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18:23 24.01.2019
Bundestrainer Christian Prokop stehen für das Spiel gegen Norwegen alle Spieler zur Verfügung. Foto: Axel Heimken
Hamburg

Bundestrainer Christian Prokop gab sich vor dem WM-Showdown mit Norwegen ganz entschlossen - und auch seine Schützlinge glauben fest an den ersten Medaillencoup seit zwölf Jahren.

Nach einem entspannten Umzug von Köln nach Hamburg fiebern Deutschlands Handballer mit großen Erwartungen dem WM-Halbfinale gegen den Vize-Weltmeister von 2017 entgegen.

"Es ist geil, dass wir unseren Traum weiter leben dürfen", sagte Prokop am Donnerstagabend. "Wir sind nicht hier, um den anderen zuzuwinken, sondern wollen mehr." Und Kapitän Uwe Gensheimer betonte vor der Partie am Freitag (20.30 Uhr/ARD): "Wir haben unser Ziel Hamburg erreicht, aber wir sind noch nicht fertig."

Im Teamhotel vor den Toren Hamburgs stand am Abend ein letztes Videostudium an. Auch sonst wurde der gewohnte Ablauf nicht verändert. Warum auch? "Wir haben bisher viele Prüfungen bestanden und wollen das auch gegen Norwegen tun", betonte Prokop. "Wir haben nach mehreren Jahren Abstinenz eine einmalige Chance." Die soll mit aller Macht genutzt werden.

Im Falle eines Finaleinzugs wird die DHB-Auswahl am Montag an den Ausgangspunkt ihrer WM-Reise zurückkehren - nach Berlin. Dort ist eine große Medaillenparty geplant. DHB-Vizepräsident Bob Hanning ließ keine Zweifel aufkommen, dass die Mannschaft dieses Ziel fest im Visier hat. "Wenn man so weit gekommen ist, will man auch um Gold spielen", sagte Hanning.

Schon jetzt erinnert die Heim-WM an das Wintermärchen von 2007, als die DHB-Auswahl von einer Euphoriewelle zum Titel getragen wurde. "Man spürt, dass das ganze Land hinter uns steht", sagte Prokop.

Dieses Vertrauen wollen Gensheimer & Co. nicht enttäuschen. "Die Mannschaft ist bereit, alles Menschen mögliche zu tun, um ins Finale einzuziehen", sagte Linksaußen Matthias Musche. Und Rückraumspieler Kai Häfner, einer von nur noch acht Europameistern von 2016 im Team, tönte: "Es wird ein hartes Match, aber ich denke, wir gewinnen es."

In den bisher acht Turnierspielen blieb die zu einer Einheit gewordene Prokop-Truppe unbesiegt. Lediglich gegen den sechsmaligen Rekord-Weltmeister Frankreich, der am Freitag um 17.30 Uhr im ersten Halbfinale auf Co-Gastgeber Dänemark trifft, und gegen Russland wurde in der Vorrunde jeweils ein Punkt abgegeben. "Dass wir ungeschlagen ins Halbfinale gehen, hatten vor dem Turnier nicht viele erwartet", stellte Gensheimer fest. Allerdings: "Das ist ein Statement, das im Halbfinale aber nichts mehr wert ist."

Mit den Norwegern um ihren Superstar Sander Sagosen - bei Paris Saint-Germain Teamkollege von Gensheimer - wartet ein ganz harter Brocken. "Norwegen hat eine starke Mannschaft. Die meisten Spieler haben schon in der Bundesliga gespielt. Das wird sehr, sehr schwierig", prophezeite Torwart Andreas Wolff. Und Prokop warnte: "Man darf Norwegen nicht auf Sagosen reduzieren."

Angesichts des Tempo-Handballs, den die Skandinavier spielen, muss vor allem die deutsche Abwehr wieder zum Bollwerk werden. "Wir müssen gut auf den Beinen sein, in die Zweikämpfe kommen, immer doppeln, so dass es keine Durchbrüche in die Nahwurfzone gibt", formulierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning die Marschroute.

Prokop hat großen Respekt vor dem Gegner und dessen Trainer Christian Berge. "Er ist ein Taktikfuchs und ein toller Mensch", sagte der 40-Jährige über seinen Kollegen. Der Fokus soll aber vor allem auf den eigenen Stärken liegen. "Die wollen wir wieder ausspielen."

Neben der Defensive soll der zweite deutsche Trumpf stechen - die Fans. "Wenn es um das Finale geht, darf es keinen auf dem Sitz halten. Da muss jeder Bock drauf haben", sagte Häfner. Und Kreisläufer Jannik Kohlbacher meinte: "Wir brauchen alle Fans, um unseren Traum vom Finale zu verwirklichen."

Den nötigen Rückenwind holte sich die Mannschaft bei der Verabschiedung aus Köln beim 31:30 im bedeutungslosen Hauptrundenfinale gegen Europameister Spanien. "Auf der Ehrenrunde habe ich die positiven Bilder abgespeichert", berichtete Gensheimer. "Ich hoffe, dass wir in Hamburg wieder so eine Mega-Stimmung hinbekommen und unseren Heimvorteil nutzen können."

Fabian Böhm, mit fünf Toren bester deutscher Werfer gegen Spanien, glaubt fest an einen Sieg: "Weil wir die bessere Mannschaft sind, weil wir gerade einen absoluten Teamspirit haben, weil jeder füreinander kämpft und weil wir einfach bereit sind."

Seit der WM-Premiere 1938 haben deutsche Mannschaften bisher zehn Medaillen gewonnen - nur zwei davon aber nach der deutschen Wiedervereinigung. 2003 gab es in Kroatien Silber, 2007 im eigenen Land Gold. Entsprechend groß ist die Sehnsucht nach Edelmetall. Und Torwart Wolff bekannte: "Ich bin ein Romantiker. Mein Traum-Finale wäre Deutschland gegen Dänemark."

dpa

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