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Diese schrägen Weihnachtsbräuche gibt es in anderen Ländern

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12:05 22.12.2021
Andrew Flores fügt in seinem kleinen Geschäft für Weihnachtsdekoration im Dorf Elias Aldana nahe Manila Glühbirnen zu einer aus Capiz-Muscheln gefertigten Parole hinzu.
Andrew Flores fügt in seinem kleinen Geschäft für Weihnachtsdekoration im Dorf Elias Aldana nahe Manila Glühbirnen zu einer aus Capiz-Muscheln gefertigten Parole hinzu. Quelle: Dhang De Castro/dpa
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Bangkok

Andere Länder, andere Sitten: Die Festtage sind in aller Welt mit zahlreichen Traditionen und Bräuchen verbunden. Manche sind dabei ganz schön schräg.

Freche Gnome, mehr als ein Dutzend Nachtische zum Festschmaus und Scheißerchen als Glücksbringer: Mancherorts geht es zu Weihnachten ziemlich skurril zu. Ein Überblick aus allen Kontinenten.

- Tschechien: Viele Tschechen verbinden Weihnachten mit einem Karpfen in der Badewanne. Lange war es üblich, den Fisch bei einem der vielen Straßenhändler lebend zu kaufen und bis Heiligabend im Wannenwasser schwimmen zu lassen. Der Brauch ist auf dem Rückzug, da viele Familien inzwischen über eine Tiefkühltruhe verfügen. Zudem machen Tierschützer dagegen mobil. Gereicht wird der panierte Karpfen am 24. Dezember traditionell mit Kartoffelsalat. Einige Karpfenschuppen werden unter den Teller gelegt oder in die Geldbörse gesteckt - sie gelten als Symbol des Reichtums. Ärzte raten dazu, sich beim Essen Zeit zu lassen und auf die Gräten zu achten - Dutzende Menschen landen in Tschechien aus Unachtsamkeit jedes Jahr zu Weihnachten in der Krankenhaus-Ambulanz.

- Spanien: Zur Weihnachtszeit treibt sich in Kataloniens Weihnachtskrippe ein merkwürdiger Geselle herum. Aber man muss schon genau hinsehen. Auf den ersten Blick scheint alles in bester Ordnung. Maria wickelt das Jesuskind in Windeln und die von den Engeln herbeigerufenen Hirten knien artig vor der Krippe. Aber was ist das? Irgendwo im heiligen Gelände sitzt eine Figur mit heruntergelassenen Hosen in der Hocke und einem großen braunen Haufen unter dem blanken Hintern. Der Caganer, das Scheißerchen, ist eine jahrhundertealte Tradition in der Region rund um Barcelona und gilt als Glücksbringer. Ihr Ursprung liegt im Dunkel der Geschichte. Die Verrichtung der Notdurft wird dabei als Symbol des ewigen Kreislaufs des Lebens interpretiert: Der Boden der Krippe wird gedüngt, damit diese auch im nächsten Jahr wieder in voller Schönheit entstehen möge.

- Australien: Wenn im Dezember "White Christmas" aus den Radios tönt, schwitzen die Australier unter der heißen Sonne. Das Weihnachtsfest fällt mitten in den Sommer, deshalb feiert man in bester "Aussie"- Manier mit Barbecues und eiskaltem Bier. Auch frische Garnelen dürfen nicht fehlen, besonders an Heiligabend. Beim Familienpicknick am Strand kann man die surfenden Santas beobachten, die mit Weihnachtsmütze - aber ohne dicken Bauch und Rauschebart - den hohen Wellen trotzen. Noch mehr Weihnachtsmänner gibt es bei den "Santa Pub Crawls" zu sehen, bei denen sich Kostümierte von Bar zu Bar trinken.

- Liberia: Im westafrikanischen Liberia besuchen in der Vorweihnachtszeit Tanzende Teufel Städte und Dörfer. Begleitet von lautem Trommeln ziehen die von Kopf bis Fuß mit Bast bedeckten, bis zu drei Meter großen Figuren auf Stelzen durch die Straßen. Statt Kindern Geschenke zu bringen, fordern sie Geld von Passanten ein. Die Teufel verkörpern jedoch nicht das Böse, sondern werden als spirituelle Persönlichkeiten angesehen, die ähnlich wie Knecht Ruprecht etwa Kindern ein wenig Angst einjagen sollen.

