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09:37 03.03.2020
Eine Sanitäterin verlässt am 29. Februar 2020 ein Zelt, das vor der Notaufnahme des Krankenhauses von Cremona aufgebaut wurde. Quelle: Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa
Kiel

Wenn schon diejenigen, die Reisen verkaufen, nicht mehr reisen wollen - warum sollten Urlauber es dann noch tun? Diese Frage stellt sich, nachdem wegen des neuartigen Coronavirus die weltgrößte Reisemesse ITB in Berlin abgesagt worden ist.

Sars-CoV-2 trifft die Tourismusbranche hart und verunsichert viele Reisende, die sich nun fragen: Wo kann ich in diesem Jahr überhaupt noch Urlaub machen, wenn sich das neue Coronavirus überall ausbreitet, zum Beispiel in Italien und jetzt auch in Deutschland?

Viele Urlauber warten erst einmal ab

"Es wird eine abwartende Haltung in den nächsten Wochen geben, und das halte ich auch für sehr vernünftig", sagt der Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann. "Aller Wahrscheinlichkeit werden wir aber einen ganz normalen Sommer haben, in dem man wunderschön verreisen kann." "Viele haben schon ihren Urlaub gebucht und werden das erstmal nicht wieder rückgängig machen", erwartet der Experte vom NIT Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa in Kiel.

Doch was, wenn ich noch keinen Urlaub gebucht habe? Im Prinzip haben Reisende drei Möglichkeiten. Erstens: Sie bleiben zu Hause. Zweitens: Sie planen ihren Urlaub in einem Land, aus dem noch keine Infektionen gemeldet wurden - und hoffen, dass das auch so bleibt. Drittens: Sie reisen in eine Region oder ein Land mit Corona-Infizierten und minimieren dort das persönliche Risiko einer Ansteckung.

Variante 1: Urlaub auf Balkonien?

"Rein medizinisch gibt es überhaupt keinen Grund, nicht zu verreisen", sagt Prof. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Berlin. Die Fallzahlen seien bezogen auf die Gesamtbevölkerung immer noch sehr niedrig. Auch in Norditalien sei das Risiko gering, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Prof. Lohmann sieht das ähnlich: "Ob ich nun in Hamburg oder in Turin mit einem städtischen Linienbus fahre, macht eigentlich keinen großen Unterschied." Also ist es nicht sinnvoll, ein Land oder eine Region zu meiden, weil es dort Covid-19-Erkrankte gibt? "Da müsste man in der Heimat bleiben, aber da kann es ja genauso Fälle geben."

Variante 2: Urlaub in einem Land ohne Coronavirus?

Das neue Coronavirus wurde bisher in mehr als 60 Ländern festgestellt. Weltweit ist derzeit neben dem Ursprungsland China Südkorea am stärksten betroffen. Auch in Iran gibt es viele Fälle. In Europa ist im Moment Italien das am stärksten betroffene Land.

Das heißt wiederum: Es gibt weiterhin viele Länder ohne gemeldete Fälle - jedenfalls noch. "Wir wissen einfach nicht, wo in zwei Wochen Fälle gemeldet werden. Das ist nicht vorherzusagen", gibt Jelinek zu bedenken. Und genau das verunsichert womöglich auch viele Urlauber.

Die großen Reiseveranstalter haben darauf reagiert - und zeigen sich kulant. Wer in den kommenden Wochen einen Urlaub neu bucht, kann bis 14 Tage vor Abreise kostenlos umbuchen oder wieder stornieren. Diese Regelung gilt zum Beispiel bei Tui, DER Touristik und Alltours.

"Die Veranstalter bieten das jetzt an, um den Kunden mehr Sicherheit zu geben und die Angst zu nehmen", erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Der Branchenvertreter sieht hier einen Vorteil der Pauschalreise: "Diese Kunden sind deutlich besser abgesichert und haben jederzeit einen Ansprechpartner."

Variante 3: Egal wohin - Hauptsache vorsichtig sein?

Es gibt derzeit nur sehr wenige Länder, die man unbedingt meiden sollte - allen voran China. Das Auswärtige Amt (AA) rät nach wie vor von nicht notwendigen Reisen in das Land mit Ausnahme von Hongkong und Macau ab. Vor Reisen in die Provinz Hubei wird sogar gewarnt.

In Italien rät das AA nur von nicht erforderlichen Reisen in die Provinz Lodi in der Lombardei sowie nach Vò Euganeo in Venetien dringend ab. "Ich würde nicht dazu aufrufen, jetzt nicht nach Venedig zu fahren", sagt Jelinek. "Aber wenn man sehr vorsichtig sein möchte, dann geht man vielleicht eher in Norditalien irgendwo wandern."

Gesundheitliche Risiken und praktische Probleme

Dem Experten zufolge sollten Urlauber zwei Risiken unterscheiden. Zum einen ist da die Gefahr, sich das Coronavirus einzufangen - diese sei meist gering. "Man muss das Virus erst einmal bekommen", sagt Jelinek. Und dann werde es nur gefährlich, wenn die Erkrankung einen schweren Verlauf nehme.

Das zweite Risiko ist eher praktischer Natur: Es kann am Zielort zu Einschränkungen kommen. Wenn wie in Paris der Louvre geschlossen wird, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Doch im schlimmsten Fall droht eine Quarantäne wie in einem Hotel auf Teneriffa. "Wenn Sie eine Behörde haben, die kurzfristig alles absperrt, dann können Sie nichts tun", sagt Jelinek.

Ein Restrisiko bleibt fast überall

Also lieber in ein Ferienhaus im Nirgendwo als in ein Massenhotel mit 500 Zimmern und internationaler Gästeschar? Das schützt auch nicht sicher, denn Urlauber müssen ja immer noch die Anreise bewältigen - und die führt häufig über Bahnhöfe und Flughäfen.

dpa

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