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Der Bayerische Wald wird 50

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09:46 13.08.2020
Ausflugsziel: Die Reschbachklause ist ein hübscher kleiner Stausee im Bayerischen Wald. Quelle: Mona Contzen/dpa-tmn
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Grafenau

Max Kufner stammt aus einer Holzhauerdynastie. Sein Großvater und sein Vater haben im Bayerischen Wald einst Buchen vergiftet, um Platz zu schaffen für die so nützlichen Fichten.

Hektarweise haben sie die Nadelbäume gepflanzt. Ein Schlaraffenland für Borkenkäfer, die den Wald töteten. Apokalyptische Bilder von nackten Stümpfen machten Ende der 1990er Jahre die Runde.

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"Damals haben die Einheimischen gedacht: Ihr seid's ja verrückt! Schaut's euch den kaputten Wald an", erinnert sich der Ranger der Nationalparkwacht. "Heute stehe ich da und denke: Des is a Traum!"

Wo man der Natur ihren Lauf lässt

Der Nationalpark Bayerischer Wald, Deutschlands erster Nationalpark überhaupt, wird im Oktober 50 Jahre alt. Und seit mehr als drei Jahrzehnten gilt hier die Maxime "Natur Natur sein lassen".

Was das bedeutet, kann man zum Beispiel im Urwald Mittelsteighütte erleben: Umgestürzte Bäume, ineinander verkeilte Baumkronen und hoch aufragende Wurzelteller formen ein wucherndes Mosaik. Auf dem Boden vermodern Mutterstämme, auf denen nach 15 oder 20 Jahren unzählige kleine Fichten, Eschen und Buchen sprießen. Das morsche Holz und die Pilze, die darauf wachsen, kann man in der Luft schmecken.

Von wegen Waldfriedhof

Gegen den Protest der Bevölkerung, die zu großen Teilen für eine Bekämpfung des Borkenkäfers und Pflanzaktionen plädierte, durften sich die Wälder des Nationalparks mit ihren Mooren, Bergbächen und Gipfellagen nach ihren eigenen Gesetzen und ohne menschlichen Einfluss zur Wildnis entwickeln: Gut 72 Prozent der insgesamt 24 000 Hektar des Schutzgebiets gehören inzwischen zu solchen Naturzonen.

Der noch Ende des letzten Jahrtausends totgesagte Wald hat sich nicht nur stark verjüngt, er wächst auch dichter und artenreicher als zuvor. Aus dem "größten Waldfriedhof Europas", wie ein Magazin damals titelte, ist ein riesiger Waldkindergarten geworden.

Luchse, Wölfe und jede Menge Auerhühner

Das mögen auch die Tiere. Auerhühner brüten wieder zu Hunderten in der Region, die zusammen mit dem tschechischen Nachbar-Nationalpark Sumava das größte Waldgebiet Mitteleuropas bildet. Luchse streifen wieder durchs Dickicht. Wölfe ziehen hier ihren Nachwuchs groß. Allein 16 Käferarten wurden dank des hohen Anteils an Totholz schon entdeckt. "Und bei den Pilzforschern gibt's jedes Jahr einen Neufund", sagt Max Kufner und grinst unter seinem Schnauzer hervor.

Manche der seltenen Tiere müssen beschützt werden vor den 1,3 Millionen Besuchern, die inzwischen pro Jahr auf insgesamt mehr als 500 Kilometern markierter Wege wandern und radeln.

Zwei große, naturnah gehaltene Tierfreigelände in den Nationalparkzentren Lusen und Falkenstein sollen die Chancen erhöhen, Hirsch, Luchs und Co. zu erspähen - eine Garantie gibt es dank der vielen Rückzugsmöglichkeiten in den weiträumigen Gehegen nicht.

Biber gestalten den Wald

Inzwischen kann man eindrucksvoll sehen, wie die Tierwelt die Landschaft im Nationalpark gestaltet. An der Reschbachklause bei Finsterau beispielsweise, keine zwei Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, haben Biber ganze Teiche angestaut.

Auch hier haben Borkenkäfer gewütet, die trockenen Stümpfe der abgestorbenen Fichten ragen noch wie Totempfähle aus dem Dickicht. Aber der Kahlschlag hat auch hier neues Leben ermöglicht: Wo der Wald lichter geworden ist und Sonnenstrahlen auf den Boden dringen konnten, wachsen die ersten Weidenröschen und Preiselbeeren, Heidel- und Brombeeren. Vereinzelt gibt es auch schon Birken und Ebereschen, deren Vogelbeeren die schmalen Pfade zwischen den beinahe schwarzen Tümpeln in einen zarten Vanilleduft hüllen.

Und wenn die Fichten schließlich wieder so hochgewachsen sind, dass kein Licht mehr auf den Waldboden fällt, verschwinden die kleineren Arten - bis der Kreislauf aus Werden und Vergehen von vorne beginnt.

© dpa-infocom, dpa:200812-99-143838/2

dpa