- Frankreich: In der südfranzösischen Gegend Provence gibt es zu Weihnachten einen besonders reich gedeckten Tisch. Die Tradition verlangt nach 13 Nachtischen - in Erinnerung an Jesus und seine zwölf Jünger. Lange in der Küche stehen muss für den Brauch aber niemand, denn bei den Nachspeisen handelt es sich etwa um Trockenfrüchte, Nüsse und Nougat. Die genaue Zusammenstellung variiert von Familie zu Familie. Der Brauch will es, dass jeder ein bisschen von jedem Nachtisch nascht, um Glück zu bekommen.

- Philippinen: Im südostasiatischen Inselstaat stellen die Menschen schon ab Mai riesige Mengen an sternförmigen Laternen her. Die Weihnachtsornamente heißen "Parol" und es gibt sie nur auf den katholischen Philippinen. Gebaut werden sie traditionell aus Bambusstöcken und buntem Japanpapier. Heute werden aber auch andere Materialien wie Metalldrähte, Glasfaser und Plastikfolie verwendet. Zur Beleuchtung dienen Kerzen, LEDs oder Glühbirnen. Die "Parol" symbolisiert den Stern, der die Heiligen Drei Könige zur Krippe führte. "Bestellungen gehen zu Tausenden ein, und wir beginnen mit der Auslieferung schon im August", sagt Alicia Bencio, eine 65-jährige Parol-Macherin aus dem Dorf Elias Aldana. Kurz danach beginnt die wohl längste Weihnachtszeit der Welt: Sie dauert auf den Philippinen von September bis Januar.

- Mexiko: Vom 16. Dezember bis Heiligabend feiern die Mexikaner die sogenannten "Posadas". So wie Maria und Josef in Bethlehem ziehen Freunde und Verwandte in der Nachbarschaft täglich wechselnd von Haus zu Haus, um Obdach zu suchen. Eine Gruppe stellt die Heilige Familie dar und bittet singend und mit Kerzen in der Hand um Herberge vor der geschlossenen Eingangstür. Dahinter wartet die zweite Gruppe, die die Gastwirte repräsentiert. Diese weigern sich - ebenfalls singend - sie hinein zu lassen. Am Ende lassen sich die Gastwirte aber erweichen und öffnen die Tür. Dann wird groß mit Punsch und mexikanischen Spezialitäten gefeiert. Die Kinder zerschlagen sternförmige "Piñatas" aus Pappmaché, die mit Süßigkeiten gefüllt sind.

- Norwegen: In Norwegen stellen Familien mit kleinen Kindern an Heiligabend gern einen Teller mit Haferbrei (grøt) vor die Tür. Der ist für den Gnom, der dem Volksglauben zufolge im Stall lebt und über die Tiere wacht. Sein norwegischer Name ist Nisse und von ihm gibt es verschiedene Ausführungen. Bekommt er keinen grøt, kann er den Menschen üble Streiche spielen. Über die Jahrhunderte hinweg ist die Figur des Nisse mit dem aus Deutschland kommenden St. Nikolaus zusammengeschmolzen. Heute ist es der Weihnachtsnisse mit der roten Mütze, der die Geschenke bringt. Wer aber nun den Brei isst, wird für die Kinder wohl ein Rätsel bleiben.

- Großbritannien: Im Vereinigten Königreich wird abgesehen vom Königshaus, das der deutschen Tradition folgt, nicht an Heiligabend Bescherung gefeiert, sondern am ersten Weihnachtstag. Zur Tradition des Festessens gehören dann oft Knallbonbons, die gemeinsam mit dem Tischnachbarn geknackt werden. Jeder hält ein Ende in der Hand und zieht, so fest er kann. Peng! Wer das längere Ende behält, hat gewonnen. In den Bonbons sind kleine Geduldsspiele oder Schlüsselanhänger, dazu eine farbige Papierkrone, die man sich aufsetzt und ein Zettel mit einem - meist recht flachen - Witz.

© dpa-infocom, dpa:211222-99-476504/2

dpa