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Formel 1 Welche Rolle spielt Wolff im Vettel-Poker?
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Welche Rolle spielt Wolff im Vettel-Poker?

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13:27 17.07.2020
Toto Wolff ist der Teamchef von Mercedes. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Budapest

Als neulich ein Foto in sozialen Netzwerken auftauchte, das Sebastian Vettel im Fahrerlager im Gespräch mit einem Mann zeigte, der sich die schwarze Kapuze seiner Mercedes-Team-Jacke weit über den Kopf gezogen hatte, war die Aufregung gleich groß.

Es war Toto Wolff, Teamchef der Silberpfeile, deren Social-Media-Abteilung gleich mit einer Fotomontage mit Kermit ohne und mit Kapuze aus der Muppet Show konterte und drüber schrieb: "Toto oder böser Kermit?".

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Kaum einer weiß so gut wie Wolff, wie man die Puppen tanzen lassen muss in der Showbranche Formel 1. Als Vettels Aus zum Saisonende bei Ferrari verkündet wurde, sagte der Österreicher in einer ersten Reaktion: "Mit Blick auf die Zukunft sind wir in erster Linie gegenüber unseren aktuellen Mercedes-Fahrern zu Loyalität verpflichtet, aber wir können diese Entwicklung natürlich nicht außer Acht lassen." Flirt? Kann man so sagen. Auf jeden Fall keine Absage, die es erst Wochen später durch Daimler-Boss Ola Källenius gab.

Nun könnte es sein, das Vettel zu so etwas wie dem B-Team von Mercedes gehen wird - bei dem Wolff aber auch eine Rolle spielt. Der 48 Jahre alte Österreicher hat Aktien für damals etwas über 9 Millionen Euro erworben und damit einen 0,95-prozentigen Anteil an dem Unternehmen Aston Martin, das im kommenden Jahr als Nachfolger von Racing Point in der Formel 1 durchstarten will.

Spekuliert worden war auch schon, ob Wolff, der auch Anteilseigner des Mercedes-Teams ist, auch noch als Geschäftsführer bei Aston Martin einsteigen könnte. Wolff dementierte das. Und Daimler betonte in dem Zusammenhang: Wolff sei und bleibe der Mercedes-Teamchef - über die Saison hinaus.

Unterschrieben ist aber auch bei ihm noch nichts. Ebenso wenig bei Silberpfeil-Superstar Lewis Hamilton und auch beim zweiten Mercedes-Piloten, Valtteri Bottas. Das beide ihre Namen unter ein sicher bestens dotiertes Arbeitspapier mit Mercedes-Briefkopf setzen werden, wird nicht besonders angezweifelt. Spannend wird die Vertragsdauer vor allem beim mittlerweile auch schon 35 Jahre alten Hamilton sein. Ebenso wie bei Wolff, um den sich immer mal wieder auch Spekulationen ranken, dass er auch an die Spitze der gesamten Formel 1 rücken könnte.

Kaum einer zweifelt an seinen Führungsqualitäten, nachdem er Mercedes zum erfolgreichsten Team und Serien-Weltmeister der vergangenen Jahre gemacht und den damaligen Stallkrieg zwischen Hamilton und Nico Rosberg sogar erfolgreich befriedet hatte. Dabei mag Wolff das Wort "Führung" überhaupt nicht. "Ich bin überzeugt, dass in einer erfolgreichen Organisation jeder Einzelne Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen und dann dafür geradestehen muss", sagte er jüngst in einem Daimler-Interview.

Bevor Wolff zur Saison 2013 zu Mercedes kam, hatte er in der Finanzbranche bereits Millionen verdient. Er sei dort unter anderem für die Zusammenstellung kompetenter Teams verantwortlich gewesen. "Die damit verbundenen Erfahrungen helfen mir enorm bei der Zusammensetzung einer leistungsorientierten Organisation, wie einem Formel-1-Team", erklärte er.

Bei Mercedes formte er ein seit 2014 praktisch unschlagbares Team. In diesem Jahr kann sich der Werksrennstall auf dem Weg zum siebten Konstrukteurstitel und siebten Fahrertitel in Serie wohl nur selbst stoppen. Auch das würde Wolff sicher zu verhindern wissen.

Wie er auch eine Lösung parat hatte, als damals Rosberg nach seinem WM-Triumph 2016 völlig überraschend zurücktrat. Wolff holte Bottas. Bis dahin war er auch dessen Manager gewesen, zudem hatte er auch mal Anteile am Williams-Team, für das der jetzige Mercedes-Pilot vorher gefahren war.

Vettel erklärte im Fahrerlager des Großen Preises von Ungarn zu seinem Kontakt mit Aston Martin, dass es gar keiner Initiative von irgendjemandem bedurft habe, also auch nicht von Wolff, der mit Teammitbesitzer Lawrence Stroll allerdings gut befreundet ist. "Es hilft, dass ich schon so lange dabei bin und die meisten Gesichter kenne", erklärte Vettel.

Wenige Tage zuvor hatte Wolff auch mal darüber sinniert, wie es wäre, wenn er den 33 Jahre alten viermaligen Weltmeister Vettel managen würde - beide leben nicht weit von einander entfernt in der Schweiz. "Wenn ich der Manager von Sebastian wäre, würden wir sicher sehr gut miteinander auskommen", meinte er. "Aber ich bin nicht sicher, ob ich ihm damit Gutes tun würde. Ich bin nicht sicher, dass die Teams, die in Frage kommen, dann so gern mit mir diskutieren." An der schwarzen Kapuze über dem Kopf dürfte es nicht liegen.

© dpa-infocom, dpa:200717-99-829749/2

dpa