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Sport Regional Ramona Raulf begeht ihren 60. Geburtstag
Sportbuzzer Sport Regional Ramona Raulf begeht ihren 60. Geburtstag
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20:29 25.07.2018
Ramona Raulf (r.) traf beim Dresdner SC vor einiger Zeit andere ehemalige Weltklasse-Athleten wie Heike Drechsler wieder. Quelle: Matthias Raulf
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Dresden

Ramona Raulf ist erstaunt über die Frage, wie sie den Donnerstag verbringt: „Geburtstag hat man doch jedes Jahr und die Zahl spielt doch überhaupt keine Rolle“, sagt sie lachend am Telefon und schickt gleich noch hinterher: „Ich bin noch jung.“ Das Datum im Ausweis signalisiert dennoch, dass die Powerfrau mit der blonden Kurzhaarfrisur nun in den „Club der Sechzigjährigen“ aufgenommen wird. Allerdings kann man das tatsächlich nur schwer glauben, wenn man die energiegeladene, lebensfreudige und vitale Ex-Leichtathletin erlebt. Ihr Jubiläum verbringt sie mit ihrem Mann Matthias ganz entspannt im Urlaub in Kalabrien. „Wir gehen schön essen, gefeiert wird mit Familie und Freunden erst Mitte August“, verrät Ramona Raulf, die unter dem Namen Neubert 1983 in Helsinki als erste Siebenkampf-Weltmeisterin in die Geschichte einging. Für den damaligen SC Einheit Dresden wurde sie zudem 1982 Europameisterin in Athen, Olympia-Vierte im Fünfkampf 1980 in Moskau und stellte zwischen 1981 und 1984 vier Weltrekorde im Siebenkampf auf.

Dass sie eine erfolgreiche Leichtathletin wurde, verdankt sie einem Zufall. „Ich habe als Kind vieles ausprobiert, spielte Handball, betrieb Leichtathletik. 1971 lud mich der SC Einheit zur Sichtung ein. Ich bestand den Test und wurde in die Kinder- und Jugendsportschule aufgenommen. Nur eine Woche später kamen die Trainer aus Leipzig, wollten mich als Handballerin an die KJS holen. Zu spät. Bereut habe ich das nie“, so die gebürtige Pirnaerin. Schon bei ihrer ersten EM-Teilnahme 1978 belegte sie einen guten sechsten Platz. Im gleichen Jahr heiratete sie den Sprinter Christian Neubert. Die Ehe hielt nur sechseinhalb Jahre. Nach der Scheidung 1984 fand sie jedoch mit Matthias Raulf die große Liebe, die bis heute hält. Tochter Anne (32) und Sohn Maximilian (29) vervollständigen das Familienglück.

Die Olympischen Spiele in Moskau zählten zu den Marksteinen ihrer Laufbahn: „Ich hatte mich in der internen Qualifikation gegen ältere, erfahrene Konkurrenz durchgesetzt und erreichte hinter drei Russinnen den vierten Platz. Schon da merkte ich zum ersten Mal, dass eine solche Platzierung nichts zählt.“ Eine bittere Erkenntnis. Nach 1980 kam sie zu Trainer Heinz Hübner, unter dessen Fittichen sie zu einer der weltbesten Siebenkämpferinnen reifte. Der Olympia-Boykott 1984 war für sie eine schlimme Erfahrung, aber noch bitterer wohl die Tatsache, dass ihr der Verband vor dem Trainingslager in Mexiko den Tod ihrer Mutter verheimlichte. „Damals wurde mir bewusst, man ist nur eine Nummer.“ Als sie dann zwei Schienbein-Operationen außer Gefecht setzten und 1986 Tochter Anne geboren war, verabschiedete sie sich 1987 endgültig vom Leistungssport.

Für ihr berufliches Leben hatte sie da schon lange vorgesorgt. Nachdem sie von 1975 bis 1981 Krippenerzieherin gelernt hatte, holte sie das Abi nach und absolvierte an der DHfK-Außenstelle in Dresden ein Studium, dass sie 1988 als Diplomsportlehrerin abschloss. „Schon ab 1981 gab ich an der medizinischen Fachschule Unterricht. So fiel mir der Einstieg ins Berufsleben nicht schwer“, sagt sie. Seit vielen Jahren arbeitet sie am Berufsschulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen, kann ihren Schülern dabei noch so manches vormachen. Leichtathletik schaut sie meist nur noch im Fernsehen, aber in diesem Jahr ist sie im Berliner Olympia-Stadion bei der EM live dabei. „Wir haben Karten für den 10. und 11. August. Am ersten Tag geht auch mit dem 800-m-Lauf der Siebenkampf zu Ende, das interessiert mich natürlich besonders“, so Ramona Raulf, die sich selbst mit Yoga fit hält. „Ich habe über den Freundeskreis wieder zum DSC gefunden“, erzählt die Jubilarin, die 2016 übrigens per Zufall als 4000. Mitglied des Vereins geehrt wurde.

Von Astrid Hofman