Distanz, nur ein anderes Etikett. Ob beide Rennen angesichts der Corona-Pandemie überhaupt stattfinden, ist das eine, die Ansetzung kann aber sicher als Provokation verstanden werden.

Hinzu kommt, dass vor allem die sogenannten Alterklassenathletinnen und -athleten derzeit nicht alle besonders gut auf Ironman zu sprechen sind. Im Gegensatz zum Kultevent über die lange Strecke, der Challenge in Roth, bekommen Ironman-Anmelder ihre Gebühren vorerst weiter nicht erstattet, sondern lediglich Renn-Alternativen angeboten. Dabei geht es um Startgelder von über 500 Euro.

QUALIFIKATION: Das gilt auch für die Profis. Selbst Titelverteidiger Frodeno muss zumindest einen Ironman ins Ziel gebracht haben. Sein "Tri@home", den der 38-Jährige zuletzt in den eigenen vier Wänden im spanischen Girona absolvierte, zählt dabei nicht. Nur, wo sollen die Frodenos und Anne Haugs denn starten? Derzeit sind keine Rennen in Sicht, alles wurde abgesagt und/oder verschoben.

CHANCENUNGLEICHHEIT: Die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus Sars-CoV-2 sind weltweit unterschiedlich. Und das führt auch zu unterschiedlichen Trainingsbedingungen. Weltmeisterin Anne Haug sieht die Chancenungleichheit daher auch als "ein großes Problem". Allein innerhalb Deutschlands habe ja schon keine Chancengleichheit bestanden, was den Zugang zu Schwimmbädern oder Krafträumen betreffe, sagte die 37-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

2014-Weltmeister Sebastian Kienle hatte es beispielsweise während seines Trainingslagers auf Fuerteventura vor ein paar Wochen besonders schlimm erwischt: Er durfte nicht mal den Pool in dem Sportressort nutzen, Radtouren über die Insel - undenkbar. In Spanien wurde während seines Aufenthalts eine Ausgangssperre erlassen.

VERSCHIEBUNG: Als möglicher Ersatztermin für die Ironman-WM 2020 wird der Februar 2021 gehandelt. Frodeno ist kein Freund davon. "Ich finde es nicht unbedingt gut, eine WM zweimal in einem Jahr zu haben", sagte der dreimalige Weltmeister der dpa. "Das macht es irgendwann ein bisschen albern, einen Februar-Weltmeister und einen Oktober-Weltmeister zu haben." Denn das Rennen, das traditionell im Oktober stattfindet, würde natürlich auch steigen. Frodeno: "Ich denke, dass eine WM, wenn sie nicht im Oktober stattfinden kann, einfach aussetzen sollte."

Ein Problem wäre auch die Vorbereitung auf ein Rennen unter den klimatischen Bedingungen auf Hawaii früh im neuen Jahr. "Sich im kalten europäischen Winter auf ein Hitzerennen vorzubereiten, ist beinahe unmöglich", sagte Lange. "Insofern wird sich hier für alle Teilnehmer die Frage stellen, wie man den Körper bestmöglich klimatisch auf die tropischen Bedingungen auf Hawaii vorbereiten kann." Trainingspläne müssten umgestellt und vor allem auch dahingehend angepasst werden, dass es ja nur acht Monate später zum Déjà-vu in der Südsee kommt.

dpa